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2×3 (letzte) Fragen an: Waterdown

Die Geschichte ist traurig, aber sie ist konsequent. Waterdown lösen sich auf. Und damit ist eine der besten deutschen Hardcore-Bands bald Geschichte. Am 23. März kommt via Uncle M noch die letzte Platte „Into The Flames“ auf den Markt, anschließend geht es auf Abschiedstour, die am 5. April im Hafenklag Station macht. Alles noch etwas hin und wir werden sicher noch mal darauf zurück kommen. Jetzt aber wollen wir Bassist und Sprachrohr Christian Kruse schon mal zu Wort kommen lassen.

Wir sind ein Konzert-Blog – daher müssen und wollen wir fragen: Was dürfen wir von eurem Abschiedskonzert in Hamburg erwarten? Habt ihr was geplant und wenn ja: was denn bitte sehr?

Nun, wir spielen zwar unsere letzten Konzerte als Waterdown, aber wir werden nicht unmotiviert oder depressiv auf der Bühne stehen. Wir versuchen immer, die Leute mitzureissen und ihnen für ihre Kohle etwas zu bieten. Wir wollen, dass sich unser Spaß miteinander (und den haben wir immer!) auch auf das Publikum überträgt. Das wird also in Hamburg trotz des Anlasses kein Trauerspiel, sondern wir wollen noch  mal alle Energie mobilisieren und hoffen auch, das von den Leuten zurückzubekommen. Wir werden Songs von allen vier Alben spielen, vielleicht ein oder zwei Coverversionen einbauen und uns sonst generell den Arsch abspielen.

Ihr habt in eurem Abschiedsbrief geschrieben, dass ihr in gleicher Besetzung weitermachen wollt. Könnt ihr schon sagen, wie ihr klingen werdet? Oder gibt es auf der Tour vielleicht schon ein, zwei, drei Kostproben?

Kostproben wird es nicht geben, das heben wir uns auf für die neue Band. Wie diese neue Band klingen wird, wissen wir zwar schon, weil die Hälfte der Songs für das Debütalbum auch schon geschrieben ist, aber wir werden das hier noch nicht verraten. Wenn alles gut läuft und die Platte fertig ist, kriegt ihr das dann eh mit, sobald die Sachen herauskommen. Wir werden vor dem „Ex-Waterdown“-Namedropping durch die Presse nicht davonkommen, und damit die Leser auch nicht. Geduld bitte. Vielleicht nur ein Hinweis: Wir machen auf unsere „alten Tage“ sicher keine Easy Listening-Musik. Wird weiterhin und wahrscheinlich noch mehr ballern.

Ihr macht als Waterdown – und eben noch nicht unter neuer Flagge –  noch eine letzte Platte – ganz plump gefragt: warum? Weil ihr noch was loswerden wollt, als finalen Schlusspunkt oder was steckt da hinter?

Weil wir Songs geschrieben und produziert haben, die wir zu gut finden, um sie nicht zu veröffentlichen. Und wir denken, dass wir diese Songs unter dem Namen Waterdown veröffentlichen müssen, weil sie stilistisch vielleicht einen Hinweis auf den Grund liefern, warum wir nicht so weitermachen können. Wir haben uns schon mit den letzten Platten weit vom eigenen Ursprungssound entfernt, einerseits, weil sich unser Geschmack geändert hat, andererseits aber auch, weil wir nicht mehr die gleichen Leute sind wie vor 13 oder 10 Jahren. Und das meine ich sowohl bezogen auf die Besetzungswechsel als auch auf unsere Entwicklung als Menschen und Musiker. „Into The Flames“ wird am 23.03. unser finales Statement sein, und das ist gut so, denn das Album ist einerseits sehr düster und behandelt viele Endzeit-Themen, bietet aber andererseits auch ein versöhnliches, glückliches Ende.

