Ticket-Hotline: 040-343044 (Theaterkasse Schumacher)

SUCHE  

„Art und Weise“: Rock Kitchen Catering

Quakige Künstler hinter und auf der Bühne weil die Vorsuppe versalzen war? Ein gefühlter Essenscontainer quer im Magen? Stop! Muss nicht sein. „Rock Kitchen Catering“ aus Hamburg hat die kulinarische Antwort auf so manche Frage. Wir trafen uns mit Robert Weise, der nicht nur die Scorpions (19. November, O2-World) auf ihrer Tour bekocht, zum diskreten und gar nicht rezeptfreien Arbeitsessen.

Thomas Anders im Vorprogramm der Scorpions hat es tatsächlich einmal gegeben. Kontraste sind ja aber auch im Catering durchaus gefragt. Welche Gerichte-Kombination fällt dir aus der Vergangenheit spontan ein, die auf den ersten Blick so gar nicht ging, dann aber für große Begeisterung sorgte?
Da wir nur sehr selten explizite Gerichte und Sonderwünsche bekommen, haben wir die Kombination der Speisen weitesgehend selbst in der Hand. Allerdings ist es manchmal schon erstaunlich, wie sich der ein oder andere Gast ernährt. Auf einer 6 Wochen Tour durch Europa gab es beispielsweise jeden Tag Hummer mit Cocktailsauce für eine Person. Oder ein ganzes Grillhähnchen für einen anderen. Man bekommt aber auch ungewöhnliche Kombinationen mit: ich würde mir nie im Leben rohe Rote Bete mit Karotten und Orangen zu einem Saft pressen. Das ist aber in den letzten Jahren zum Überflieger an derSaftmaschine gewachsen.
Die häufigste Situation ist wohl die, bei der sich der Gast nicht für ein Gericht entscheiden kann und dann jeweils zwei halbe Portionen von Fisch und Fleisch auf einem Teller bestellt. Dann prallen plötzlich Maispoularde mit Birnensauce und asiatisch mariniertes Thunfischsteak aufeinander. Selbst auf den Hinweis, dass das etwas komisch schmecken könne, kommt zumeist ein „Egal.“ oder „Ich bin sicher, es schmeckt super. „Ich nehm mir dann die Freiheit raus und teile das Essen auf zwei Teller auf – weil mir allein der Gedanke an die Kombination schon etwas befremdlich erscheint.

Eine Band oder ein Künstler, der/die dir selber sehr am Herzen liegt, hat einen schlechten Tag und „würdigt“ euer Werk mit ausgeprägter Antipathie. „Futtert“ man sich im Laufe der Jahre da selbst ein professionelles, dickes Fell an oder gönnt ihr euch auch mal heimlich ein paar professionall beleidigte Minuten?
Das ist tatsächlich so noch nicht vorgekommen. Klar, manchmal hat ein Künstler oder Crewmitglied einen schlechten Tag. Aber an mir bzw. uns hat das noch niemand ausgelassen. Ich seh es auch als die Aufgabe des Caterers an, solche Situationen zu entschärfen. Mit Essen und Aufmerksamkeit geht das recht gut. Wir haben zum Beispiel den „Gute-Laune-Kuchen“. Das Rezept ist schnell und recht einfach – und kann ohne viel Aufwand an verschiedene Geschmäcker angepasst werden.
Es gibt da u.a. einen Künstler, mit dem wir schon lange zusammenarbeiten. Der mag Schokoladenkuchen richtig gern. Anhand seines Gesichtsausdrucks erkennt man schnell, ob er grad einen schlechten Tag hat – und dann ist innerhalb von 40 Minuten der saftige Schokokuchen in seiner Garderobe. Dieser Kuchen hat schon so manches Lächeln auf Gesichter gezaubert. Ich kann auch von keiner Produktion behaupten, sie sei besonders nervig oder anstrengend gewesen. Das „dicke Fell“ hab ich mir eher in Bezug auf Rahmenbedingungen zugelegt. Selbst die scheinbar idiotensicherste Anforderungsliste (mit Bestellungen zu Strom, Kühlschrank, Sitzmöbel,etc ) erweist sich regelmäßig als Quelle des Unmuts. Saubere Kühlschränke sind nach wie vor eine utopische Vorstellung. Es gibt auch Städte, die versuchen mir zu erklären, sie könnten Sonntags keine frischen Backwaren auftreiben.


Dieses Jahr verzeichnet gefühlt besonders viele verstorbene Musiker. Mit welchem Künstler, der seit kurzem oder länger nicht mehr lebt, hättest du gerne noch zusammengearbeitet? Und gibt es einen absoluten Traum, den du dir beruflich noch erfüllen möchtest? Wie „nah“ begegnet ihr bei der Arbeit überhaupt den Künstlern in der Regel?

Ich persönlich besetze in dieser Hinsicht eher eine Aussenseiterrolle: meine musikalischen Interessen liegen bei Künstlern, die sich ein Tourcatering nicht leisten können. Noch nicht. Allerdings treffen mich, vor allem dieses Jahr, viele Todesmeldungen auch persönlich. Zu Paul Gray (Slipknot, † 24. Mai  2010) hab ich ein recht gutes Verhältnis gehabt und auch über Tourneen hinaus Kontakt gehalten. Ich versuche bei Produktionen ein weitesgehend neutrales Verhältnis zu den Künstlern zu pflegen. Ein zu enges, fast schon aufdringliches Verhalten empfinde ich als negativ, unprofessionell. In erster Linie ist es ein Job, eine Dienstleistung. Wenn man sich mit dem „Kunden“ gut versteht macht es natürlich umso mehr Spaß. Aber ich möchte nicht der beste Kumpel vom Künstler werden. Ich würde einen Künstler auch nicht nach einem Autogramm oder einem gemeinsamen Foto fragen.

Denn, und da komm ich zu der „Nähe zum Künstler“, als Caterer erfährt man eine Menge an Vertrauen. Oftmals auch ohne den Künstler vorher getroffen zu haben. Wir haben Zutritt in die Garderoben, der Künstler vertraut uns seine Gesundheit an und teilt mit uns private Eigenheiten wie Ess- und Trinkgewohnheiten. Dieses Vertrauen weiss ich sehr zu schätzen. Dies ist auch ein elementarer Grund, weshalb ich diese Grunddistanz zu den Künstlern halte. Dann gibt es Künstler, die möchten „ihren Caterer“ überall dabei haben. Immer. So haben wir schon des öfteren Hotelküchen bevölkert und das Essen an Off-days, bei Fremdveranstaltungen oder im Urlaub zubereitet. Oder die Kids der Künstlerin betreut, während Mama auf einer Preisverleihung war. Inklusive Kinder-Kochkurs mit Pancakes und Obstsalat. Es kommt natürlich auch vor, dass man mit einem Künstler eine freundschaftliche Beziehung aufbaut – vor allem auf Tour bildet die Crew eine Art Familienersatz, die schnell Bezugspunkt wird. Oder man findet sich einfach sympathisch, teilt gemeinsame Interessen usw. Dann lädt der „Chef“ auch mal zum nächtlichen Fussballspiel in der Venue ein. (kel)


Einen Kommentar schreiben