01. April - CN präsentiert: Thees Uhlmann & Band (D) - Gr. Freiheit 36
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“Im Zweifel für den Zweifel”

Drei böse L-Worte spalten Hamburg drei Tage danach: “Live leider langweilig”! Die Rede ist vom Tocotronic-Albumrelease vergangenen Freitag im Uebel & Gefährlich. Und tatsächlich ringen “Schall und Wahn” dem hippen Volk im Bunker mit dem herrlich zähen Album-Opener “Eure Liebe tötet mich” zunächst reichlich Geduld ab. Der Leitfaden in das Konzert hinein will erstmal gefunden werden. Den aber gibt die Band (noch) nicht live und versteckt ihn auch ansonsten grandios antizyklisch pendelnd in der Albummitte: “Bitte oszillieren Sie!” [mehr Fotos: Jörg Martin Schulze /Isabel Schiffler]

Zugegeben: Auch in unserem Kreis schlugen die Meinungen gegensätzlich aus. Am Ende der Debatte verlor das neue Werk sein Rennen um das “Album der Woche” denkbar knapp gegen den jungen Get Well Soon. Tocotronic, von der lyrischen Weisheit des späten Tages gleichwohl geküsst wie geschunden (“Das Blut an meinen Händen”), sprechen auf der Bühne wie gewohnt ebenso wenig wie Geistesbruder Gropper aus dem Süden der Republik. Holen dann aber nach den ersten neuen Stücken in der Mitte der siebzig Minuten zum, zu diesem Zeitpunkt gänzlich unerwarteten Gegenargument, “Let there be Rock” aus. An einer Stelle, die, symmetrisch zum Titeltrack “Schall & Wahn”, auch das fluffige “Rockpop in Concert” aus dem Backkatalog hätte hervorzaubern können. Was nicht weniger für das (huch!) fast blumfeldsche “Ein leiser Hauch von Terror” gelten mag. “Vielleicht liegt es daran, dass “Schall und Wahn” noch nicht in Fleisch und Blut übergehen konnte.” bringt es Katja Schwemmers auf den Punkt. Und in der Tat kamen Tocotronic-Konzerte schon ungestümer daher. Eine Lanze gebrochen für die Selbstbefriedigung (“Mach es nicht selbst”) haben sie an diesem immer noch fulminant instabilen Abend aber allemal. (kel)

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