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Kein kalter Kaffee.

OK Kid AlbumWeiß jemand wo Gießen liegt? Nein? Oder doch! Irgendwer studiert doch da, oder in der anderen Stadt da in der Nähe. Genau, so oder so ähnlich ist es da. In der Kleinstadt ohne Meer, die von Studenten lebt und nur durch diese ne halbwegs gute Kulturszene hat. Die Jungs von OK Kid verbrachten ihre jungen Jahre wohl an der Lieblingsbushaltestelle oder mit dem Mofa an der Ortseisbude. Jedenfalls haben sie es nicht ausgehalten, jede Menge Mist gebaut. Und immer mit dabei die Musik. Und irgendwann der HipHop, den sie für sich entdeckten. Doch irgendwann wird sie zu klein, diese Stadt und auch die Welt, die da im Kopf immer größer und größer wird.

Die Ideen, Vorstellungen, Flausen wachsen unentwegt. Und so entstehen Jona:S, die als siebenköpfige Band mit dem Spoken-Rap von Sänger Jonas durch die Clubs tingeln und sich mit mehr als 200 Konzerten in die Fanherzen spielen. Und die Ideen und Vorstellungen wachsen weiter und schnell und wollen und sollen trotzdem gebündelt werden. So beschließen sie, ihr künstlerisches Schaffen von Kreuz und Quer ins gemeinsame Köln zu verlegen. Aus sieben werden drei werden OK Kid.

Und da stehen sie nun nicht mehr ganz nacktfüßig mit ihrem selbstbetitelten Debüt, mit dem sie ein ordentliches Stück HipPop mit Trip-Hop und Elektrogespiele vorlegen. Da werden einem Zeilen wie „Du bist allein, zu zweit, zu dritt, zu viert, zu fünft, zusammen, doch du hörst sie nicht mehr, die Kopfdisko ist heut nicht an.“ um die Ohren gehauen, die Füße zucken vom zappeligen Beat getrieben und das Kopfnicken über das entweder aktuelle oder in der Vergangenheit liegende Einverständnis. Das Einverständnis über die in gute Wortspiele verpackte Gesellschaftskritik, die sich ohne hochgehobenen Zeigefinger durch die Songs schlängelt. Es schlängelt sich auch das in Textzeilen gebrachte Bild der Heranwachsenen. Das Finden oder Suchen des Weges, der einen irgendwohin bringen soll. Doch darüber singen können nur die wenigsten, Wortspiele und Doppeldeutigkeiten darüber auch. Hier zeigen OK Kid „Einsatz“ und sagen “ Ne gute Line reicht und mir wachsen Flügel.

Doch Fliegen ist nicht alles was sie können, kennen sie nicht nur das Oben, sondern haben auch schon auf dem Boden gelegen. Aber sie stellen sich wieder her, wenn sie den „Kopf aus der Schlinge einer scheinbar heilen Welt“ ziehen.  Bei dem ganzen Zwischen-Den-Zeilen ist es gut, genug Raum für das „worum geht es“ zu haben…ob es um die Stadt mit dem Elefantenklo oder das graue Köln geht, was zwar nicht am Meer, dafür aber am Rhein liegt.

Ob eine endende Beziehung immer wieder aufgewärmt oder einfach nur der „Kaffee warm“ gehalten wird, weil man nicht allein sein will. Es sind Fragen, die sich nicht nur die drei Jungs aus Köln stellen, die Probleme, Irrungen und Wirrungen die am Ende nicht wehtun, jedenfalls nicht der Welt, die wir alle aber für so unglaublich wichtig halten. Wir mit unseren kleinen großen Dingen, die uns bewegen. Gerade letzteres bringen OK Kid in der Ü20-U35-Ode – „Mehr Mehr“ – auf den Punkt. Und schaffen am Ende die Antwort auf „Allein, zu zweit, zu dritt…“ und geben dem Album ein letztes Mal ein authentisches und lebensbejahendes Ende, frei nach dem Motto „Denn am Ende wird alles wieder gut, und solang es uns nicht gut geht, haben wir auch kein Problem.“

Wie die Welt wohl wäre, wenn es Ton, Steine, Scherben noch gäbe, wüssten wir auch gerne. Wir vermuten ein bisschen besser. Aber solange es Bands wie OK Kid gibt, die sich daran erinnern, wird es auch so gehen. Ihnen steht jedenfalls Großes bevor, wurden sie mittlerweile schon für die großen Festivals dieses Landes bestätigt. Freuen dürfen wir uns auch auf das Reeperbahnfestival (25.-28.September), auf dem wir sie wieder in hoffentlich gemütlicher Clubatmosphäre treffen dürfen. Vielleicht ja auch vorerst zum letzten Mal … (ms)