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5+2 Fragen an: Pohlmann & Tim Neuhaus

„Live sind sie die Frank Sinatra & Dean Martin auf den deutschen Songwriter-Bühnen“ sagt neulich einer, der es (besser?) wissen könnte. Ingo Pohlmann und Tim Neuhaus gemeinsam auf Tour (17. November, Fabrik, ausverkauft), das ist definitiv mehr als nur eine rollende Männer-Wohngemeinschaft mit dem „König der Straßen“ am künstlerischen Steuer. Wir haben uns auf ein paar Fragen über das WG-Leben, Erwartungen, Werbezüge, zauberhafte Produktionen und politisches Allerlei mal mit auf den Weg gemacht.

Ingo, wenn dein Tonmann zu dir sagt “Das muss so klingen! Wenn Leute drin sind, wird alles besser!”, welches Echo muss er dann ab können? Pohlmann (lacht): Er hat ja recht damit. Keine Probe, die ich jemals gehabt hätte, ist ohne diesen Spruch ausgekommen . Den bringe ich ja selbst fast immer.

Du warst neulich beim Peter Holler-Benefiz im Knust dabei. Wieviel Gutes konnte für die gute Sache getan werden an dem Abend? Pohlmann: Ich war gar nicht da, hatte keine Zeit teilzunehmen. Eingeladen war ich aber schon. Ich selbst kannte Peter Holler aus der Zeit, in der ich im Bp hinter der Bar arbeitete und meine Musiksessions bestritt. Er war immer interessiert, was für junge Talente es so gab und machte jedem den er toll fand, immer Mut weiter zu machen auch wenn es mal nicht so läuft.

Tim, zur Zeit bist du bereits auf Tour mit Pohlmann durch vermutlich viele ausverkaufte Häuser. Welche ersten Impressionen gibt es denn für Dich aus der rollenden Männer-WG? Neuhaus: Wir haben jetzt 7 Konzerte innerhalb von 9 Tagen gespielt und ich bin total dankbar und glücklich. Außerdem bin ich komplett verknallt in das Team um Pohlmann herum. Ich habe die Gigs bislang mit meinem Freund und Bandmitglied Andi im Duo gespielt und wir werden als Support-Act extrem herzlich angenommen. Von der Crew bis hin zum Publikum. Für uns ist das wirklich ein Geschenk. Wir haben das Gefühl mit unserer Musik gerade genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.

Ingo, deine Eindrücke? Pohlmann: Ich habe immer Schiss vor Erwartungsdruck. An diese Tour wurden bisher nicht nur hohe Erwartungen geknüpft, auch die Proben verliefen traumhaft, so dass man dachte die Sache easy rüber zu bringen. Bei solchen Vorzeichen gehe ich immer in Deckung. Aber jetzt, da ich 7 Gigs hinter mir habe und bisher alles superschön gelaufen ist, bin ich guter Dinge! Wir verstehen uns wie ausgemalt – mit uns und dem Publikum.

Ingo, du bist vor vielen Jahren noch selbst (seinerzeit als “Goldjunge”) mit selbstkopierten Flyern durch Hamburgs Kaschemmen auf Werbezug gegangen. Heute erledigen das Facebook und co. Muss der Charme dabei zwangsläufig auf der Strecke bleiben für einen Newcomer? Pohlmann: Nein eigentlich nicht. Selbstgemachte Flyer gibt es ja immer noch. Und selbst wenn dieser Zeitgeist eine Runde aussetzt, er wird immer wieder aufflammen. An Musikwerbung, die im Internet statt findet schaue ich schneller vorbei. Wenn mir einer mal wieder ’nen Bandflyer im Sommer in die Hand drückt, wäre ich beeindruckter. Das wird auch bald wieder “ In“ seine Bandflyer zu verteilen.

Tim, auf deiner Myspace-Seite findet der Besucher einen zauberhaften Album-Trailer. Wie weit ist denn eure “Männerwirtschaft” The Cabinet mit der Produktion? Neuhaus: Alle Kräfte, die an dieser Produktion mitgewirkt haben erholen sich kurz und holen zum nächsten Akt aus. Nach zweieinhalb wirklich eifrigen Studio-Marathon-Sommer-Monaten kann ich sagen: Wir sind fertig mit dem Album und am 27.1.2011 wird es erscheinen. Ich kann es kaum erwarten. Gleichzeitig konzentrieren wir uns wieder auf neues Song-Material und natürlich auf die ganzen Konzerte, die noch vor und nach dem Release stattfinden.

Es wird viel gestritten und demonstriert zur Zeit. Jan Plewka hat uns neulich im Interview erzählt, sich nie vor einen (sozial-)politischen Karren spannen zu lassen. Wie handhabst du das auf der Tour durch dieses Land, Ingo?

Pohlmann: Meine Musik und alles was damit zu tun hat, würde ich aus allen Parteilichkeiten raus halten. In manchen Songs, die ich geschrieben habe, steckt  Sozialkritisches. Aber wie sagte schon Skunk Anansie “ Everything is fucking political !“ Und damit hat sie natürlich recht. Man hat immer eine Meinung und wenn sich jemand die Texte durchliest, wird er einiges finden, was er dieser oder jener Richtung zu schreiben könnte. Ich kann hier auf jeden Fall sagen, dass ich für den Atomausstieg bin und z.B. auch klar gegen Vattenfalls Kohlekraftwerke. Und ich glaube daran, das wir in der Lage wären, recht schnell über genügend Alternativen zur Stromversorgung zu verfügen, wenn da vom Staat mehr investiert und zugelassen würde.

[kel]

Fotos: Presse | musikfotografen


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