Im diesem Abschiedsbrief erzählt ihr auch, was ihr alles erlebt habt. Gibt es trotzdem noch Dinge, die ihr immer mal machen wolltet, aber aus irgendwelchen Gründen nie geschafft habt? Und wenn ja: welche?

Wir würden gerne mal in Japan und Australien touren. Das war schon immer ein großer Wunsch, hat aber nie funktioniert. Vielleicht klappt es ja mit unserer neuen Band. Sonst haben wir schon sehr viele Sachen von unserer internen „To Do“-Liste streichen können. Auch das ein Grund, warum wir denken, dass wir mit Waterdown Schluss machen sollten. Wir haben über 600 Shows in 15 Ländern gespielt, waren in den USA, in ganz Europa, haben mit vielen unserer absoluten Lieblingsbands gespielt und vier Alben und drei EPs veröffentlicht. Das ist so super und so viel, dass wir zufrieden den Deckel drauf machen können. Und lieber so, als wenn uns irgendwann niemand mehr sehen will und wir den Absprung und den richtigen Zeitpunkt verpaßt haben.

Ganz ehrlich? Ich werde euch vermissen. Was werdet ihr nach dem Ende der Band am meisten vermissen? Oder spürt ihr statt Abschiedsschmerz nur noch Vorfreude auf die Zukunft

Danke, das ist schön zu hören. Es tut gut, wenn unsere Musik einigen Leuten etwas bedeutet und sie uns das wissen lassen. Ich weiss gar nicht, ob wir so viel vermissen werden, weil wir eben alle miteinander weiterhin Musik machen und das Ziel ist, mit der neuen Band wieder Alben aufzunehmen und auf Tour zu gehen. Wenn wir das nicht hinbekommen sollten, dann würden wir das sicher vermissen. Aber ich gehe fest davon aus, dass wir das schaffen. Wir werden nie aufhören, Musik zu machen. Ein Leben ohne Musik würde uns nicht glücklich machen. Das muss sein. Ob wir mit Wehmut in die letzten Shows gehen, kann ich jetzt ehrlich gesagt noch nicht sagen. Ich glaube schon, dass es sich komisch anfühlen wird, wenn es zur allerletzten Show im Mai in Ibbenbüren kommt. Und danach wird es sicher auch nicht ganz einfach in den ersten Tagen. Aber wir hören ja nicht auf, miteinander Musik zu machen, und haben es selbst in der Hand, bald wieder mit ganz neuen Ideen am Start zu sein.

Ihr seid jetzt bei Uncle M gelandet – wie kam es dazu, wie läuft es (wenn man das schon sagen kann) und werdet ihr auch mit der neuen Geschichte hier bleiben?

Wir kennen Mirko von Uncle M schon seit Ewigkeiten und haben auch früher schon mal ein wenig mit ihm zusammengearbeitet, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Er kam auf uns zu und bot uns an, unsere Platte zu veröffentlichen, und er hatte einfach in allen Dingen, die für uns wichtig sind, die richtige Ansicht. Wir hatten von Anfang an ein sehr gutes Gefühl. Und bisher können wir uns definitiv nicht beschweren. Wenn es weiterhin so gut läuft, dann frage ich mich, warum der Vogel erst jetzt auf die Idee gekommen ist, mit uns auf Labelbasis zu arbeiten.

Im Ernst, Mirko findet Lösungen. Das ist etwas anderes, als „Geht nicht.“ zu hören. Das kennen wir von unseren früheren Labels schon zur Genüge. Ob wir bei ihm bleiben, liegt ja auch nicht nur an uns, aber momentan können wir uns das gut vorstellen. Mal sehen, erst mal ist ja jetzt „Into The Flames“ und unsere letzte Tour wichtig. Danke übrigens für dieses Interview und das generelle Interesse an unserer Musik. Wir wissen das zu schätzen und würden uns freuen, wenn alle Leute, die etwas mit uns verbinden, noch mal zu unseren letzten Shows kommen.

Interview: Mathias Frank