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Alles Anders – Trentemøller im Interview (Teil II)

Ende Juli treffen wir Anders Trentemøller für ein ausführliches Interview. Wir haben uns so verquatscht, dass wir das Interview zur leichteren Verdauung in zwei Teile gesplittet haben. Im zweiten Teil geht es um die Tour, Trentemøller als Live-Act und was ihn mit Hamburg verbindet! Den ersten Teil findet ihr HIER.

Kannst du etwas zur kommenden Tour sagen?

Gerne! Anfang November werden wir für zwei Wochen losziehen (am 16. November im Uebel & Gefährlich – concert-news.de präsentiert; Anm. d. Verf.). Nächstes Jahr wird es dann eine größere Tour durch Europa geben, im Februar glaube ich. Bis vorgestern haben wir ein paar Festivals bespielt und werden uns jetzt auf die Club-Gigs vorbereiten, die werden übrigens alle mit der Band sein. Ich glaube für nächstes Jahr sind überhaupt keine DJ-Gigs geplant. Sorry, dass ich es nochmal erwähne, aber das DJ-Ding ist für mich irgendwie durch.

Was erwartet einen denn auf einem Trentemøller Konzert?

Das ist im Grunde ein Rockkonzert. Natürlich haben wir einiges an elektronischem Equipment dabei, aber halt auch Schlagzeug, Bass und Gitarren. Es ist in etwa das Set-Up, dass man auf der “Live in Copenhagen”-DVD sehen kann.

Ausserdem wird Marie Fisker dabei sein. Sie ist eine der Sängerinnen auf meinen früheren Alben und wird sämtliche Vocals übernehmen. Das wär im Übrigen eine ziemliche Herausforderung für uns. Offensichtlich kann ich ja nicht Low, The Drums, usw. mit auf Tour bringen. Also mussten wir in gewisser Weise wieder von vorne anfangen, so dass Marie sich die Stück zu eigen machen konnte. Ich habe also mit ihr meine eigenen Stücke covert, das war irgendwie komisch. So als würden wir alles auseinandernehmen und Stück für Stück wieder aufbauen. Ich am Klavier und sie mit der Gitarre, so haben wir dann nach der Essenz der jeweiligen Stücke gesucht. Es ist mir sehr wichtig, dass man meine Stücke mit echten Instrumenten relativ leicht spielen kann. All die Produktion und der Sound sind da zweitranging, aber nutzlos wenn der Stück an sich nicht stark genug ist.

Das heisst, dass du deine Stücke dann auch so schreibst?

Ja, fast alle Stücke schreibe ich auf meinem Klavier in meinem Studio, nicht am Computer. Ich nehme jede gute Skizze oder Melodie sofort mit meinem Handy auf. So habe ich immer ganz viele Memos gefüllt mit musikalischen Ideen. Es kommt auch vor, dass mir beim Radfahren eine tolle Akkordfolge einfällt, dann muss ich nur so schnell wie möglich ins Studio um sie zu rekonstruieren. Erst wenn ich mit dem Jammen auf dem Klavier durch bin, versuche ich alles auf den PC zu transferieren. Erst dann kommen die auch Basslinien oder ich spiele mit dem Moog dazu rum.

Wieviele Instrumente spielst du denn?

Ich spiele nur wenige gut. Meine Hauptinstrumente sind sicherlich Keyboard und Schlagzeug, dazu ein bißchen Gitarre und ganz kleines bißchen Bass. Der meiste Gitarremkram ist zwar von mir, aber wenn es technisch zu schwer wurde, habe ich ein paar Profi-Freunde ins Studio eingeladen. Sonst hätte es eine Ewigkeit gedauert.

Machst du eigentlich irgendwas besonderes in Richtung Visuals für deine Konzerte?

Oh ja! Unser ehemaliger Schlagzeuger Henrik Vibskov ist Modedesigner und macht auch jede Menge Installationen. Ein sehr, sehr talentierter Typ! Er hat uns ein komplettes Bühnenbild designt und gebaut. Es fällt mir unheimlich schwer zu beschreiben, wie es aussieht und funktioniert, aber glaube mir es ist sehr cool! Auf Video-Visuals verzichten wir komplett, weil ich das nicht mehr wollte. Manche Konzerte gleichen ja fast schon MTV-Videos. Mir war es wichtig etwas echtes, etwas organisches… Ach, ich krieg’s nicht in Worte gefasst! Am besten ihr schaut euch das live an! (lacht)

Machen wir! Und die Setlist? Wie erstellst du die?

