Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Und dann kracht es richtig. Die MySpace Secret Show machte am vergangenen Donnerstag wieder in Hamburg Station. Nach Justice und Boys Noize im Uebel & Gefährlich, wurden diesmal Billy Talent in die Markthalle geschickt.

Ihre ersten Live-Erfahrungen mit Hamburger Publikum machten Ben, Ian, Jon und Aaron – man glaubt es angesichts des aktuellen Erfolges kaum – im gemütlichen Molotow. Unvergessen bleibt auch die Show im Grünspan, zusammen mit den Beatsteaks. Anfang 2007 spielten die Kanadier zuletzt in Hamburg. Damals haben sie in Windeseile die Alsterdorfer Sporthalle ausverkauft.

Vor zwei Jahren war der Vierer das letzte Mal zu Besuch in Hamburg. Ebenso lang ist es her, dass Billy Talent die erste MySpace Show Kanadas gerockt haben. Das muss gut gelaufen sein, schließlich konnten sie erneut für eine solche Show gewonnen werden. Diesmal bei uns.

Das von der Internetplattform gesponserte Konzert war für die Besucher kostenlos und bereits ein paar Tage vorher gar nicht mehr so geheim, wie der Name „Secret Show“ vermuten ließe. Daher kamen die Fans und die, die es eventuell noch werden wollten, in Scharen. Ein paar Schüler aus Sachsen – auf Klassenfahrt in Hamburg – haben sich am Tag der Show morgens um 06:00 Uhr noch schnell bei der Plattform MySpace angemeldet, um einen Ausdruck ihres Profils erzeugen zu können. Dieser galt als Eintrittskarte. Für einen jungen Mann, den wir im Foyer trafen, war dies das erste Konzert seines Lebens und er war stolz wie Oskar, es nach vier Stunden Wartezeit, endlich in die Halle geschafft zu haben. Andere nahmen eine lange Anreise aus Hannover, Berlin oder sogar Stuttgart auf sich – mit dem Risiko, die Show im Endeffekt gar nicht sehen zu können. Denn es gab keine Gnade, keinen „Entfernungsbonus“. Nur wer früh genug an der Halle war, kam auch rein. Als diese voll war, wurden die Türen geschlossen und Einige wurden, im wahrsten Sinne des Wortes, im Regen stehen gelassen.

Zwei Stunden vor Showbeginn füllte sich die Halle und all die Glücklichen, die rein durften drängten sich auch sogleich vor die Bühne. Die Markthalle füllte sich nach und nach und die Vorfreude derer, die dabei sein durften stiegt genauso rasant wie die Raumtemperatur. Selbst die Betreiber des Clubs sprachen von dem – bis dato – Highlight des Jahres. Alle warteten gespannt.

Punkt 21:00 Uhr sprangen, absolut energiegeladen und in schwarz gekleidet, Billy Talent endlich auf die Bühne. Die Band ließ nichts anbrennen und rockte sogleich mit einigen ihrer Hits los. „Devil In A Midnight Mess“ machte den Anfang, gefolgt von „The Ex“, „This Suffering“ und „Line & Sinker“. Mit „Rusted From The Rain“, der aktuellen Single, ertönte anschließend das erste Lied der neuen mit „III“ betitelten Platte, welche am 10. Juli erscheint.

Von Beginn an war die Stimmung auf dem Siedepunkt. Dass überwiegend Altbekanntes zu hören war, trug sicher auch dazu bei. Das Publikum sang fleißig mit, tanzte ausgelassen, klatschte und feierte. All dies erfuhr bei „Surrender“ sogar noch eine Steigerung, als Sänger Ben bat „help me sing“. Bei all den in die Luft gestreckten Armen und dem lauten Gesang der Fans ging die Band schon fast unter. Zum Dank gab es am Ende des Liedes eine tiefe und dankbare Verbeugung von der Bühne – begleitet von tosendem Applaus.

„Turn Your Back“, einer der (nicht mehr ganz so) neuen Songs ging raus an Anti-Flag, welche daran ja nicht ganz unbeteiligt waren und mit „Try Honesty“ schlossen Billy Talent nach einer guten Stunde feinstem, intensivstem Rock ihr Hauptset. Nach kurzer Verschnaufpause setzten sie zu der aus drei Liedern bestehenden Zugabe an. Kurz vor Schluss bedankte sich der Sänger von ganzem Herzen und fragte, ob noch „any energy left“ sei, ehe mit „Red Flag“ das endgültig letzte Lied des Abends angestimmt wurde.

Im Laufe des Abends wurde die Luft immer schweißgetränkter und der Raum glich einer Sauna. Nicht nur den Menschen im Saal war verdammt heiß, auch auf der Bühne wurde geschwitzt und dies kundgetan. Die fehlende Klimaanlage wurde von Seiten der Band belächelt und sorgte für Verwunderung. Wir Deutschen seien doch so effizient und intelligent, bekämen es aber nicht auf die Reihe, einen Club zu kühlen. So nahmen sich Billy Talent der schwitzenden Fans an und verteilten Wasserflaschen von der Bühne. Hin und wieder ließ es sich jedoch auch dadurch nicht verhindern, dass einige erschöpfte Mädchen und Jungen in den ersten Reihen aufgaben und sich rausziehen ließen.

Beim auseinander Gehen gab es von Sänger Benjamin Kowalewicz ein „Tschüss“ und das heißt in Hamburg ja bekanntlich „Auf Wiedersehen“. Noch in diesem Jahr soll das der Fall sein. Frontmann Ben sagte, hier sei ihr „home away from home“ und wenn sie demnächst wieder hier touren, sollten wir gefälligst alle kommen. Er will sich die Gesichter merken und dies dann kontrollieren. Freuen wir uns also auf die persönliche Begrüßung eines jeden Einzelnen durch Ben beim nächsten Hamburg-Termin. Dann sicher in einer größeren, wenn nicht der größten Halle der Hansestadt. Dürfte also schwierig werden.

Ganz objektiv betrachtet muss man sagen, es war eine verdammt gute Clubshow. Nicht mehr, aber definitiv auch nicht weniger. Eben ein kraftvolles und packendes Konzert a la Billy Talent, welches wir in dieser Größenordnung wohl so schnell nicht wieder erleben dürfen. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön auch an MySpace für das Sponsoring. Auf deren Seite wurden übrigens bereits Fotos eingestellt, unter anderem von der langen Menschenschlange, welche sich schon früh am Nachmittag des Veranstaltungstages regelrecht um die Markthalle wickelte. Zudem wurde die Show gefilmt. Das Video wird sicher demnächst ebenfalls dort zu sehen sein. Darauf dürften sich dann auch die Anwesenden in den ersten Reihen wieder finden, denn bei „Devil On My Shoulder“ nahm Sänger Ben eine der Kameras persönlich zur Hand und damit das Publikum auf. (cR)

Fotos: Michael Kellenbenz / musikfotografen

Setlist:
Devil In A Midnight Mass
The Ex
This Suffering
Line & Sinker
Rusted From The Rain (neu)
Saint Veronika (neu)
Surrender
River Below
The Navy Song
Pins And Needles
Devil On My Shoulder (neu)
Turn Your Back (neu)
This Is How It Goes
Try Honesty

Perfect World
Fallen Leaves
Red Flag

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