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Interview: Jörg Tresp (DevilDuck Records)

Wir fragen ja ganz gerne mal nach. Meistens Bands und Künstler. Selten die anderen. Das soll sich nun ändern. Wir schauen auch mal hinter die Kulissen und lassen die Menschen zu Wort kommen, die nicht jeder kennt, aber ohne die es nicht geht. Heute an der Reihe: Jörg Tresp. Macher vom sympathischen Hamburger Label DevilDuck Records, der Heimat von unter anderem Miss Li, Talking To Turtles, Björn Kleinhenz oder Sea Wolf.


Fangen wir Fanzine-mäßig an: wer bist du, was machst du und was hast du gemacht? Und wer ist deine absolute Lieblingsband?
Also gut, ich bin Jörg Tresp und betreibe seit 2004 das Label DevilDuck Records. Daneben mache ich noch Management, doziere „Music Business“ und arbeite als freier Produktmanager, u.a. für Sony. Ich bin mit 41 Jahren nicht mehr ganz jung und daher nur den Musikteil meines Werdegangs in Kürze und nach dem BWL- und Sozialökonomie-Studium: Public PropagandaedelWarner Music Germany.

Lieblingsband ist schwierig, da ich im Moment lebe und nicht immer gerne in der Vergangenheit schwelgen möchte, aber zu den neuzeitlicheren Lieblingsbands zählen sicher The Shins, Arcade Fire, Modest Mouse, Death Cab For Cutie, Midlake, Band Of Horses, Fleet Foxes und andere – etwas ältere wären dann so was wie R.E.M., White Stripes, Elliott Smith, Beatles, The Cure und Johnny Cash.

Was war der Grund, der Auslöser dafür, ein eigenes Label zu gründen? Und haste diesen Entschluss schon mal bereut?
Auslöser war der Wunsch der eigenen Vision und das Verlangen, Bands/Künstler zu signen, die ich musikalisch liebe. Natürlich habe ich auch bei Warner mit R.E.M., Deftones, Lou Reed, Alanis Morissette, Green Day oder Beatsteaks Bands betreut, die ich toll finde, aber das war dann doch etwas anderes. Bereut habe ich den Entschluss nicht wirklich, auch wenn man sich natürlich von der Naivität, dass man vom reinen Labelmachen leben kann, verabschieden musste.

Wie viel deiner Arbeit ist Spaß und wie viel ist Job?
Mir ist es sehr wichtig, dass mir Arbeit Spaß macht und das geht halt meist nur mit finanzieller Unsicherheit einher, aber die war mir auch nie so wichtig wie vielen anderen. Daher macht mir mein Job, auch in all seiner selbständigen Flexibilität schon viel Spaß, auch wenn es ebenso deprimierende Elemente und Tage der schieren Verzweiflung gibt, vor allem weil die Bands, auf die ich stehe und auf dem Label habe, natürlich eher eine winzig kleine Nische ansprechen, die in den USA schon mal etwas größer wäre…

Bist du zufrieden, wie sich DevilDuck entwickelt und was Du bisher erreicht hat?
Nein, ich neige leider eher selten dazu, zufrieden zu sein und leiste es mir auch mal, Dinge zu veröffentlichen, wo ich von Anfang an weiß, dass ich drauf zahlen werde, aber Schönheit unter das Musikvolk bringen möchte und muss. Auf der anderen Seite habe ich mir jetzt aber auch keine BWL-Zielsetzungen auferlegt, aber natürlich hatte ich tatsächlich mal den Wunsch, vom Labeldasein leben zu können, aber das gibt es leider bei keinem Indie-Label in Deutschland mehr, was natürlich traurig ist.

Worauf legst du bei den Bands – außer musikalischer Qualität – wert, damit du sie unter Vertrag nimmst?
EIGENSTÄNDIGKEIT – SONGS – PERSÖNLICHKEIT – WILLEN

Welche Bands waren deine bisher erfolgreichsten und wichtigsten und welche würdest du gerne haben? Und: auf wen und auf was dürfen wir uns in Zukunft freuen?
Am erfolgreichsten waren wohl Friska Viljor und Miss Li. Die mir wichtigsten dagegen Talking To Turtles (Album der Woche? Hier!), Murder und Who Knew. Haben würde ich gerne R.E.M.

In diesem Jahr kam ja gerade das neue Talking To Turtles – Album, auf das ich sehr stolz bin, dann kommt noch die neue Kid Dakota und 2012 dann Neues von Miss Li, Who Knew sowie eine neue deutsche Band namens ORPH.

Ist eine „musikalische Identität“ eines Labels wichtig? Oder verspricht Stilvielfalt einen größeren Erfolg?
Mir ist musikalische Identität sogar sehr wichtig, auch wenn ich natürlich auch eine gewisse Bandbreite abdecke, die zu 100 % meinem persönlichen Geschmack entspricht. Indie Labels brauchen nun mal diese Identität, auch wenn die Nische vielleicht nicht groß genug ist.

Wie ist der Kontakt zu anderen Labelmachern in Hamburg und ganz Deutschland? Tauscht man sich aus und macht vielleicht auch mal was zusammen oder macht jeder sein Ding?‘
Wir hatten ja vor einiger Zeit eine Label-WG ins Leben gerufen, um uns auszutauschen und auch mal etwas gemeinsam zu machen, aber die schläft leider gerade. Ansonsten habe ich sowohl Kumpels als auch Bekannte, die Labels haben und mit denen ich mich natürlich sehr gerne austausche, denn man teilt ja auch gerne mal das Leid eines Labelmachers in Deutschland, motiviert sich aber auch gegenseitig.

Bietet Hamburg dir genügend Möglichkeiten oder fehlt deiner Meinung was in der Stadt? Von der Stadt?
Na ja, es gibt jetzt immerhin eine Art Labelförderung, die man in Anspruch nehmen kann, aber nur einen kleinen Beitrag leisten kann. Ansonsten ist die Clubkultur hier eine eher schwierige und Experimente daher auch schwer umzusetzen. Leider finde ich auch nicht viele gute, neue Bands in HH, aber für mich ist und bleibt es die schönste und entspannteste Großstadt in D. Kann ja eh nicht jeder nach Berlin gehen, oder?

Wie siehst du die aktuelle Situation, was Plattenfirmen angeht? Und wie siehst du die Zukunft?
Dass in Deutschland kein Indie Label vom reinen Labeldasein leben kann, habe ich bereits erwähnt und zeigt ja, wie problematische das Betreiben einer Plattenfirma ist. Natürlich machen daher auch viele Labels nun Verlag, Booking, Merch und was auch immer, aber Dinge, die aus der Not heraus geboren werden, sind selten gut. Allerdings kenne ich bis auf Labels auch niemanden, der bereit ist, in Newcomer zu investieren und diese aufzubauen. In Zukunft wird es weitere Labels geben, die an mehreren Einnahmequellen, wie gerade geschildert, partizipieren müssen, um zu überleben und das tut einem ohnehin sehr gesättigten Markt selten gut. Ich hoffe aber auch, dass die Musik aus Deutschland wieder eigenständiger und auch mal gewagter wird.

Interview: Mathias Frank


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