Heute der 2. Teil unseres Roskilde-Festival Rückblicks. Die Tage Samstag 6.7. und Sonntag 7.7. – los geht’s.

Der Sonnabend stand zunächst mal eindeutig unter dem Eindruck von Metallicas einzigem Europa-Konzert in diesem Jahr. Relativ spät hatte die Festivalleitung die Exklusiv-Show angekündigt und konnte dafür über verkaufte Tageskarten den Samstag auch als Ausverkauft melden. Für Metallica ist dies durch den dänischen Schlagzeuger Lars Ulrich eine Art Heimspiel und dementsprechend veränderte sich das Publikum von Auftreten und Alterstruktur her an diesem Samstag doch deutlich, und bereits Mittags standen viele Fans für die Einlässe an den Front of Stage-Bereichen in der Schlange.

Diese Front of Stage-Bereiche wurden nach dem Unfall aus dem Jahr 2000 eingerichtet und funktionieren so, dass man eine bestimmte Zahl von Besuchern in diese Bereiche zu den Konzerten hineinlässt, so dass auch im vorderen Bereich direkt vor der Bühne immer genügend Platz bleibt. Die Front-Pits sind  vom hinteren Zuschauerbereich abgetrennt und über die Leinwände kann man als Besucher sehen, wann sie geöffnet sind und ob man noch hineinkommt – bzw. wann sie voll sind und damit geschlossen. Eine wirklich sehr gute Regelung, die sich in der Praxis bewährt hat.
Wir selbst sind bei einigen Konzerten (z.B. Kraftwerk, Queens of the Stone Age, The National) vor und während der Konzerte problemlos hinein gekommen, bei den ganz großen Shows hätte man sich aber vorab anstellen müssen. Doch bevor wir zu Metallica kommen, gibt es ja noch ein paar andere Dinge zu berichten:

Da wären zunächst Ekkozone performing Music for 18 Musicians‘, ein 75minütiges Minimalmusik-Stück von Steve Reich. Ein ziemlich ambitioniertes Projekt sicherlich und wenn man sich die Gesichter der Protagonisten auf der Bühne so ansieht, scheinen sie an ihrem Tun auch Spaß zu finden. Doch das mag sich nicht so recht auf das Publikum übertragen. Nach 20minütigem, zusammenhanglosen Vibraphon-Geklöppel und „Dididididididididididididiiiiii“, „Dudududududuuuuuuu“ – Chören, wird die Flucht angetreten. Ob in den restlichen 55 Minuten des Stücks noch eine maßgebliche Änderung eingetreten ist, ist leider nicht überliefert. Da macht der Gang zu Henry Rollins‘ Spoken Word-Performance definitiv mehr Sinn. Rollins spielt/spricht an allen vier Hauptfestivaltagen auf verschiedenen Bühnen und ist auch dabei ein grandioser Unterhaltungskünstler. Er erzählt seine Sicht vom Unfall auf dem Festival im Jahr 2000, als er als erster Künstler mit seiner damaligen Rollins Band nach dem Unfall auf die Bühne gegangen ist und sich deswegen den Missmut des Managers der Pet Shop Boys zugezogen hat, kommt über die amerikanische Politik (‚Have patience with us, Europeans. There is hope – We’re not all Idiots.“) hin zu seinen Reisen, die er gern in Länder unternimmt, von denen seine Regierung sagt, sie seien gefährlich. So war er u.a. im Iran, in Nordkorea und auf Kuba (Obama ist der erste Präsident, der es US-Amerikanern ermöglicht, nach Kuba reisen zu dürfen) und hat schöne, zwischenmenschliche und nachdenklich machende Geschichten zu berichten, die immer energisch, positiv, vor allem aber sehr witzig rübergebracht werden. Er endet seinen Beitrag mit der Aufforderung, dass jeder, der es kann, bitte in die Welt reisen soll. Menschen kennenlernen, Beziehungen aufbauen und so die Welt auf lange Sicht ein kleines bisschen besser zu machen, was ganz im Sinne des
‚Change‘-Programms des Festivals steht, in dem es darum geht, im kleinen zu wirken und einen Benefit für seine Mitmenschen zu schaffen. Rollins wird auch auf dem Wacken performen und wer auf dem Festival ist, sollte sich das wirklich nicht entgehen lassen.  Weiter geht es mit den Parquet Courts aus Brooklyn, die für mich auch zu den Entdeckungen des Festivals gehören. Vom Sound her stark von C86-Bands a la The Wedding Present, The Fall oder den Chameleons beeinflusst, allerdings altersbedingt entsprechend dynamischer, überzeugt ihr euch am besten am 19.10. im Molotow selbst von ihren Qualitäten. Direkt im Anschluss geht es wieder einmal quer über das Gelände zur Arena Stage, wo wir uns die wunderbaren Efterklang anschauen, die nicht völlig unberechtigt als derzeit Dänemarks beste Band angekündigt werden und mit ihren opulenten und gleichzeitig fragilen Songs derzeit auch zu den besten Livebands überhaupt zählen dürften. Auch wenn die Hoffnung auf Orchesterunterstützung in Roskilde leider nicht erfüllt wurde, sehr schick.

