Anfang des Jahres flatterten unangekündigt die gefühlvollen Töne von Stefan Honig bereits durch den Tür-Postschlitz. Verwundert wurde das schön verpackte Musikwerk beäugt, in den Windungen der Erinnerungen gekramt und kein so rechter Reim drauf gefunden, woher er kam, dieser Honig. Im Textblättchen stand etwas von Rückbesinnung nach einer gesundheitlichen Auszeit und dass er mit seinem eigenen Label nun einen Traum erfüllt hat. Doch Stefan Honig hatte noch einen anderen Traum, der dann wenige Wochen später, mit dem Angebot von Haldern Pop Records, die seine Platte “Empty Orchestra” rausbringen wollten, wahr wurde. Das Veröffentlichungsdatum verschob sich und here we are!
“Empty Orchestra” startet mit einem kaum hörbaren Einatmen und genauso kann man das Album auch beschreiben. Es atmet, es lebt, es pumpt Sauerstoff in deine Lungen; am Ende vom Opener “Sleep Driver”  mit mehrstimmigem Gesang und powervollen Drums. Diese ziehen sich wiederum durch den ein oder anderen Song, ist neben der wunderbaren Stimme (mit Wiedererkennungswert) Stefan Honigs’ in “For Those Lost At Sea” Hauptinstrument und gibt jenem Song eine wundervolle Dynamik. Die Gitarre als weiteres Hauptinstrument hat sich der Düsseldorfer erst spät selbst beigebracht, was den Songs aber in keinster Weise anzumerken ist. Sie atmet neben dem mehrstimmigen Gesang, den ab und an eingesetzten Piano- und Banjoklängen und neben Zeilen wie “The older our stories get, the more we drink and laugh. The longer our headaches last the longer we’re together”. Niemals verschwinden die Songs nach dem Ende, sie bleiben, denn ihre Melodien erkennt man wieder, erinnert sich an sie, wenn man durch graue Straßen geht, wenn man an das Boot auf dem See im Norden denkt (in dem Stefan Honig mit einer Ukulele sitzt). Dabei geht es bei ihm um die Dinge, über die man sich eben Gedanken macht, verpackt in Sympathie und Träume und Wünsche. Auf seinen bisherigen Touren und Reisen hat er die Welt gesehen, an manch kuriosen Orten gespielt, wie einem Waisenhaus in China und auch so einige seiner Mitmusiker, wie die Isbells, John Elliott And The Hereafter, Tim Neuhaus und Julia Marcell kennengelernt. Zuletzt war er in Amerika unterwegs und sicher kann er darüber auf seiner baldigen Tour berichten.

2012 dürfte für Honig ein sehr spannendes Jahr gewesen sein, hat er mit dem Label des Haldern Pop ein schönes Zuhause gefunden und sogar bereits auf seinem Lieblingsfestival auf der Spiegelzeltbühne gestanden. Er hätte erreicht was er wollte, jetzt könne er aufhören, sagte er damals. Doch er hat nicht umsonst seinen Kindergärtnerjob vorläufig an den Nagel gehangen! Nun gehts erstmal auf ausgedehnte Tour, die mit dem heutigen Auftritt (21. September Reeperbahnfestival) eingeläutet wird und am 7.November in der Molotow Bar fast ein Ende findet. Und wer weiß, vielleicht können wir ihm auch im nächsten Jahr auf Festivalbühnen lauschen und irgendwann auch ein paar Antworten auf unsere Fragen bekommen.

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