Gute Frage! Da hat sich meine Herangehensweise schon öfter komplett verändert. Als wir angefangen haben waren wir so glücklich bzw. überwältigt vom Erfolg und alles war ein wenig hektisch. Heute ist das anders, z.B. haben wir auf unserer letzten Tour Depeche Mode supportet. Das waren sieben Gigs als halbstündiges Warm-Up für mehrere tausend Depeche Mode Fans. Da haben wir logischerweise eine besondere Setlist zusammengestellt. Auf dem Melt! Vor ein paar Tagen haben wir auch relativ spontan ein paar neue Stücke eingebaut, das war sehr spannend. Heute ist es mir wichtig, dass ich die Flexibilität habe, die Setlist während wir spielen anzupassen. Wenn ich also das Gefühl habe, dass wir mehr Uptempo brauchen oder die Stimmung runterfahren müssen, dann sage ich meinen Bandmitgliedern welches Stück wir als nächstes spielen. Aber natürlich gibt es ein paar konstante Elemente, z.B. beginnen und enden wir immer mit den gleichen Stücken.

Du hast also kein festes Konzept, sondern lässt dich vom Vibe des Publikums beeinflussen?

So in etwa. Als ich vor fünf Jahren zum ersten mal mit dieser Band getourt bin, da hatten wir unsere Setlist und das war’s. Damals haben wir auch noch mit Video-Visuals gearbeitet. Das wirkt dann irgendwie sehr statisch und somit langweilig. Es war alles so perfekt. Verstehst du was ich meine? Wenn jedes Mal ein Lichtchen leuchtet, wenn der Schlagzeuger irgendwo draufschlägt…

Inzwischen arbeiten wir da sehr analog. Unser Lichtmann hat kein computergesteuertes Skript. Es liegt alles wortwörtlich in seiner Hand. Der ist sowas wie das fünfte Bandmitglied. Du solltest ihn mal während eines Konzertes sehen, der tanzt förmlich auf dem Lichtpult mit und spielt mit der Musik.

Sag mal, gibt es etwas, dass du mit Hamburg verbindest?

Ich erinnere mich, mal in einem besetzten Haus gespielt zu haben. Es hieß Rote Flora. Kennst du das?

Ja, natürlich.

Ach echt? Cool! Als ich dort gespielt habe, hat mich das an das Ungdomshuset in Kopenhagen erinnert. Das war auch ein besetztes Haus und ein sehr cooles Venue für viele interessante Künstler. Viele Punk Bands haben da gespielt. Aber die Regierung hat es irgendwann abgerissen. Das war blöd, weil es den jungen Leuten einen Ort geboten hat. Aber den Offiziellen war es wohl zu, ähm, hardcore? Naja, daran hat mich die Rote Flora erinnert, das muss vor zwölf oder vierzehn Jahren gewesen sein. Gibt es sie noch?

Klar, aber natürlich gibt es immer wieder Kontroversen und Diskussionen. Das ist hier in Hamburg nicht anders als du es gerade für Kopenhagen beschrieben hast. Da gibt es z.B. an der Reeperbahn auch ein paar Gebäude mit tollen Clubs, die bald abgerissen werden.

Aber scheint ja so als wäre die Flora eine Art Institution geworden. Das wäre cool, denn das war meine erste Hamburg Erfahrung und bis heute meine Verbindung zu dieser Stadt.

Danke für das Interview!

Unsere schöne Hansestadt beehrt er mit seiner Band am Samstag, den 16. November im Uebel & Gefährlich. Einen dufteren Typen wie Anders Trentemøller kann man sich kaum vorstellen. Am Interviewtag hat er Kuchen und belegte Brote angeboten. (gs)

Das wundervolle Album „Lost“ von Trentemøller erscheint heute am Freitag, den 20. September. Hier die Hyperlinks für den Kauf: CD, DLP & Digital (iTunes)