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BDMKM Vol 3: Kazimir

Weiter geht es mit den Bands, die man kennen muss. Heute am Start: Kazimir, vier Herren aus Hamburg und Kiel, die am 13. September ihr neues Album „Messlattenblues“ auf dem Bandeigenen Label My Favourite Chords (Yachten, Eklat) veröffentlichen. Und die einfach mal super sind. Bitte mal das Video zu „Als ob no regrets jemals was für uns gewesen wär‘“ anschauen und wissen, warum das so ist.

Schon übermorgen sind sie im Molotow, schon heute im Interview. Wir stellten Christian Bruneß ein paar bekannten BDMKM-Fragen und ein paar andere – und bekamen eine Menge zurück.

Wer seid ihr, wie lange gibt es euch und wieso spielt ihr das, was ihr spielt?
Christian: Wir sind eine Gitarrenband aus Norddeutschland und wir hören auf den Namen Kazimir. In dieser Besetzung und unter diesem Namen spielen schon seit einigen Jahren zusammen. So ganz genau kann man das nicht mehr sagen. Ist zu lange her (hehe). Wieso wir das spielen, was wir spielen? Ich denke wir machen einfach Musik, die innerhalb der Band konsensfähig ist und die wir selbst eben als hörbar und gut empfinden. Um nochmal auf unsere Anfänge zurückzukommen: Damals hießen wir noch anders und haben zum Beispiel auch englisch getextet. Rock im weitesten Sinne war es schon immer. Manche sagen wir waren damals härter. Finde ich eigentlich nicht. Naja, es gab also schon eine gewisse Entwicklung, sag ich mal. Jetzt sind wir aber froh endlich da angekommen zu sein, wo wir uns am wohlsten fühlen.

Was muss man sonst über euch wissen und Fans welcher anderer Bands können sich das Weiterlesen jetzt sparen?
Wir sind vier Freunde, die Lust auf Musik und Konzerte haben. Wir empfinden uns nicht als Teil einer bestimmten Szene. Es war schon immer so, dass wir den Punks viel zu unpunkig waren und den Leuten, die mehr auf Popmusik stehen, zu punkig. Ich sehe Kazimir schon in der Tradition von Bands wie Muff Potter oder den frühen Jupiter Jones. Was ich sagen will: Ich glaube Kazimir ist eine Band, die die Grenzen von Szenen und Cliquen irgendwie ignoriert. Das ist irgendwie gut, aber nicht immer hilfreich. Und sonst: Fans von Bands, die rechtes Gedankengut verbreiten, können an dieser Stelle das Lesen getrost einstellen und sich wieder ihrem traurigen Dasein widmen. Ich denke mehr braucht man dazu nicht sagen.

Was ist der „Messlattenblues“ in einem Satz?
Messlattenblues ist eine Zustandsbeschreibung der sogenannten „Generation maybe“, die durch zu hohe Ansprüche an sich selbst, an andere, an das Leben, an die Liebe permanent unzufrieden und frustriert ist. Und der Messlattenblues ist der Soundtrack dazu.

Stichwort My Favourite Chords.
Wir haben als Band lange versucht mit den fertigen Aufnahmen bei einem Label zu landen. Wir haben an viele Türen geklopft und teilweise wurde diese sogar einen Spalt weit geöffnet. Irgendwann Anfang des Jahres haben wir uns dann zusammengesetzt und überlegt wie es weitergehen könnte. Wir erinnerten uns an die Worte von Jürgen, dem Chef von Rookie Records aus Köln. Er gab uns den Rat es doch einfach selbst zu machen. Da ich eh schon immer Lust auf ein Plattenlabel hatte, fragte ich kurzerhand drei sehr gute, musikverrückte Freunde von mir ob sie Lust hätten mitzumachen. Es war von Anfang an klar, dass das Kazimir Album der erste „große“ Release werden würde. Es musste also niemand überredet werden. Jetzt spiele ich eine Art Doppelrolle: Kazimir einerseits, My Favourite Chords andererseits. Das geht aber erstaunlich gut. Mit dem Label haben wir noch viel vor. Aber wichtig ist: Es war nie als reines „Kazimir-Label“ geplant und ich denke mit den nächsten Releases wird das auch deutlich werden.

