Album der Woche: The National
Die fünf Wahl-New Yorker The National haben innerhalb von neun Jahren ihr fünftes Album veröffentlicht. Aufgenommen in der umgebauten Garage von Bandmitglied Aaron Dessner, der hauptsächlich mit Frontmann Matt Berninger die Lyrics für das Album schrieb. Komplett wird die Band mit Aarons Bruder Bryce und den Gebrüdern Devendorf.
Beim oberflächlichen Hören drängen sich Bilder auf, von Häuserschluchten („Sorrow“), verlorenen Mädchen mit Kopfhörern, die durch Brooklyn laufen („Anyone’s ghost“) und Matt Berninger, der mit hoch geschlagenem Kragen umherschleicht und sich vor jedem fürchtet („Afraid of everyone“). Musikalisch haben er und die zwei Brüderpaare, die The National ausmachen, aber viel mehr zu bieten. Der Sound ist immer glasklar und auch die Verstärker verzerren nicht genug um die klare Linie des Albums zu verwischen. Hier und da ein wenig Keyboard-Untermalung, aber immer wieder Gitarre, Bass, extrem eingängiges Schlagzeug und der prägnante Gesang. Besonders schön: „Conversation 16“.
Nahezu gejagt wird die Hörerschaft von dem knalligen Schlagzeug in „Anyone’s ghost“, dass nicht nur Dank Matts Bariton an Joy Division erinnert, ebenso wie der gitarrige Einstieg zu „Lemonworld“. “High Violet” scheint viel zu kurz (knappe 48 Minuten), verliert auf dem Weg an Düsterem, wodurch es an Tiefe gewinnt. In dieser Woche vor dreißig Jahren nahm sich Ian Curtis, der seine innere Dunkelheit nicht mehr tragen konnte, das Leben. John Peel sagte, dass Joy Division die Musik 1979 neu definiert haben. Gibt es einen besseren Zeitpunkt dem Düsteren zum Trotz die Kopfhörer aufzusetzen und sich “High Violet” hinzugeben? Joy Division haben Independent Musik neu definiert, „The National“ definieren sich neu mit diesem Album. Ian Curtis hat seine Art gewählt, wählen wir die Musik. (tk)
The National (Support: Midlake), 8. Juli, Stadtpark


