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3+1 Fragen an: Nadine Germann

Marianne Rosenberg hat es getan. Judith Holofernes auch. Nena und Paula sowieso. „Familienalbum“ (2003), eine Sammlung von Rio-Reiser-Deutungen, war Charakterfrage zwischen Körper und Verletzung. Nadine Germann, zu jener Zeit noch ausschließlich mit ihrer Theaterausbildung beschäftigt, überrascht nun als Reiser-Nichte mitten aus dem inneren Familien-Zirkel heraus auf „Samstagnachmittag“ mit elf neuen Interpretationen. Geholfen haben ihr lediglich Ton Steine Scherben-Mitbegründer R.P.S. Lanrue und vermutlich ein ausgeprägter Wille, das Erbe nicht in den Sand zu setzen. Am 19. und 20. März live im Haus III&70. Wir fragten zwischen Kontra und Bass vorher mal nach.

Nadine, um Rio Reiser gibt es derzeit ja leider traurige Nachrichten. Das Haus in Fresenhagen ist verkauft. Rio bekommt ein neues Grab wohl in Berlin- Kreuzberg. Inwieweit fühlt sich für dich als Familienangehörige eine Neuinterpretation seiner Lieder auch wie ein Umzug an?

Natürlich fühlt sich das vielleicht erstmal traurig an, wenn sich so ein Ort wie Fresenhagen aufzulösen scheint. Aber eigentlich sind das Äußerlichkeiten. Rio und seine Band Ton Steine Scherben haben uns, meiner Meinung nach, großartige Musik und Texte geschenkt. Für mich war die Beschäftigung mit seinen Liedern mehr wie das Öffnen einer großen Schatztruhe als ein Umzug. Ich habe nach meiner ganz eigenen Interpretation gesucht und hatte sehr viel Freude bei der Arbeit. Man kann einen Rio Reiser oder die Scherben nicht imitieren oder kopieren. Ich möchte mit meinen Neuinterpretationen die Arbeit von Rio und den Scherben wertschätzen und diese Freude mit anderen teilen, die bereit sind diese Songs vielleicht noch einmal neu zu entdecken.

Rios Texte gehen immer „grundpoetisch“ an die Grenzen essentieller Fragen. Ist das für dich als Schauspielerin und Sängerin eine willkommene Herausforderung über die reine Interpretation hinaus?

Ja unbedingt. Ich suche nach diesen Herausforderungen, damit ich mich künstlerisch und menschlich weiterentwickeln kann.

Unter den Nachkommen Rio Reisers gibt es nach wie vor großen Klärungsbedarf um die Rechteverwertungen. Musstest du in der Auswahl deiner Lieder darauf Rücksicht nehmen?

Nein, das war überhaupt kein Thema und war aus künstlerischer Perspektive auch nicht relevant für mich.

Jan Plewka hat sich schon seit einigen Jahren einen Namen gemacht als Reiser-Interpret. Gäbe es ein Stück, das sich besonders als Live-Duett anbieten könnte oder ist das für dich nicht denkbar?

Ich glaube Jan Plewka hat einen anderen musikalischen Ansatz als ich in der Auseinandersetzung mit Rio Reiser. Aber ich bin immer offen für Experimente und wer weiß schon was die Zukunft bringt.

(kel)


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