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Interview: Plan B (Teil III)

Was wurde eigentlich aus der letzten, nie offiziell veröffentlichten CD?

Die haben wir als kostenlosen Digital-Release auf Spreeblick veröffentlicht. Es gibt aber ein, zwei Songs dabei, die wir jetzt nochmal neu angehen werden.

Plan B hatten seinerzeit ja durchaus Botschaften zu transportieren. Mit deinem Blick (auch als Spreeblicker) auf die Inhalte seinerzeit: Hätten die vielfältigen und oft selbstbestimmten Kommunikationsmöglichkeiten von heute auch für die Inhalte von 1989 für dich Sinn gemacht? Hättest du sie gerne zur Verfügung haben wollen?

Wir hätten sicher andere Themen gehabt, wenn es das Netz damals schon gegeben hätte, aber ob die Musik auch eine andere gewesen wäre, ist unmöglich zu beantworten. Würde das bedeuten, dass es The Specials nie gegeben hätte, dann hätte ich lieber aufs Internet verzichtet (lacht). Auf eine Art ist das Bloggen ja auch eine Bühne, auf der ich Texte vortrage, die im Geiste gar nicht so weit weg sind von dem, was man damals geschrieben hat. Aber es fehlt die Musik. Es gibt einen alten Song von Plan B, auf den ich textlich sehr stolz bin, nämlich „Telecom Communication Cripples“. In dem ging es bereits Anfang der 90er um Technik- und Kommunikationswahn, um den Irrsinn des Netzes, in dem ich damals komplett versackt bin, ich habe nächtelang am Modem gehangen.

Das Internet ist fantastisch und fasziniert mich immer noch aufs Neue, aber es ist kein Heilsbringer an sich. Technik ist nicht automatisch eine Lösung, sondern die Leute, die das Netz nutzen und bevölkern, müssen es dazu machen. Und: Es ist endlos und damit wird es nie mit dir zufrieden sein, es geht immer weiter, noch mehr zu wissen, noch mehr Meinung zu hören, noch mehr zu kommunizieren. Dabei bleibt die Kernfrage jeder Gesellschaft die immer gleiche: Wie wollen wir miteinander leben?

Wenn ich heute die alten Texte singe, speziell die ganz frühen, dann höre ich mich als sehr jungen Mann voller dringlicher Leidenschaft, und auch, wenn es da immer wieder mal Zeilen gibt, die naiv waren und sind, Zeilen, die ich heute anders schreiben würde, weil sich Details verändert haben: Die Dringlichkeit hat etwas nachgelassen, ich bin entspannter, aber die Leidenschaft habe ich nie verloren. Ich bin keine 25 mehr und auch sehr zufrieden damit, ich liebe meine Familie und möchte ich nichts in meinem jetzigen Leben missen. Aber diese Zeit, die Bands, die Konzerte, machen einen wahnsinnig großen Teil meines Charakters und meiner Lebenshaltung aus und das wird immer so bleiben.

Unsere Wut damals, unsere Wünsche, unsere Ziele und auch unsere Romantik muss uns heute keineswegs peinlich sein. Junge Menschen haben Recht, damals wie heute, wenn sie eine bessere Welt fordern, und würden sie es nicht tun, bliebe alles für immer so, wie es uns die Bürokraten und Regelmacher vorschreiben. Es mag dabei natürlich richtig sein, dass eine Band wie Plan B im Großen nichts wirklich verändert hat. Doch wenn ich mich selbst betrachte, meine Liebe zur Musik, die Art, wie mich verschiedene Bands für mein Leben geprägt haben, und wenn ich dann in Betracht ziehe, dass meine eigene Band einen ähnlichen Effekt auf nur drei Leute gehabt haben könnte … dann ist das schon sehr cool. Weshalb ich mich umso mehr darauf freue, diese Songs wieder mit einigen Leuten zusammen zu singen.

Interview: (kel) | Alle Fotos: Plan B



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