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Interview: Kid Kopphausen

Am Ende dieses Sommers, der gar kein richtiger ist, genauer am 24. August wird mit „I“ das Debüt der Formation Kid Kopphausen erscheinen. Wer es noch nicht mitbekommen hat, wer dahinter steckt, der hat das Raunen nicht vernommen, das seit Wochen durch die Straßen zieht. Nicht laut und rüpelig, eher ruhig und rumpelig. So wie die Songs von Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen – wie die Songs von Kid Kopphausen.

An einem dieser besonders verregneten Hamburger Tage wurden wir hineingelassen, ein Stück weit, in den sympathisch gemütlichen Kosmos der zwei Großstadthalunken. Wohl gekleidet in grau-schwarze bequeme Sakkos, boten sie der Interviewerin bunte Gummitierchen und die letzten Kuchenkrümel an, während sie sich gegenseitig verschmitzt angrinsten als das Aufnahmegerät auf den Tisch gelegt wurde.  Die Aufnahmegerätmarken-Strichliste in ihren Köpfen, stellten wir ihnen ein paar Fragen, die sie gern beantworteten:

Die erste wichtige Frage: Seid ihr heute nass geworden?

Nils: Nein, wir hatten ziemlich Glück gehabt. Aber ich musste mir vorhin einen Schirm kaufen, damit ich nicht nass werde.

Habt ihr also heute den ganzen Tag hier drin gesessen und Fragen beantwortet?

Gisbert: Nö, wir machen eher entspannte Promotage. Sonst müsste man ja ständig das gleiche erzählen.

Welche Frage wurde euch heut denn schon häufig gestellt?

Gisbert: Naheliegend ist ja, wie es zu der Zusammenarbeit kam und gern wird auch gefragt, ob der Altersunterschied eine Rolle gespielt hat.

Und, hat er?

Nils: Also empfundenerweise nicht, aber ausschließen kann man es ja nicht. Ich konnte gut mithalten, Gisbert ist nicht zu kindisch.

Wird sich dann wohl noch auf der Bühne zeigen, ob das geht.

Gisbert: Tatsächlich haben wir uns, bevor die Frage gestellt wurde, nie Gedanken darüber gemacht.

Publikumstechnisch gibt es da aber Unterschiede…also bei Nils ist eher das gesetztere…

Nils: das anspruchsvolle…

…das intellektuelle Lehrerpublikum. Und bei Gisbert doch eher noch das Studentenpublikum.

Gisbert: ein paar Leute aus seiner Generation habe ich ja schon abgegriffen. Ich denke es wird für unser beider Publikum interessant sein, ob sie Kid Kopphausen dann mögen. Ein Nils Koppruch-Fan, der sich mit meiner Musik noch nicht so auseinandergesetzt hat, wird gespannt sein, was bei Kid Kopphausen rausgekommen ist.

Kann man das denn musikalisch strikt trennen, was ihr da fabriziert habt? Gab es einen gemeinsamen Schaffensprozess? Wie kann man sich das vorstellen? Hat der eine den anderen abends aus angerufen und gesagt „Hey, ich hab da ne Idee, ich spiel dir das mal vor“.

Gisbert: Als wir beschlossen haben, das konkret zu machen – letztes Jahr im Februar oder März – haben wir uns vier Tage frei genommen, sind aufs Land gefahren und haben Instrumente mitgenommen und Computer zum Aufnehmen. Wir haben rumgejammt, haben uns gegenseitig unsere musikalischen Ideen vorgespielt und geschaut, ob man das für unser Vorhaben gebrauchen kann. Da sind dann auch Songs entstanden, die wir komplett zusammen entwickelt haben.

Nils: Textlich war das ähnlich. Erstmal mussten wir rausfinden, was wir überhaupt machen wollen. So richtig trennen, wann die Arbeit anfing, kann man das nicht. Seit wir uns entschlossen hatten, das zu machen, hatten wir einen regelmäßigen Schriftverkehr. Und wenns nur alltäglicher Kram war. Dinge die einem aufgefallen oder eingefallen sind, die man dann in einen Text unterbringen konnte. Darüber haben sich dann Themen ergeben. Bei den ersten Sessions ging es nicht um Text, sondern nur um Musik. Jeder kam mit Ideen, die die anderen dann weitergesponnen haben. Das war total spannend, war aber auch die schwierigste Variante. Schon wenn man allein schreibt, hat man so viele Möglichkeiten, in welche Richtung sich etwas entwickeln kann.

