Es ist ein weiter Weg aus dem Köln Anfang der 2000er in das Hier und Jetzt. Locas in Love (24. September | Prinzenbar | Reeperbahnfestival) haben ihn mit inzwischen vier Alben und stets steigender empathischer Hingabe getrostpflastert. “Lemming” (Staatsakt.) ist da nur die konsequente Fortführung einer Idee, die sich seit jeher vor allem zweierlei nahm: Zeit und noch mal Zeit.

Björn Sonnenberg und Stefanie Schrank sind dabei nicht nur das konstante Zentrum der Band, sondern grüßen in der Zwischenzeit als vermähltes Paar. Sichtweisen ändern sich, Rahmen werden gesprengt und mit “Das Licht am Ende des Tunnels ist ein Zug” haben sie in den vergangenen Wochen auch noch für eine regelrechte Zitateflut in den sozialen Netzwerken gesorgt. Ein Finger in aller Wunde?

“Lemming” erzählt von geheimen Orten, dem Vergessen von bisher angeeignetem Wissen, gesundem Eigensinn und bleibt in seiner spröden, aber auch gewinnenden Art fernab sonst oft gehörter Strukturen. Begleiter der Band nennen es “radikal”. Andere sehen den Weg des Wühltieres halt einfach aus dem Bauch heraus geradeaus. Offensichtlich aber ist, dass der Tierschutz hier ob all der Ecken und Kanten, die das Album nimmt, schier die Pfoten über dem Kopf zusammenschlagen würde.

Äquivalent dazu bricht Lärm aus auf  “Lemming”, stehen sperrige Themen einem leicht rostigen Anti-Glanz gegenüber, sorgen innerlich Getriebene für Unruhe, während die Phalanx der talwärts Entschleunigten nie gebrochen wird. Und die Moral in der Geschicht’? “Es ist alles wirklich so schlimm, wie es scheint” klang hier unter der Oberfläche am Ende noch nie so zuversichtlich wie in diesem drangvollen Bergbau. (kel)

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