Nun lebt das Roskilde Festival ja sehr von seinen musikalischen Gegensätzen. Man schaue sich nur mal die Headliner bewusst an: Metallica, Rihanna, Kraftwerk. Das ist alles schon arg weit voneinander entfernt. Umso mehr erstaunte mich die Aussage bei der Abschlusspressekonferenz, dass man ein Publikum unterhalb von 25 Jahren anstrebt und dieses Festival jung halten möchte, im Gegensatz zu vielen Anderen, die mit ihrem Publikum alt werden. Wie in dieses Konzept dann ein Kris Kristofferson passt, vermag ich nicht zu sagen. Der 77jährige Amerikaner mit schwedischen Wurzeln bespielte die riesige Orange Stage am Nachmittag ganz alleine mit Akustikgitarre und Mundharmonika, mit seiner Mixtur aus Country mit Blues- und Singer/Songwriter-Einflüssen. Das war nett, aber wenn man ehrlich ist, klang das auch alles sehr ähnlich und wären zwischen den Songs keine Pausen gewesen, man hätte die Übergänge teilweise wohl kaum bemerkt.  Trotzdem ließen sich wirklich viele Besucher auf der riesigen Wiese vor der Orange Stage in der Sonne nieder und hörten entspannt zu. Man kann die Festivalleitung für seine musikalische Offenheit und Vielfalt nicht oft genug loben.

Loben muss man unbedingt auch die „Crowd Safety“ des Festivals. Im Gespräch mit dem Stage Manager der Arena-Stage (siehe den ersten Teil dieses Berichts) hatte uns dieser gesagt, Roskilde habe eben „keine Security, sondern eine Crowd Safety – That’s a difference!“. Und wenn man sich das so ansieht, ist es auch ein wichtiger Teil dieses Orange feelings, von dem wir so gerne reden. Es ist ein großer Unterschied, ob zwischen der Bühne und dem Publikum ein paar 2-Meter-Gestalten mit Sonnenbrillen und verschränkten Armen stehen, oder ob einem die Crowd Safety-Volunteers nicht nur bereitwillig, sondern fast aufdringlich und lächelnd, Wasserbecher reichen, oder nur bei der kleinsten Bitte darum, sofort reagieren und immer eine ungeheure Aufmerksamkeit FÜR das Publikum aufbringen. Dafür möchte man permanent Szenenapplaus spenden.

Bis zum nächsten Act bleibt ein wenig Zeit. Zeit, um über das ausgesprochen umfassende Nahrungsangebot auf dem Roskilde Festival zu schreiben, denn das ist hier ganz weit weg von der Pommes Schranke und Irgendwas-in-Fett-getaucht-Offerte vieler anderer Veranstaltungen. Man bekommt hier so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann – und das bei relativ okayen Preisen (Wir sind immerhin in Dänemark) in immer sehr guter Qualität. Essensstände werden grundsätzlich nur zugelassen, wenn sie mindestens ein vegetarisches Gericht anbieten.
Ich hatte zum Frühstück selten bessere Sandwiches, als hier. Es gibt von Pizzen über diverse Nudelgerichte, Suppen, Asiafood, Brasilianisches, Türkisches, Pakistanisches Essen, großartige Burger (wäre es für Festivals nicht so außergewöhnlich, man müsste es nicht dauernd betonen, aber: Alles frisch!), natürlich auch dänische Polser in tollen Hot Dog-Varianten und.. und.. und.. eine wirklich irrsinnig große Auswahl. Ach ja: Wo bekomme ich in Hamburg so tolle Chili-Kartoffeln? Natürlich macht diese Auswahl auch vor der Getränkeauswahl keinen Halt. Mit Tuborg hat man in Roskilde nur einen großen Sponsor, der aber nicht das ganze Festival in seine Farben taucht, sondern sich – ganz im Gegenteil – dem Festival anpasst. Somit sind die Bierstände in orangefarbenen Zelten untergebracht und auch das Logo der Firma ist eher diskret, denn aufdringlich gestaltet für diese Veranstaltung. Man bekommt aber auch frische Milkshakes, Cocktails, alle erdenklichen Kaffeekreationen, kurze und Longdrinks.. Man könnte Tage damit verbringen, sich von Stand zu Stand durchzufressen. Wirklich.

