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Die Bühne macht das Konzert!

Für uns in der Redaktion und mit Sicherheit auch für viele von euch da draußen vorm Rechner ist der Besuch eines Konzerts mehr als nur ein abendlicher Zeitvertreib. Hobby oder Lebensinhalt, Nerdkram oder Leidenschaft? Fakt ist, dass der Genuss von Livemusik, handgemacht und tatsächlich, einen großen Platz in unseren Leben einnimmt.

Ein Beweis dafür ist die Existenz dieses Blogs, in dem wir versuchen euch über das Geschehen auf Hamburgs Musikbühnen auf dem Laufenden zu halten. Aber was wären wir ohne die Clubs die Abend für Abend Künstler aller Couleur auf ihre Bühnen bringen? Was wäre Hamburg ohne sie? Überlegt man weiter und bedenkt, dass auch die seligen Beatles die Sporen ihres Handwerks in den dunklen Clubs der Reeperbahn verdient haben, dann darf man auch fragen was die moderne Popmusik überhaupt wäre ohne die privaten Musikclubs dieser Welt. Hat nicht jeder ernstzunehmende Künstler in irgendeinem dunklen Keller/Raum/Juze angefangen? Die Bühne macht das Konzert, egal wie groß oder klein.

Der Preis ist heiß!

Da ist es erfreulich zu sehen, dass auch in der Politik die Aufmerksamkeit für eben jene Clubs offensichtlich zunimmt. So gewährte der Bundestag im November 2012 Mittel in Gesamthöhe von einer Million Euro für die Verleihung des  “Spielstättenprogrammpreis Rock, Pop, Jazz”. Der Kulturstaatsminister Peter Neumann sagt dazu: „Es geht um die Wertschätzung von Clubs und Veranstaltungsreihen, die jenseits des Etablierten, mit dem Mut zum Risiko, ein durchaus vielfältiges und qualitativ sehr hochwertiges Liveprogramm vorweisen. […] Nicht zuletzt für die Künstlerinnen und Künstler ist eine lebendige Clublandschaft von fundamentaler Bedeutung.”

Und Hamburg hat fett abgesahnt! Die Astra Stube, das Hafenklang, das Uebel & Gefährlich, der Pudel, das – gegenwärtig im Baakenhafen beheimatete – Motorschiff Stubnitz und das Molotow, sie alle sind ausgezeichnet worden. Das Motorschiff Stubnitz ist in seiner Kategorie sogar der Klassenprimus und darf sich fortan Spielstätte des Jahres 2013 nennen. Eine Runde Szenenapplaus bitte für alle sechs Clubs!! Es gratuliert nachträglich die gesamte Concert-news-Redaktion! Auch geil, keine andere Stadt hat so viele Preisträger hervorgebracht. Also alles gut? Alle happy? Irgendwie nicht. Der ein oder andere wird beim Namen Molotow kurz innegehalten haben und von Seiten des Clubkombinats (ja, die mit den Konzertübersichtsplakaten) kam neben der großen Freude auch deutliche Kritik über das gewählte Vergabemodell des Preises.

Kritik der praktischen Vernunft

Das Clubkombinat setzt sich seit 2004 für die Bedürfnisse der privaten Clubbetreiber in Hamburg ein. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die gemeinsamen Interessen aller zu formulieren und zu adressieren. So sollen die Bedingungen für Live Musik hier in der Stadt möglichst ideal gestaltet werden. Denn laut Geschäftsführer Thore Debor kann Hamburg mit seinen grob gezählt 125 Clubs mit Fug und Recht als Hochburg für Livemusik bezeichnet werden. Diesen Status gilt es zu erhalten und womöglich auszubauen. Im kommenden Jahr feiert das Kombinat sein zehnjähriges Jubiläum. So habe man es in den letzten neun Jahren geschafft, das Konkurrenzdenken unter den Clubs weiter aufzubrechen und ein gemeinschaftliches Denken zu etablieren. Die Liste der Mitgliedsclubs ist lang und viele Namen sind wohlbekannt. Machen wir uns nichts vor, die Clubs werden immer in einer gewissen Konkurrenzsituation zueinander stehen, aber dennoch scheint es viele Problematiken zu geben, die sich besser in der Gemeinschaft lösen lassen.

Genau dort setzt auch die oben erwähnte Kritik an. Debor sagt, dass intelligente Förderung anders aussieht. Damit meint er, dass dem Spielstättenprogrammpreis ein Vergabemodell aus den siebziger Jahren zugrunde liegt. Eine Jury entscheide darüber, wer das beste Programm angeboten hat und vergebe dann einen Geldpreis. Diese Art der Leuchtturmförderung wäre für die Gewinner meist nur ein einmaliges Strohfeuer und schüre womöglich Neid unter den Clubs. Es ist vor allem die Intransparenz bzw. die Unplanbarkeit, die ihm sauer aufstößt. Denn Programmplanung ist nun mal von Natur aus langfristig und diese soll ja durch den Preis gefördert werden.

