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„Und dann werden wir uns letztlich hassen…“

Letztes Jahr im August, zum 50 jährigen Jubiläum des ersten Beatles-Auftritts in Hamburg, haben vier Amerikaner die Gelegenheit genutzt und das historische Datum würdig begangen: Als Bambi Kino spielten Mark Rozzo (Maplewood), Ira Elliot (Nada Surf), Doug Gillard (Ex Guided By Voices) und Erik Paparazzi (Cat Power) vier Abende lang das Original-Set der Beatles im Indra, –dem gleichen Club, in dem die Liverpooler damals auftraten und ihre Karriere begannen. Warum gerade Amerikaner auf diese großartige Idee kamen und hier anscheinend niemand, wird wohl unbeantwortet bleiben. Doch zur heutigen Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Albums konnten wir ein paar andere Fragen klären. Alle, aus der einmaligen Woche stammenden Backstage-Impressionen wurden uns freundlicherweise exklusiv von Martina Drignat zur Verfügung gestellt.

Ihr habt in Hamburg vier Konzerte hintereinander gespielt, wird es nicht etwas „langweilig“ jede Nacht die gleiche Setlist am gleichen Ort, vielleicht sogar (teilweise) mit demselben Publikum?

Ira Elliot: Ha! Du machst Witze, oder? Sogar wenn wir jede Nacht genau die gleichen Songs in der gleichen Reihenfolge gespielt hätten – was wir gar nicht haben – bleibt die Tatsache, dass wir im selben Raum dieselbe Musik gespielt haben wie die Beatles 50 Jahre zuvor, also fühlte es sich für uns wie eine direkte Verbindung in die Vergangenheit an. Die ganze Erfahrung war nichts geringer als berauschend. Wir hätten es jede Nacht über Monate machen können.

Mark Rozzo: Ich muss sagen… wir hatten absolut keine Zeit gelangweilt zu werden. Es war eine nonstop verrückte Woche. Wir haben ungefähr 60 Songs in jeder Nacht gespielt, vier Stunden lang. Verglichen mit einer normalen Tour über einen Monat und vielleicht 20 Liedern pro Nacht… war es deutlich weniger langweilig das Indra zu rocken!

Ihr spielt alle auch in anderen Bands, ist Bambi Kino nur ein vorübergehendes Nebenprojekt oder wird es weitergehen?

Ira: Wir sind alle ziemlich beschäftigt, aber wir würden gerne noch ein paar mehr Konzerte geben. Die Reaktionen waren alle wirklich wundervoll und wir hatten die wohl fast beste Zeit unseres Lebens. Wir planen gerade einige Shows hier in New York für April und hoffentlich können wir später in diesem Jahr auch zurück nach Hamburg kommen. Ich hab gehört, Ringo feiert dort eine Geburtstagsparty. Vielleicht braucht er eine Band für die Party.

Mark: Es kommen noch mehr 50. Jubiläen zwischen heute und 1962, also würden wir gerne so weitermachen und Spaß daran haben. Vielleicht lernen wir letztlich 150 Songs.

Auf eurer Homepage steht, dass die Shows, die ihr in Hamburg gespielt habt, ein „Once in a lifetime event“ waren. Euer Album, dass ihr im Indra letztes Jahr aufgenommen habt, wird diesen Monat in Deutschland veröffentlicht. Die Beatles haben ihre Karriere während ihrer Zeit in Hamburg Anfang der Sechziger begonnen. Was können wir von Bambi Kino erwarten?

Ira: Ich denke, wir fangen an unsere eigenen Kompositionen in diesem Stil zu schreiben und werden dann schnell die Welt mit unserem frechen Humor und jungenhaften guten Aussehen erobern.

Mark: Und dann werden wir uns letztlich hassen und die Band auflösen.

Was sagt eigentlich Paul McCartney wohl zu eurem Projekt? Habt ihr was gehört?

Ira: Ich hab gehört, er ist ziemlich neidisch, dass es ihm nicht zuerst eingefallen ist. Hm, eigentlich ist es ihm zuerst eingefallen, vor 51 Jahren, aber ich meine, falls er für ein paar Nummern einsteigen will, kann das sicher arrangiert werden.

Mark: Das ist ein furchteinflößender Gedanke!

Die Songs werden von euch allen gesungen, es gibt nicht nur einen Leadsänger. Wie habt ihr entschieden, wer welches Lied singt? War es einfach so, dass immer jemand meinte „Das ist mein Lieblingssong, den muss ich singen!“?

Mark: So ähnlich war es tatsächlich. Und wir haben darauf geachtet, dass niemand nur einen bestimmten Beatle darstellt. Also habe ich Songs von John, Paul und George gesungen, was wohl auch für alle anderen gilt.

Ira: Aber die Auswahl basierte auch darauf, wessen Stimme am besten passte und vielleicht sogar noch mehr darauf, wer welches Instrument spielte. Mark, der die meiste Zeit Rhythmusgitarre gespielt hat, tendierte dazu, Johns Songs zu singen; Erik, der Bass spielt, sang vor allem Paul McCartney Songs weil seine Stimmlage mehr in Pauls liegt; Doug, an der Leadgitarre, sang eine Menge von Georges Sachen und ich, als Drummer, blieb bei Ringos Nummern. Obwohl ich aber auch ein Paar von Johns Songs gesungen habe, wie zum Beispiel „One After 909“ und „Anna“.

Interview: Elena Helk | Fotos: Martina Drignat


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