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Rückschau: Band Of Skulls

Nachdem die Trauer der Veranstaltungsverlegung vom Hafenklang in das Mojo in Vergessenheit geriet, war ich zugegebenermaßen ziemlich gespannt auf den Club mit den unterirdischen Katakomben und einem Sound, von dem es irgendwo hieß, er sei aktuell einer der besten in der europäischen Clublandschaft. Ebenso auf das Unterhaltungstrio des Abends, Band Of Skulls aus Southampton. Zuletzt gesehen als Support der allmächtigen QOTSA in der Düsseldorfer Mitsubishi-Arena im späten Herbst 2013, wo die Band das Publikum ordentlich anheizte. War das schon ziemlich gut, stand danach leider die VÖ des dritten Albums „Himalayan“ an, das mich zugegebenermaßen etwas enttäuschte. Damit stand der Abend unter dem Motto Spiel, Spaß und Spannung.

Wie so oft war die Zeit vor Konzertbeginn zu knapp, um den Support The Dope noch in aller Ausführlichkeit zu erleben, der letzte noch erhaschte Song klang jedoch ohnehin nach etwas belanglosem Indie-Rock. Wobei das wohl Geschmackssache sein dürfte, vielen der Anwesenden hat es gefallen und die Stimmung war gut, als die drei Briten Russell Marsden (Gitarre / Vocals), Emma Richardson (Bass / Vocals) und Matt Hayward (Schlagzeug) dann irgendwann nach 22 Uhr die Bühne betraten.

Mit „Asleep at the Wheel“ traten Band Of Skulls auf die Bühne. Zugegebenermaßen nicht mein Favourite des aktuellen Albums „Himalayan“, aber als Opener perfekt. Fußwippen und as erste Kopfnicken setzten ein, die fetten Riffs kamen ganz gut rüber. Allerdings hielt die Freude nicht lange, „Himalayan“ ist ebenfalls keiner meiner Topsongs des ohnehin eher enttäuschenden Albums und klang auch live teilweise eher nach LSD-Musik der Siebziger. Entschädigung fand sich aber schnell: „You aren’t pretty but you got it going on“ sorgte mit seinem Intro bereits für Jubel beim Publikum, knallte mit seinem düsteren Sound ordentlich und lockte erstmals auch Emma etwas ausführlicher ans Mic.

Das groovige „I know what I am“ war dann der erste Song des Debüts „Baby Darling Doll Face Honey“, der zugleich die letzten schläfrigen Reste des Publikums erweckte und ziemlich jeden zum Tanzen animierte. Man erinnere sich: Der Song war einst Auslöser für einen ziemlichen Hype um die Band, nachdem das durchaus tanzbare Stück auf einem Twilight-Soundtrack landete. Sympathiepunkt dafür, dass der Song so früh in der Setlist auftaucht und nicht als Zugabe zurück gehalten wurde. Bei den sich anschließenden Toreador und dem eingängigen Patterns kam Emmas dunkle Stimmung erneut bestens zur Geltung – erinnert mich immer sehr an The Kills und teilweise tatsächlich rein stimmlich auch an Shirley Manson. Großes Kino.

Gleiches gilt für „Brothers and Sisters“, das mich beim ersten Hören von „Himalayan“ direkt gepackt hat, wenngleich der Whoo-oh-oh-Chorus irgendwann einen Nervfaktor hat. Langsamer ging es dann mit „Bruises“, „Nightmares“ und der „Ballade“ „I guess I know you fairly well“ weiter, das der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat, sondern – ganz im Gegenteil – eine willkommene Verschnaufpause bot. Damit war dann aber auch genug der Ruhe. Weiter mit dem treibenden „Hoochie Coochie“, das alle eingeschlafenen Füße – außer den meinen – wieder zum Leben erweckte. Die blieben stehen bis zum Ticken von „Bomb“. Großer Song, live wie auf Platte. Entspannter kam dann „I feel like ten men, nine dead and one dying“, dessen Intro auch einen Tarantino-Film einläuten könnte, dann aber zwischendurch doch noch mit fetten Riffs überzeugen kann.

Mit „The devil takes care of his own“ folgt ein ganz persönliches Highlight, muss man nichts zu sagen und sah das Publikum ähnlich. Den Abschluss der regulären Spielzeit bildete „Hollywood Bowl“, ebenfalls nett. Die erste der Zugaben, der Titeltrack des zweiten Werks „Sweet Sour“, wurde von der Meute lautstark begrüßt und für Hamburger Verhältnisse frenetisch beklatscht, gilt das nordische Publikum im Vergleich zu anderen deutschen Städten doch eher als schwer zu begeistern. Mit „Light of the Morning“ und „Death by Diamonds and Pearls“ folgten zwei weitere krachende Zugaben des grandiosen Debütalbums, die erneut Vergleiche mit The White Stripes, Black Keys, BRMC oder Blood Red Shoes ins Gedächtnis riefen, bevor die gut gelaunte Band das überwiegend wohl begeisterte Publikum in die Hamburger Nacht entließ.

Summa summarum eine astreine Blues-Rock-Garagen-Sound-Show, bei der die Band erneut durch eine energiegeladene Darbietung überzeugte, wenngleich die Songstrukturen irgendwann keine großen Überraschungen mehr bieten. Tut der Qualität aber ja keinen Abbruch, gute 1.5 Stunden Unterhaltung waren es allemal. Die Publikumsansprachen dazu gerade ausreichend, um nicht völlig ignorant daher zu kommen, aber nicht zu viel, um zu nerven. Schlussendlich klang das neue Album, das die Combo zu Großteilen präsentierte und damit fast das halbe Konzert bestritt, live auch weniger weich gespült als auf Platte. Zumal der Sound des Mojo seinem voraus eilenden Ruf tatsächlich ein Stück weit nachkommt. Definitiv irgendwann noch einen Besuch wert. (jm)



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