Davon abgesehen saßen mit Karsten Schölermann (Geschäftsführer Knust) und Reiner Michalke (u.a. Programmchef Stadtgarten Köln)  gerade mal zwei Leute direkt vom Fach in der neunköpfigen Jury des Preises.

Feine Randnotiz zum Spielstättenprogrammpreis: Es ist zwar eine Million Euro bewilligt worden. Tatsächlich fliessen aber nur 870.000 Euro den Spielstätten zu. Der Fehlbetrag von stattlichen 130.000 Euro verpufft für Verwaltungskosten im allerweitesten Sinne. Ziemlich ungeil. Auch kann man sich in Zeiten von Milliarden und Billionen fragen, wie viel eine Million Euro denn tatsächlich ist, wenn man sie auf die Menge der deutschen Musikclubs runterbricht.

Brothers in Arms

Ein Gegenentwurf dazu ist der Live Concert Account. Mit einem jährlichen Etat von 150.000 Euro, wird anhand der GEMA-Abrechnungen der einzelnen Clubs wird eine regelmäßige und fair verteilte Förderung gewährleistet. Was manchmal fälschlicherweise als GEMA-Erstattungsfonds bezeichnet wird ist da vielmehr ein Schulterschluss zwischen Künstlern und Clubs. Auch nicht schlecht mal von der GEMA in einem positiven Zusammenhang zu hören.

Dass dieses Modell der Förderung auch von den Clubs wertgeschätzt wird zeigt sich dadurch, dass einige der Hamburger Preisträger einen Teil ihres Preisgeldes an die Clubstiftung spenden. Diese heisst eigentlich “Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg”, was eigentlich schon alles sagt. Mit Aktionen wie dem ClubEuro, welcher den Systemgebühren großer Ticketanbieter den Kampf ansagt oder dem Clublexikon, dessen Erlöse zu 100% der Stiftung zufliessen sorgt die Stiftung für ein stetiges Anwachsen des Stiftungskapitals. So fungiert sie mit ihren derzeit 375.000 Euro Stiftungskapital als “clubeigene Bank” und ermöglicht so vielen privaten Clubs die Finanzierung z.B. teuren Ton- und Lichtanlagen. Im Grunde also Hilfe zur Selbsthilfe. Obwohl die Stiftung eng mit dem Clubkombinat verbunden ist, muss man als privater Club kein Mitglied sein um dort einen Antrag stellen zu können. Es geht ja ums Allgemeinwohl der Clubs. Die Existenz einer solchen Stiftung ist bei Weitem nicht selbstverständlich, denn sie ist in ihrer Form einmalig in Deutschland und Clubbetreiber aus anderen Bundesländer beneiden uns fast schon dafür.

Aber auch auf Bundesebene gibt es da schon ähnliche Ansätze. Ausdrücklich sei da auf den „Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V.“ (auch LiveMusikKommission genannt) hingewiesen. Sowohl die Mitglieder des Clubkombinats, als auch die der LiveKomm verstehen sich als Kulturbetriebe im wahrsten Sinne der Wortes. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Kultur- & Kreativwirtschaft.

Der Molotow Cocktail

Die Gemeinschaft der Hamburger Clubs zeigt sich zur Zeit vor allem in der großen Solidarität mit dem Molotow, dessen Existenz durch den geplanten Abriss der Esso-Häuser stark gefährdet ist. Immer wieder trifft man in den anderen Clubs auf Poster und Banner mit entsprechenden Sympathiebekundungen.

Es ist der Sarkasmus des Lebens, dass das Molotow zwei Tage vor der Auszeichnung für ihr hervorragendes Programm die Kündigung erhalten hat. Thore Debor bezeichnet es als einen “Schlag ins Gesicht”. Dabei bestehe die Problematik aus zweierlei. Einerseits muss ür die Zeit des Abriss und Neubau eine Auschweichmöglichkeit für das Molotow gefunden werden, ähnlich dem Hafenklang Exil damals. Andererseits müssen für eine Rückkehr die entsprechenden Konditionen wieder geschaffen werden. “Da lehnt sich auch die Politik bereits starkt aus dem Fenster.”, betont Debor anerkennend. Auch das Clubkombinat steht da Gewehr bei Fuß und man kann sich sicher sein, dass aus deren Ecke zum dem Thema auch noch etwas kommen wird.

Die Freiräume der Hochburg

Fakt ist, die Hamburger Clubszene lebt! Und es deutet auch nichts darauf hin, dass sich das ändern wird. “Die Leute werden immer in die Keller, in die Freiräume ziehen.” gibt Debor als Fazit. “Auch wenn es in zehn Jahren nicht mehr jeden Club gibt, den es heute gibt, dafür werden neue entstehen. Aber wir sind auf einem guten Weg unsere Stellung als Livemusik Hochburg zu bewahren”. WORD! (gs)



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