Tatort Gruenspan. Die Musikbranche trifft sich und feiert sich. Manchmal vielleicht ein wenig viel und häufig ein bisschen ignorant, meistens aber zu Recht. Der HANS wird vergeben und bietet Einiges: strahlende Sieger, glückliche Menschen, tolle Musik und Stoff zum Diskutieren. Doch vergangenen Dienstag läuft nicht alles perfekt. Zwischendurch wird es sogar kurz peinlich. Nach der ersten richtigen Verleihung des Hamburger Musikpreis bleiben gemischte Gefühle.

„Wir wollen keinen Glam“ sagen die Macher. Im Club wird geraucht und getrunken, auch während der Verleihung wird sich frei bewegt. Ein bisschen Konzertatmosphäre. Ganz wie gewünscht und ziemlich sympathisch. Doch manche müssen natürlich übertreiben. Diese typischen Wichtigmacher, die keiner mag, weil sie nichts können und zu laut das Gegenteil behaupten. Viele von ihnen sind hier und jeder kennt jeden, möchte alle umarmen und findet doch sich selbst am Geilsten. Was manchen dazu bringt, zwei Stunden durchgehend zu sabbeln. Während der Veranstaltung.

Zugegeben, wenn der Moderator des Abends – Marco Antonio Reyes Loredo – an der Reihe ist, fehlt ein Grund, sich der Bühne zu widmen. Er erzählt gleich mal in seiner ersten Anmoderation von seiner Grimme-Preis-Nominierung, reiht sich damit in die Liste der Sich-geil-Finder ein und hat umgehend verloren.

Zu den Gewinnern gehören Jan Delay, der sich ehrlich und sympathisch für den Preis für sein „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“-Album freut, Tocotronic, die als “Hamburger Künstler/in des Jahres” erkoren werden, und Ina Müller, die gewohnt laut die Bühne stürmt und anschließend noch über Oasis singt. Weitere Preisträger sind Fettes Brot und das Reeperbahn Festival. Und vielleicht sind diese Ehrungen ein wenig symptomatisch. Brote-Boris kam mit Jacke unter dem Arm auf die Bühne, Karsten Jahnke war zwar vor Ort, fand aber nicht den Weg nach oben, um sich als “Hamburger Programmacher des Jahres” zu feiern. Ja, jeder schien an diesem Abend gerne dabei zu sein, jeder hatte seinen Spaß – aber der Preis selbst spielte bei vielen nur eine untergeordnete Rolle. So schien es und das wäre schade. Trotz manch “unglücklicher” Momente.

Lars Lewerenz von Audiolith darf auf die Bühne und bekommt den Preis für das „Hamburger Label des Jahres” – er bedankt sich, meckert sich in Rage und versucht nach 20 Minuten Bullshit-Laberei den Preis mit einer Axt zu zerschlagen. Gar nicht lässig. Seine Bratze-Jungs machen später live natürlich richtig Spaß, können es sich aber vorher nicht verkneifen gegen 1000 Robota bzw. ihre Auszeichnung zum „Hamburger Nachwuchs des Jahres“ zu wettern. Ob zu Recht oder nicht spielt ja gar keine große Rolle – es ist nur peinlich und einfach unpassend. Schon bevor 1000 Robota offiziell gekürt werden.Die lästern dann später über Lewerenz und Co. und sind damit auch nicht besser. Es sind Aktionen, auf die man gerne verzichtet hätte. Weil man den Menschen im Hintergrund um Uriz von Oertzen und Alexander Maurus eine noch bessere Veranstaltung gewünscht hätte, eine spannendere und schönere. Genau so eine gibt es dann hoffentlich 2011. Beim nächsten HANS. Wir freuen uns drauf.

Text: Mathias Frank
Fotos: Pressefreigaben

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