Zwischendurch mal wieder ein Besuch in der Art Zone, bei der Velvet State: Hier zeigt die mittlerweile in New York lebende Grazerin Dorit Chrysler, ihr wunderbares Thereminspiel. Begleitet von Pluckerbeats aus dem Rechner, singt sie, während sie gleichzeitig Theremin und Fussbässe bedient. Wunderschön. Später gesellt sich die leicht extravagante Künstlerin Baby Dee hinzu, die man vom Debut von Anthony and the Johnsons, oder aus gemeinsamen Arbeiten mit Current 93 kennen kann. Heute opfert sie ihre Kabarett- und Chanson-Einflüsse allerdings übermäßigem Orgelgedudel und orgelt uns damit quasi vom Platz. Nächste Station.
Am frühen Abend entern The National die Orange Stage und spielen ein sehr schönes Set. Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die dieser Band nicht hoffnungslos verfallen sind, denen immer irgendetwas in ihrer Musik fehlt, doch kann ich unterstreichen, dass die Livevariante um einiges dynamischer und vielseitiger rüberkommt. Noch 1-2 mal gucken, vielleicht werde ich doch noch zum Fan ;)
Als Metallica dann endlich die Bühne betreten, ist es längst dunkel und der Platz vor der Orange Stage sehr gut gefüllt. Wir selbst schauen uns das Spektakel aus einer gewissen Entfernung an. Einer meiner Begleiter hier ist ein Journalist des US-Kerrang, der auf meine Frage, was er von der Band halte antwortete, sie hätten ihre große Zeit sicherlich hinter sich, doch sei es live immer wieder ein Erlebnis, dieser Band beiwohnen zu dürfen. Und so liefern sie ihr „For whom the bell tolls“, ihr „Master of Puppets“ und natürlich auch „Nothing else matters“ fachgerecht aufgearbeitet ab. Nicht mehr, nicht weniger. Masse glücklich, alles gut.

Noch während Metallica die Hauptbühne belärmen, steht man einmal mehr vor der Qual der Wahl: Geht man nun zu Sigur Ros? Zu Chelsea Light Moving? Oder gibt man doch diesem ominösen Dead Rat Orchestra eine Chance? Die Entscheidung fällt zunächst zugunsten der Isländer Sigur Ros aus, wird aber kurz darauf aufgrund der Unmengen von Menschen in und um die Arena Stage herum, revidiert. Da das Dead Rat Orchestra fast nebenan in der Gloria Stage aufspielt, schaue ich zunächst dort hinein und werde Zeuge, wie sich die dreiköpfige Band Acapella singend und Barfuss von der Mitte des Raumes aus, ihren Weg auf die Bühne bahnt (was zugegebenermaßen nicht so schwer ist, wenn parallel Metallica und Sigur Ros spielen, die klar die meisten Menschen anziehen). 2-3 Songs schaue ich mir diese Mixtur aus Country, Folk und Indie-Einflüssen an, befinde die Musik für Uhrzeit und eigenen Zustand aber als zu ruhig, um dann doch den Weg zu Chelsea Light Moving zur Odeon Stage anzutreten.

Dies stellt sich dann auch als die (einzig) richtige Entscheidung heraus, denn was Thurston Moore und seine Band hier abliefern, ist Abfeiern von zukünftigen Indie-Hits. Wer war eigentlich nochmal Sonic Youth? Ok, das ist etwas hoch gegriffen, aber weit weg ist Moore mit seiner neuen Band wahrlich nicht davon. Ein grandioser Auftritt. Wir beenden den Abend zunächst mit Chase & Status (böse Zungen nennen sie die ‘Klaus & Klaus des Ballermann-Techno‘), die für die breite Masse auf der Hauptbühne die Anleitung zum Tanzbein schwingen vorspielen (für die wirklichen Elektro-Enthusiasten gibt es ja schließlich auch die Apollo Stage, also geht das hier völlig in Ordnung), wandern aber nochmal zur Arena Stage, um die Dänen „When Saints go Machine“ mit ihrem verträumt-verspielten Elektro-Pop, eingebettet in eine wunderhübsche Lightshow, zu belauschen und zu bewundern, um den Tag dann doch langsam gegen 4 Uhr morgens ausklingen zu lassen.

