Album der Woche: Earl Greyhound
Latino-Prog und Psycho-Orgel? Na gut, Earl Greyhound wollen es also wissen. Mit dem Opener-Doppel “The Eyes of Cassandra (Part I & II)” geht “Suspicious Package” in die vollen Vierzehn. Einen anständigen Trommelwirbel später kicken drei Fußpaare kurzerhand (und nicht zum letzten Mal) Lenny K. vom verrosteten Retro-Thron, dass die Funken nur so sprühen. Und wir sind ja gerade erst bei Track Nummer Drei angelangt.
Beim neugegründeten Hamburger Label “The Organisation” sind die New Yorker also mit ihrem Zweitling untergekommen. Ob es jetzt tatsächlich Led Zeppelin sind oder doch Mars Volta, deren Giftspritzen alle Augenblicke rechts und links des furztrockenen Schlagzeuggelötes Quaddeln unter die Haut setzen? Stacheldraht müssen die sich um ihre hartkochenden Eier gedreht haben, so verdammt viel Platz bleibt zwischen deren Beinen. Von Bassistin Kamara Thomas vielleicht einmal abgesehen. Und als wäre die geballte Testosteron-Shyce nicht schon phatt genug, gibt es noch drei Vollwert-Songs vom Vorgänger “Soft Targets” anbei. Wäre doch gar nicht nötig gewesen. Denn gerade wenn es in Hälfte Zwei sogar mal ein paar Schritte Richtung Cat Stevens vs. The Black Crowes geht (“Out Of Air”), hat sich dieses “Suspiciuos Package” jedes Qualitätssiegel der Sechziger und Siebziger locker verdient. (kel)
Earl Greyhound auf dem Reeperbahn Festival am 24. September im Terrace Hill


Am 2. September 2010 um 14:20 Uhr
Schön geschriebene Rezension zu einem ganz und gar grandiosen Album! Die Scheibe kommt seit zwei Wochen nicht mehr aus meinem Player heraus. “Suspicious Package” ist eine geile Mixtur aus allem, was in den 70s gut war. Und wenn “Oye vaya” und “Shotgun” nicht zu Rock-Klassikern werden, dann weiß ich es auch nicht …