Wie wohl fühlt ihr euch als Band in Hamburg, was würdet ihr gerne ändern und was findet ihr so richtig toll an und in der (Musik-)Stadt? Und was ist in Kiel dann doch besser?
Wir fühlen uns in Hamburg sehr wohl. Drei von vier Bandmitgliedern wohnen hier. Nur Eric studiert derzeit noch in Kiel. Hamburg hat unheimlich viel zu bieten. Allein die Vielzahl der Konzerte. Unser Vertrieb „Broken Silence“ ist auch in Hamburg ansässig. Daniel von Kuntergrau-Booking ist in Hamburg. Unsere Lieblingsclubs, das Molotow und der Grüne Jäger sind hier. Kiel ist da viel provinzieller. Ich habe selbst dort studiert und kann mich noch an Abende erinnern, an denen man betrunken im WG-Wohnzimmer saß und einfach nichts ging. Gar nichts. Klar, Kiel hat die Schaubude und ein paar nette Kneipen, aber wenn man sich gerne die Nächte um die Ohren schlägt und gerne gute und laute Musik hört ist Hamburg besser geeignet.

Das größte Kompliment, das man euch machen könnte lautet wie?
Das haben wir eigentlich schon bekommen. Und zwar hat ein sehr guter Freund von uns bei einem unsrer Konzerte seiner Freundin einen Antrag gemacht. Also er kam jetzt nicht auf die Bühne oder so. Aber nach dem Konzert kam er zu uns und sagte sowas wie: „Leute, ich bin verlobt. Das war einfach der perfekte Moment.“ Das war schon sehr sehr schön. Ich weiß andererseits nicht wie viele Paare sich schon während eines Konzertes getrennt haben. Ich empfinde viele Lieder eher als Trennungs-, denn als Heiratslieder.

Wie wichtig ist Freundschaft für euch und eure Band?
Wären wir nicht so gut befreundet würde es Kazimir sicherlich schon lange nicht mehr geben. Wir kennen uns mittlerweile so gut, dass wir als Kollektiv sehr gut funktionieren. Wir können miteinander reden, was essentiell ist. Ausserdem kennen wir unsere Stärken und Schwächen. Gerade wenn man auf Tour ist, ist so ein Verständnis für die Schwächen des anderen sehr wichtig. Es läuft zudem viel auf Vertrauensbasis. Jeder gibt das an Einsatz was er geben kann. Da gibt es keinen Streit, falls jemand mal ein paar Wochen Stress hat und weniger für die Band tut.

Was muss man tun um aus der Band zu fliegen?
Ich schätze aus der Band fliegen kann man bei uns gar nicht. Da muss man schon von sich aus sagen, dass man nicht mehr möchte. Natürlich gibt es immer mal Situationen in denen man sich auf den Sack geht, aber für einen Rauswurf hat es noch nicht gereicht. Ich kann mir gerade auch nicht vorstellen, dass einer von uns so dermaßen verkackt, dass er rausfliegt. Naja. Warten wir mal die Tour ab.

Stellt Euch vor, beim nächsten Auftritt spielt ein berühmter Musiker einen eurer Songs zusammen mit euch auf der Bühne. Wer wäre es und für welchen Song?
Ich stelle mir gerade ein Duett von Eric mit  Thees Uhlmann beim Song „John Hume“ vor. Das wäre schön.

Welches Rock’n’Roll Klischee wollt ihr unbedingt noch erfüllen (bevor ihr an eurer Kotze nach einer Überdosis erstickt)?
Ich würde schon sehr gerne einmal das Bühnenequipment zerstören, auf das Scheinwerfergerüst klettern und mit einem völlig übertrieben Sprung in die Menge jumpen. Kann ja noch kommen.

Vinyl, CD oder MP3?
Alles. Vinyl kaufe und und sammel ich. CD’s habe ich noch sehr viele von früher. Und MP3’s nutze ich hin und wieder auch. Wobei Streaming auch noch genannt werden muss. Ich mag auch Streamingdienste. Das ist schon sehr praktisch.  Und das was mir gefällt wird dann gekauft.

Die erste Platte, die du dir gekauft hast?
Die erste Vinyl-Platte haben meine Eltern mir 1993 gekauft: David Hasselhoff „Looking for Freedom“. Ein wahrer Klassiker. Meine Sammelleidenschaft fing aber erst viel später an. Ich glaube ich fand die „Jazz ist anders“ von den, äh, von Die Ärzte damals vom Artwork so geil, dass ich sie mir auf Platte kaufen musste. Das war die Platte im Pizzakarton übrigens. Ab dann gab es nur noch Vinyls.

Wie soll es jetzt mit euch weitergehen? Was sind eure Ziele?
Wir warten jetzt erstmal ab bis die Platte am 13.09. rauskommt. Dann spielen wir bis Januar um die 30 Konzerte mit sehr vielen coolen Bands und nach der Januar-Tour schauen wir weiter. Erstmal gilt aber losfahren und spielen. Wie es danach weitergeht werden wir sehen.

Interview: Mathias Frank

 


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