Der Sonntag naht. Der letzte Tag des Festivals, bevor sich gut 120.000 Menschen wieder auf ihren Heimweg machen, bevor die Bühnen abgelassen werden und man am Ende ganze zwei Monate brauchen wird, um die Zeltplätze wieder so zu reinigen, dass man sie den Pächtern zurückgeben kann.
Das Müllproblem, das wird am letzten Tag auch überdeutlich, ist leider noch immer die Schwachstelle des Festivals. 25-30 Tonnen Müll sammeln sich an und viele, viel zu viele, Besucher hinterlassen anscheinend all ihr Hab und Gut auf dem Gelände: Schlafsäcke, Zelte, Pavillons, Autobatterien, Sofas, Schrankwände. Einmal wurde sogar ein Trampolin mit 8m Durchmesser gefunden, von dem niemand weiß, wie es auf das Gelände gekommen ist. Man ist sich dieses Müllproblems natürlich sehr bewusst, es sind während des Festivals permanent alleine 1000 Volunteers mit der Müllbeseitigung beschäftigt und viele von Ihnen zelten schließlich auch verteilt auf den Zeltplätzen und bekommen mit, was passiert.
Trotzdem: In der Vergangenheit haben viele Ideen und Modelle leider nicht gefruchtet: Man erhob zum Beispiel schon Pfand auf Pavillons und Autobatterien (für die Soundsysteme), oder bat die Besucher, ihre überflüssigen Zelte und Schlafsäcke wenigstens selbsttätig in dafür vorgesehene Container zu werfen, damit man sie karikativen Zwecken zuführen kann. Was man gegen Ende so alles auf den Zeltplätzen sieht, ist leider ein Trauerspiel. Ab dem nächsten Jahr möchte man die Energie aus der Dream City nutzen und neue Ideen entwickeln, wie man dieses Problem sinnvoll angehen kann, wie man die Besucher erreicht, damit sie sich umweltgerechter verhalten. Man kann nur hoffen, dass diese Bemühungen irgendwann fruchten werden.

Dieser Sonntag ist übrigens auch der letzte Tag für ein Unikat auf dem Gelände: Dieses Zelt hier befand sich in den vergangenen 31 Jahren in wirklich jedem Jahr auf dem Festivalgelände. Die zahlreichen Bandbeschriftungen zeugen davon, wie sich das Musikprogramm über die Jahre variantenreich gezeigt hat. Jetzt, 2013, steht es zum letzten Mal hier und das auch nur in der Backstage Village als eingezäuntes Anschauungsstück. Derzeit sammelt die Roskilde Foundation nämlich Utensilien, um in naher Zukunft ein richtiges Roskilde Festival Museum zu errichten und dafür hat der ehemalige Besitzer, dieses Zelt gestiftet. Man darf gespannt sein, was in diesem Museum noch so alles seinen Platz finden wird.

Doch kümmern wir uns noch einmal um die Musik:  Mit Wintergatan aus Götheborg starten wir in den Konzerttag. Das Kollektiv nutzt eine ganze Armada an spannenden Instrumenten: Vibraphone, Violinen oder ein Theremin sind da noch die normaleren Sachen. Zum Einsatz kommt auch eine Mini-Harfe, eine Schreibmaschine, eine Spieluhr mit Lochstreifen-Paper und etwas, was ich nicht einmal wirklich deuten kann. Auf jeden fall klang es, ähnlich einem Stylophone, wurde optisch wie eine Geige gehalten und es kamen viele Kabel heraus. Sachen gibt’s. Musikalisch pendelt die Band mit ihrer komplett instrumentalen Musik zwischen Folk, bis hin zu fast technoiden, tanzbaren Songs. Live sehr schön anzusehen.
Derweil gibt James Blake auf der Hauptbühne seine angedubten Elektro-Popsongs auf der Orange Stage zum Besten und lässt die Zuschauer und -hörer in der Sonne dahinschmelzen. So schön das auch ist: Im dunklen wirkt seine Musik dann doch deutlich intensiver. Auffällig am heutigen Tag: Das Publikum ist über Nacht stark gealtert. Das liegt daran, dass man als 60+ Besucher am Sonntag in Roskilde freien Eintritt hat und es macht Spaß, die älteren Mitmenschen zu beobachten, gerade, wenn auf den Bühnen eher neumodischere Klänge gespielt werden. Ganz so neumodisch klingen Fidlar (‚Fuck it Dog, Life’s a Risk!‘) mit ihrem Surf-Punk zwar nicht, aber dafür weht einem bei ihrem Konzert ein druckvoll frischer Wind um die Nase. Wieder so eine Spaßkapelle, der man gerne zusieht.

