Album der Woche: Lou Rhodes
Wenn man den kurzen Schrecken erst einmal überwunden hat, mit dem Lou Rhodes’ Organ sich in den filigranen Gitarrenklängen Platz verschafft. Wenn sich das Gute präzise seinen Weg durch ein gesetztes Instrumentarium gebohrt hat. Wenn sogar der entsorgte Andy Barlow nach langer Zeit wieder am Geschehen teilnimmt. Dann hat all das noch lange nichts mehr (oder wieder) mit den enthemmten Lamb zu tun. Aufmerksamkeit erregt “One Good Thing” (Vö: 12. März) trotzdem auf eigene Weise.
Mag sein, dass diese vierzig Minuten kleiner, leiser Schritte einigen Zeitgenossen zu sehr im kristallinen Post-Winterzustand auf der Stelle treten. Denn bei aller Nähe, die im Laufe der elf Stücke manchmal quälend eng wirkt, ist “One Good Thing” ein über weite Strecken reichlich unterkühltes Werk geworden. Neo-Folk, der vom Lagerfeuer den Weg hinüber an den Kühlschrank begleitet. Bittere Köstlichkeiten, Zeitlupen und introvertiertes Starren ins Nichts bestimmen das Bild. Wiederhörensfreude mit alten Weggefährten mag anders klingen. Die Rhodes verharrt im chronischen Trauma nach den exzessiven Zeiten ihrer Ursprünge. Ein Kammerspiel zwischen Cello und samtenen Saiten auf verdammt engem Raum. Ungeduldige Zeitgenossen lassen besser die Ohren davon. (kel)
Am 5. Mai tritt Lou Rhodes im Gruenspan auf (concert-news präsentiert). [ticket]

