Wie schwer das manchmal ist, die Klappe zu halten, wenn man schon vor Wochen nicht nur das Album der Woche, sondern einen Anwärter auf das Album des Jahres vor die Ohren gesetzt bekommt. Die Berliner Yesterday Shop hängen mit ihrem neuen Album “Parodos” (Trickser Tonträger) die Messlatte der Jahresalben noch einmal nach oben und zeigen eindrucksvoll, wie Indiepop geht, um nicht im selbigen Sumpf unterzugehen und nie wieder an die Oberfläche zu kommen.

Nachdem Yesterday Shop (19.Mai, Molotow Exil) mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album nicht nur einen Einblick in ihr Seelenleben gegeben haben, legen sie mit “Parodos” gewaltig nach. Der Indie-Einheitsbrei macht es nicht leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen, wenn man schon von vornherein seine Ohren verschließt, bevor man einer Band wie Yesterday Shop überhaupt eine Chance gibt. Doch es lohnt sich, in ihren Kosmos einzudringen, es lohnt sich “Parodos” nicht nur ein oder zweimal zu hören, Songs wie “The Good Life” oder “Trees And Games” bleiben im Hirn, haken sich dort fest und tauchen im Laufe des Tages wieder auf, wenn man zwischen den Kühlregalen im Supermarkt, an der Ampel oder am heimischen Spülbecken steht. “Parodos” hat Suchtcharakter, wie ein Glas Nutella, wobei die Songs nicht immer klebrig süß im Gehörgang festsitzen, sondern auch mal mit voller Wucht und schonungsloser Realität wie bei “Two Beasts” ins Gesicht schlagen können.

Es entstehen Hymnen, die sich nicht nur im seichten Indie-Kosmos bewegen, sondern auch einen Schlenker Richtung Progressive-Galaxie machen und den Kopf ordentlich klingeln lassen. Abschließend wird in “My Fortune” all das auf den Punkt gebracht, was “Parodos” ausmacht. Töne die sich in überschwänglich euphorische Dopamin-Ausschütter verwandeln und am Ende an das Gute glauben lassen.  Wer bei der Stimme von Clemens Kluck nicht an Chris Martin denkt, hat vermutlich damals nicht zu “Yellow” in der Indie-Disco geknutscht. Nun wird zu “Parodos” geknutscht, den Rest des Jahres! (ms)

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