Das kann man heute vom Black Rebel Motorcycle Club nur bedingt behaupten. Es scheint, als wenn die Band ihr Programm ziemlich lust-, druck- und motivationslos runterspielt. Vielleicht hätte man sich doch lieber die parallel spielenden John Grant, oder gar Azelia Banks ansehen sollen? Aber für irgendwas muss man sich entscheiden und nach fünf Tagen Festival und sengender Sonne, ist es dann auch mal ganz schön, sich mit nem frischen Milkshake zur Kühlung auf die Wiese zu setzen und nicht sofort wieder zum Stagehopping anzusetzen.
Als die Sonne langsam tiefer steht, raffen wir uns wieder auf. Kid Koala, dieser irrsinnige DJ, der seine Musik zu einem großen Teil aus obskuren Jazzsamples zusammenschraubt, gibt sich im Cosmopol-Zelt die Ehre und weiß auch nach all den Jahren noch zu begeistern. Vor allem mit seinem mobilen Samplekit, mit dem er direkt ins Publikum stürzt und jeder mal ein bisschen mitspielen darf, der sich nah genug dran befindet. Währenddessen suchen drei Tänzerinnen, die kurz vorher noch in Radioverkleidung tanzend auf der Bühne standen, Leute aus dem Publikum aus, die sich danach einem Limbo-Wettbewerb stellen ‚müssen‘ (Der Teddy hat gewonnen).
Die Queens of the Stone Age stonerrocken dann solide als vorletzter Act die Orange Stage, unterbrochen von Balladen (!) bei denen Josh Homme sogar am Klavier sitzt. Eine etwas merkwürdige Kombination, wenn man mich fragt. Uns zieht es deswegen nochmal zur Pavillon-Stage zu Pinkunoizu, einer dänischen Band die auf Anhieb mit einer kruden Mischung aus Punk, Jazz, Krautrock und einer gehörigen Portion Pop sehr zu begeistern weiß. Dafür hätte ich QOTSA gerne komplett beiseite gelassen. Tolle Band!
Von hier aus schauen wir uns noch ein wenig Holy Other an. Eigentlich bekannt für House und Dubstep, gibt es heute ein sehr ruhiges, aber auch sehr schönes Ambient-Set auf der Apollo Stage. Zum runterkommen keine schlechte Wahl.
In diesen letzten Stunden des Roskilde Festivals 2013 sieht man vermehrt Besucher mit Pappbrillen herumlaufen, was mit dem letzten Hauptact zu tun hat: Angekündigt als 3D-Show, werden Kraftwerk das Programm auf der Hauptbühne beschließen und dafür wurden 60.000 3D-Brillen ausgegeben.

Die Band selbst betritt Punkt 22.00 Uhr die Bühne und beginnt mit einer langsamen Version von „The Robots“, die sich langsam hochschraubt. Natürlich kursier(t)en auch heute wieder die – Haha – Witze, dass ja eh nur Mp3-Files abgespielt werden und der Rest der Herren bei Amazon rumsurft. Naja, das war vor 10 Jahren mal kurz witzig, ist aber längst widerlegt und auch heute scheint es ab und an leichte Synchronisationsprobleme zu geben (Besonders deutlich bei „Man-Machine“). Das Set ist natürlich sehr Hits-lastig, aber auch für Perlen, wie „Spacelab“ und „Schaufensterpuppen“ ist genug Platz. Das klingt im aktuellen Gewand alles auch wirklich toll, nur leider vermag der 3D-Effekt für die meisten Besucher nicht zu funktionieren, da dieser lediglich auf der Leinwand hinter der Band projiziert wird. So steht man, wenn man nah dran ist aufgrund der Bühnenhöhe, entweder in einem ungünstigen Winkel zur Leinwand, oder man ist schlicht zu weit weg. Vor 60.000 Menschen funktioniert das also leider nicht wirklich gut, während die Show in kleineren Sälen durchaus eindrucksvoll ist. Das Set endet, wie immer, mit „Musique Non Stop“, an deren Ende die vier Kraftwerker noch einmal zeigen, was sie an ihren jeweiligen Konsolen leisten und verabschieden sich nacheinander von der Bühne, bis nur noch Ralf Hütter, letztes Originalmitglied, auf der Bühne zurückbleibt, sich verneigt und sogar – sollte dies eine menschliche Regung sein? – mit der Faust ans Herz klopft.
Geht ja auch ans Herz. Das Festival. Die Menschen. Die Atmosphäre. 2014 wieder, oder? (nsc)

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