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Chetroom

Am 4. Mai beehrte Chet Faker das Uebel & Gefährlich und da begibt man sich an einem Sonntagabend liebend gern dorthin. Das kürzlich erschienene Debutalbum „Built on Glass“ im Köcher war der Auftritt in Hamburg einer von vier Terminen des Australiers in Deutschland.

Schon allein die Stimme mit der unverwechselbaren Mischung aus unglaublicher Entspanntheit und tiefem Leiden/Empfinden, die vielleicht gerade deshalb etwas Warmes und Tröstendes hat, sorgt für Spannung im Vorfeld. Was würde der Typ mit dem prägnantesten Bart des „Fünften Kontinents“ wohl live aus seinem ziemlich vielseitigen Repertoire machen? Da ist zum Einen die EP „Thinking In Textures“, auf der er zwischen Hip Hop, Jazz und Soul seinen lässigen Style ersampelt. Und die Musik der „Live Sessions“ mit den warmen Klängen einer kleinen Band im mit Teppich ausgelegten, wohligen Proberaum, bei der Chets Stimme zu Hochform aufläuft.

In eine andere Richtung geht die Zusammenarbeit mit Flume auf dessen selbstbenanntem Debut und bei der „Lockjaw EP“ : Experimentierfreudige elektronische Musik vielleicht, wenn man denn einen Namen vergeben will. Festlegungen sind jedenfalls nicht Chets Sache. Und das setzt sich auch auf „Built on Glass“ fort.

Bei Betreten des Ballsaals spielt schon der Support Luka ‡, allerdings so leise, dass mit dem Geräuschpegel der wartenden Meute anfangs gar nicht klar ist, dass da schon jemand auf der Bühne ist. Analog zur Lässigkeit seiner Stimme braucht Nicholas Murphy alias Chet Faker dann noch die ein oder andere Minute, bis er sich ans Mikrofon hinter den Sampler stellt und mit „Cigarettes & Loneliness“ von „Built on Glass“ das Spektakel eröffnet. Das bringt die Leute in wenn auch verhaltene Bewegung, wobei hier wie auch den gesamten Abend ausgelassenes Tanzen nicht wirklich angesagt ist. Dafür ist wohl auch kaum jemand gekommen – es ist eher ein Dazwischen. Nicht festgelegt oder zwingend eben.

Überraschend beweglich tobt Chet Faker anfangs zwischen den Samplern hin und her, und hält nur inne, wenn er zum Singen ansetzt. Und ja, die Stimme hats wirklich in sich, dringt sehr präsent auch durch die manchmal fast frickeligen Partien einiger Stücke.

Was ein wenig vermisst wird, ist die warme Intensität und Intimität der „Live Sessions“. Dafür macht er live noch viel deutlicher, dass  die Reminiszenz an Chet Baker neben einer netten Wortspielerei Ausdruck einer Liebe zur Improvisation und zum Stilbruch des Jazz ist: Bei „Rev“ reizt er den Intro-Loop genüsslich aus und es gibt kaum ein Stück, bei dem er die Möglichkeiten des Samplings nicht nutzt, um hinzuzufügen, abzuwandeln, auszulassen, auszubauen. Bei „No diggity“, dem auf youtube veröffentlichten Blackstreet-Cover, das ihn 2011 schlagartig zu einem bekannten Geheimtipp machte, sind dann sogar ein paar Arme in der Luft. Aber nicht festlegen: Also erlebt man bei der Zugabe wieder einen Chet, diesmal am Keyboard, der scheinbar ganz in sich versunken Inneres nach Außen kehrt. Mehr davon! (jb)



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