50.000-Dollar-Ringe um die dicken Langfinger, junge Hühner im Schritt, arschcoole Hipster, “Blond Hair” und haushohe Black Power? Early Rappers (Hipper than Hop – The Ancestors of Rap) kompiliert jetzt Momente aus der Zeit bevor die Kinder Hip, Hop und Rap ihren Namen bekamen, ihre Attitüde aber schon längst auch ohne tonnenschwere Halskette bis in die letzte verschluckte Silbe des Sprechgesanges verankert hatten. Das alles weit vor Neunzehnhundertneunundsiebzig, der Sugarhill Gang und folgenden Coverversionen, an denen auch ein gewisser Thomas Gottschalk beteiligt war.

Unter den 21 faszinierenden Stücken finden sich vielmehr solche 360-Grad-Entertainer wie Cab Calloway, der seinen “The Jungle King” gemütlich über den Weg tapsen lässt. Oder die radikal reduzierten The Last Poets, deren zornige Rhetorik und faustdicke Spoken-Word-Predigten für wache Ohren im verstörten Amerika sorgten. Viele der hier versammelten Beispiele vom Talking Blues über Stakkato-Liebesschwüre bis hin zum hüpfenden Jive verzeichnen ihre Entstehung in den Dreißiger Jahren. Die Geburtsjahre der Künstler gar gehen bis zur Jahrhundertgrenze zurück.

Das eminent ausführlich gehaltene Booklet glänzt zudem mit reichlich unbekanntem Material aus den unterschiedlichsten Biografien. So finden sich Querverweise von Chuck Berry auf Bob Dylan, die man in diesem Kontext vielleicht nicht unbedingt erwartet oder herausgehört hätte. Early Rappers legt ansonsten aber auch alle Ohren auf die Geschichte solcher wie Fred Wesley, King Stitt, Dr.Horse oder Lightnin’ Slim, zitiert die Nachtclubs von Harlem und greift der sprechenden Musikgeschichte mal kräftig mit beiden Händen zwischen die eigenen Wurzeln. (kel)

 

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