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Interview: The Joy Formidable

Am 10. Februar waren The Joy Formidable im Knust. Im Gepäck hatten sie ihr neues Album „Wolf’s Law“. Wir trafen die Band vor der Show zum Interview. Und sprachen über: Natur, Einöde, dreckigen Erinnerungen, Orgasmen und Butter. Oder: Warum The Joy Formidable eben The Joy Formidable sind.

Ritzy:Hi, möchtest du was trinken? Nen Kaffee vielleicht?

CN: Oh ja gern, danke.

Rhydian: Kaffee ist so viel Arbeit. Vielleicht ein Stück Butter?

Ich bekomme ein Stück Butter in die Hand gedrückt und auch noch einen Kaffee.

CN: Thank you.

You´re welcome, lovely‘ strahlt mich Ritzy an. Hier stimmt von der ersten Sekunde an Alles. Alles in Butter. Dann setzen wir uns mal und fangen an.

Rhydian: Kommst du aus Hamburg?

CN: Nicht seit jeher, aber ich wohne inzwischen hier, ja.

Rhydian: Ah, okay, woher kommst du?

CN: Aus einem kleinen Ort in… Moment mal, eigentlich wollte ich euch interviewen.

Falsches Stichwort.

Rhydian: Oh, welches ist deine Lieblingsfarbe?

Ritzy: Was sind deine Einflüsse?

Matt: Wie bist du auf deinen Namen gekommen, was bedeutet er?

Ritzy: Beschreib dich kurz in drei Worten…

Den Gefallen mit dem kleinen Ort tue ich ihnen, dann  ist es aber Zeit für geordnete Verhältnisse.

CN: Okay, beschreibt euch selbst in drei Worten.

Alle lachen: Nein!

CN: Soll ich dann die Frage ‚Beschreibt euer neues Album ‚Wolf´s Law‘ mit 5 Adjektiven‘ besser weg lassen? Hm, gut, dann beschreibt doch mal euer neues Album mit 5 Adjektiven.

Matt: Ach komm, macht es mit 2. Oh no! Das waren zwei. Oder besser in 5 Verben.

Es fallen Begriffe wie sexy, smelly. Der unerwartet sonnige Tag wirkt sich wohl auf die Stimmung aus.

CN: Die Songs ‚Wolf´s law‘ klingen alle sehr naturverbunden. Ist das beabsichtigt, oder gar Konzept des Albums.

Ritzy: Das ist schon ein großer Einfluss für uns, wir sind inmitten vom Nirgendwo in Nord Wales aufgewachsen und haben die Band gegründet.  Das beeinflusst uns auch immer noch, wenn wir unterwegs sind, haben wir ein Auge dafür und die Natur liefert viele Metaphern für die Art wie man sein Leben lebt, liebt, mit bestimmten Situationen umgeht.

CN: Ihr habt das Album an verschiedenen Orten in der ganzen Welt aufgenommen. Wo hat es euch gefallen, oder, habt ihr überhaupt einen Favoriten?

Ritzy: Das meiste, gerade Gesang und Gitarren haben wir in einem kleinen Ort in Maine, an de amerikanischen Ostküste aufgenommen. Wir brauchten ein wenig Einsamkeit um uns klar zu werden, wo es hingehen soll und dort landeten wir direkt nach der letzten Tour.

CN: Was können wir beim Konzert heute Abend von euch erwarten?

Alle: Wir haben absolut keine Ahnung.

Rhydian: Wir möchten Teil der Konzertbesucher sein, eine Art Konversation schaffen.

Ritzy lacht: Wir wollen, dass sie verfickt noch mal aufwachen und wenn nicht, dann werfen wir alle raus.

CN: Ihr wart vor zwei Jahren das letzte Mal in Hamburg, habt ihr irgendwelche speziellen Erinnerungen daran?

Rhydian: Oh, ja, dreckige Erinnerungen.

Ritzy: Der 49 Euro Vorfall, war das nicht in Hamburg?

Zustimmung der Herren.

Ritzy: Okay, wir können nicht über den 49 Euro Vorfall sprechen, wir wurden fast umgebracht, oder hätten zumindest die Beine gebrochen bekommen.

Rhydian: Umschreiben wir es diplomatisch. Es ist eine sehr lebendige Stadt, mit Licht und auch viel Schatten und Dunkelheit.

CN: Okay, soviel zu den ernsthaften Fragen.

Matt: Oh, das war eben ernsthaft? Mist.

CN: Von welchem Song würdet ihr sagen, dass er einem Orgasmus am Nächsten kommt?

Ritzy: Von unseren Songs? Am ehesten ‚Maw Maw Song‘, der hat einen guten Teil Vorspiel und eine schöne Steigerung am Ende.

Matt und Rhydian lachend: Ah, die Antwort einer Frau. Auf jeden Fall was mit vielen, lauten Gitarren.

Rhydian: Das ist eine interessante Frage. Ich glaube ‚The Turnaround‘ hat das auch ein wenig. Man muss einem Song Zeit geben einen ein bisschen scharf zu machen. Wir brauchen immer etwas um unsere Ladung zu verschießen, weißt du!?

Matt: Es braucht ein wenig um hart zu werden.

Würde es nicht an der Tür klopfen könnte man noch stundenlang so weitermachen. Aber leider letzte Frage.

CN: Zum Abschluss, welche Frage möchtet ihr nie in einem Interview gestellt bekommen, abgesehen von euren Fragen an mich am Anfang?

Ritzy: Was ist das Verrückteste, das euch jemals auf Tour passiert ist? Oder der größte Rock `n Roll Moment?

CN: Der 49 Euro Vorfall.

Matt: Oder: gefiel euch diese und jene Show. Wenn wir das gefragt werden antworten wir nur: Stirb!

Rhydian: Mögt ihr Kinder?

Ritzy: Das wirst du gefragt?

Matt: Ja und er antwortet immer: Wie viele hast du denn zu verkaufen?

Ritzy: Da stellt sich mir die Frage: Warum magst du Kinder?

Es klopft wieder.

Ritzy: Ja, klopf weiter, egal.

Hilft leider alles nichts, der nächste Kollege darf im Laufe seines Interviews für sich selbst ganz nebenbei die Frage beantworten, warum es eine ‚formidable Freude‘ ist, mit dieser Band zu sprechen und wo also der Bandname herkommt. So überflüssig war die Frage nach dem Bandnamen in der Tat noch nie.

Ebenso vorhersehbar ist nun, was beim Auftritt am Abend passiert. Da sind alle Anwesenden hellwach und die drei Waliser spielen, als wollten sie Hamburg viele kleine Orgasmen spendieren. Speziell der Namensgeber des neuen Albums, ‚Wolf’s law‘ steigert sich noch mal in einen Rausch. Da ist man schon mitten in der Zugabe und dachte eigentlich man könne schon lange nicht mehr. Nach neunzig Minuten in denen man bei neuen Freunden wie ‚Cholla‘ oder ‚This Ladder is ours‘ dabei zusehen konnte, wie fantastisch das Trio es versteht die Hörer zu packen und mitzunehmen. Der vorzügliche Spass, der rann am Ende allen aus den Poren und tropfte von der Decke des Knust, als der letzte Klang vom abschluessenden ‚Whirring‘ noch nachhaltig in den Ohren seine Runden sauste.  Beim Blick auf´s Ticket denkt man dann auch: das war mein persönlicher 18 Euro Vorfall und was für einer!


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