Gisbert: Da muss man aufpassen, dass man nicht den roten Faden verliert.

Nils: Und auch aufpassen, dass man gute Ideen nicht verliert. Sachen, die im Eifer des Gefechts verloren gehen.

Oder letztendlich das Album in verschiedenen Versionen aufnehmen. Oder als B-Seiten.

Nils: Auch ne gute Idee.

Ich weiß, das Album ist noch gar nicht draußen, aber habt ihr schon Pläne für danach? Eine große Tour steht an, oder?

Nils: Werden wir dann sehen, ob wir danach noch weiter machen wollen, aber dadurch, dass unser gemeinsames Album „I“ heißt, ist das ja eine schöne Möglichkeit, dort wieder irgendwann anzuknüpfen. Es wird weiter Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch als Solokünstler geben, aber bisher macht das zusammen so viel Spaß, dass das auch denkbar weiterzuführen wäre.

Gisbert: Für uns beide steht fest, dass wir nach der Tour nächstes Jahr wieder unsere eigenen Platten machen. Aber die Möglichkeit, das zu wiederholen, bleibt offen.

Euch hat man ja auch schon vor Kid Kopphausen zusammengebracht, weil ihr ja bereits die Single „Knochen und Fleisch“ zusammen rausgebracht habt und gegenseitig öfter auf der Bühne des jeweils anderen standet.

Nils: Für uns wird das aber auf der Bühne trotzdem neu sein. Ich sehe da bisher nur Vorteile. Wer steht links, wer steht rechts. Wer steht wann links, wer steht wann rechts.

Vergesst nicht die anderen Musiker! Sind das dann auch die selben, die auf der Platte mitgewirkt haben?

Nils: Das war für uns von Anfang an klar, dass wir uns eine Band zusammenstellen, die wir dann auch mitnehmen. Sie gehören ja auch zur Songentwicklung dazu, weil wir zusammen die Strukturen gefunden haben, die Musik zu unseren Texten gemacht haben.

Euch alle kann man ja auch im Album-Teaser sehen, richtig? Ist das damals entstanden, als ihr aufs Land gefahren seid, um Ideen zu sammeln?

Gisbert: Nein, das ist unser Studio und das ist auch auf dem Land.

Nils: Das ist eine alte Grundschule, die zu einem Studio umgebaut wurde und das gehört Jochen Hansen, der auch bei Rio Reiser und Abwärts in der Band gespielt hat. Wir wollten mit der ganzen Band dahin, raus aus unseren Lebenszusammenhängen.

Gisbert: Die Band war zehn Tage da und wir dann noch mal vier Tage länger, um Gesänge zu machen. Wir haben alles live aufgenommen und die Gesänge extra eingesungen. Das meiste ist komplett live eingespielt.

Und das alles wollt ihr am 24.August auf einer Bootstour feiern, kein Konzert, richtig?

Gsbert: Richtig! Einfach nur feiern.

Nils: Natürlich macht spielen auch Spaß aber wir wollen einfach mal das gebührend feiern, was wir da die letzten Monate gemacht haben.

Bevor’s dann auf Tour geht.

Gisbert: Ja, eine ausgedehnte Tour, die uns auch durch einige Theater führen wird. Wie auch hier in Hamburg das St. Pauli Theater. Dann auch die Kulturkirche in Köln. Also auch ein paar interessante Orte, an denen wir so noch nicht waren und auf die wir uns freuen. .

Habt ihr denn Zeit, selbst noch Musik zu hören und wenn ja, welche empfehlt ihr?

Gisbert: Ich hab die Platte zwar noch nicht aber alles was ich bisher auf youtube gehört habe, fand ich der Knaller. Und zwar Shaban & Käptn Peng. – HipHop mit total abgedrehten Texten, was ich jetz so nicht von HipHop kenne. Instrumentiert ist das mit E-Gitarre, Kontrabass und Percussion. Das ist echt abgefahren und super.

Nils: Wir wollen noch Reklame für Olli Schulz machen und Digger Barnes, der grad ne tolle Platte gemacht hat.

Gisbert: Mir wurde letztens noch ne Band zugesteckt, Vadoinmessico. Das klingt total faszinierend, ist eine seltsame Mischung aus Vampire Weekend-mäßigem hibbeligen Sound mit einer melancholischen Stimme.

Danke in die Einblicke in Kid Kopphausen!

Danke dir!

Interview: Maria Sonnek

Wir präsentieren das Konzert von Kid Kopphausen im St. Pauli Theater am 17.September. Karten hier und hier und dort.


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