Gestern waren es vier Musiker, heute lassen wir zwei Lesern den Vortritt. So also klingen die Deichkinder 2012:

Nie zuvor stand die Band Deichkind (29. März | o2-World | ) vor einem Albumrelease so im Rampenlicht, wie vor der Veröffentlichung von „Befehl von ganz unten“. Doch kann das lang erwartete Werk die Ansprüche erfüllen? Um ein kurzes Fazit vorweg zu nehmen: Das Album macht viel Spaß und animiert mit starken Texten, knalligen Partybeats und sogar ein klein wenig Punkrock zum immer wieder hören und mittanzen.

Das Intro von „Befehl von ganz unten“, liebevoll „Tetrahedon“ genannt, kommt jedoch erst mal ruhig daher, bis es mit alarmähnlichen Sounds in den ersten richtigen Track „99 Bierkanister“ übergeht. Hier erwartet den Hörer ein starker Start in ein starkes Album. Kurze, zusammenhangslose Wortaneinanderreihungen („Große Nase, Steffi Graf, Lumpenproletariat“) treffen auf den ersten DeichkindBefehl („Achtung alle Hände hoch!“) und das ganze auf einem dunklen, fordernden Beat. Das Lied setzt ein Zeichen: Deichkind sind zurück!

Auf diese klare Ansage folgt auch schon der Titeltrack „Befehl von ganz unten“, der zum ersten Mal die Grundstimmung transportiert, die sich durch das gesamte Album zieht: Party! Das Lied ist ein Aufruf zum Feiern, dem man sich nicht entziehen kann und spätestens nach diesem Stück sollte man schon erahnen, was einen im Laufe von „Befehl von ganz unten“ noch erwartet: Feierei, Selbstbeweihräucherung, Hedonismus, Party und viel Witz auf höchstem Niveau.

Doch auch Kritik und ein Hauch von melancholischer Ernsthaftigkeit lässt sich auf dem Album ausmachen. Kritisiert werden vor allem die Ellenbogengesellschaft und der heute allgegenwärtige Leistungsdruck. Der Track „Bück dich Hoch“ vermittelt diese Kritik. Natürlich tut er das im typischen DeichkindStil, auf einem Beat, bei dem es schwerfällt, ruhig sitzen zu bleiben. Und auch das Lied „Illegale Fans“ setzt sich kritisch mit einem höchst aktuellem Thema auseinander, nämlich dem (illegalen) Downloaden von Musik und der Diskussion um GEMA in Deutschland und SOPA im Allgemeinen. Die Band setzt hier ein klares Statement gegen Zensurmaßnahmen („Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in ihrem Land, unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand!“).

Die oben angesprochene Ernsthaftigkeit findet man im Lied „Der Mond“, welches mich persönlich ein wenig an „Luftbahn“ (vom „Arbeit nervt!“-Album) erinnert. Und obwohl dieser Track einen kleinen Bruch in die Stimmung des Albums bringt, so passt er doch super als Kontrast in die Mitte des Werkes. Auch nach der Hälfte von „Befehl von ganz unten“ ist der Hörspaß nicht verflogen. Die Beats bleiben abwechslungsreich und die Themenpalette weitet sich aus. So werden auch unter anderem noch die Themen Mode (im Lied „Partnerlook“) und der Spaß am Egoismus („Egolution“) in lustige Texte verpackt und auf animierende Beats gelegt.

Die größte Überraschung ist jedoch das einzige Feature am Ende der Platte. Deichkind haben sich tatsächlich mit den Punkrock Legenden Slime zusammengesetzt und das Punkrock Lied „Die Rote Kiste“ gemacht, welches als perfekte Abwechslung dient, sich gut als Albumabschluss eignet und auch noch einige Abschlusslacher birgt.

Zum Schluss noch mal ein Gesamtfazit: „Befehl von ganz unten“ bringt, wie schon erwähnt, sehr viel Spaß. Beim Durchhören musste ich, aufgrund der oftmals witzigen Texte, oft schmunzeln, doch auch die Ernsthaftigkeit und ein kleiner Denkanstoß kommen nicht zu kurz. Die Beats sind gut gemacht, regen zum Tanzen an und sorgen auch für den ein oder anderen Ohrwurm. Kurz gesagt: Deichkind haben mit „Befehl von ganz unten“ ein starkes Album herausgebracht, welches zeigt, dass die Band noch lange nicht abgeschrieben werden darf.

Felix Höger (Leser-Gastbeitrag)

 

 

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