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Interview: Findus

Findus (C) Daniel EckardtAm 10. Oktober spielen Findus im Knust. Das wird kein gewöhnliches Konzert, sondern ein Erlebnis. Gäste auf der Bühne, Freunde davor und anschließend wird gefeiert. Unter anderem der Fairverkauf. Mitte September trafen wir uns mit Sänger Lüam, um über das bevorstehende Konzert, Politik und Vodka zu reden.

Das Label Audiolith Records hat euch vor einiger Zeit als „norddeutsch, kühn, laut, liebenswürdig und elegant“ bezeichnet. Was davon trifft tatsächlich auf euch zu?
Norddeutsch sind wir schon, dass finde ich aber eigentlich unwichtig. Herkunft wird immer so wichtig genommen bei Bands, ist es aber für mich persönlich nicht. Der Rest trifft eigentlich schon ganz gut auf uns zu. Audiolith, die kennen uns ja auch. Es gibt  Band-Mitglieder, die sind sehr laut, aber es gibt auch welche, die sind etwas ruhiger und charmanter. Aber die Mischung passt schon ganz gut.

Wer ist denn bei euch der eleganteste?
Stephan, der Bassist, ist der eleganteste von uns. Er ist immer eher ein bisschen zu leise und generell nie zu laut! Auch optisch ist er sehr elegant und stilsicher.

Eure Texte sind geladen mit gesellschaftspolitischer Kritik und Emotionen. Entstehen eure Songs aus dem Bauch hinaus? Wie sieht euer Schaffungsprozess aus?
Die Musik schreiben wir eigentlich zusammen im Proberaum, wie man sich das so vorstellt. Teilweise hat auch einer von uns konkrete Ideen, die dann eingebracht werden. Die Texte schreibe ich oft alleine. Manchmal im Proberaum, manchmal zuhause. Oft schreibe ich auch auf Reisen. Wenn ich versuche einen konkreten Adressaten anzusprechen, dann macht mir das oft Probleme. Ich finde es generell, auch im Alltag,  schwierig Leuten zu sagen was sie zu tun und lassen haben. So ist das bei unseren Texten auch. Es sind eher persönliche Gefühle, die ich versuche mit Bildern zu verdeutlichen.‘

Wenn ihr für einen Tag über Hamburg regieren könntet, was würdet ihr verändern?
Das ist schwierig, weil ich nicht sonderlich viel von Regierungsformen halte. Ich finde es immer problematisch, wenn wenige Leute über viele Leute bestimmen sollen. Ein Gegenkonzept hätte ich jedoch auch nicht parat. In der Lokalpolitik wirkt sich das nochmal krasser aus und es ist für Regierungen einfacher, etwas durchzusetzen. Was mich persönlich sehr betroffen gemacht hat, war die Flüchtlings-Affäre, die ja auch medial sehr präsent war. Wie schlecht die Lampedusa-Flüchtlinge in Hamburg aufgenommen wurden hat mich sehr getroffen und auch wütend gemacht. Ich hätte mir gewünscht, dass ein menschlicherer Umgang mit den Flüchtlingen stattgefunden hätte.

Und natürlich auch das Kultur-Ding! Viele Freunde arbeiten in Clubs und auch wir, als Band sind auf Clubs angewiesen. Ich wüsste nicht, was ich jetzt konkret ändern würde und würde es mir auch nicht zutrauen, für eine ganze Stadt zu entscheiden. Ich würde mir wünschen, dass man Hamburg nicht nur durch Prestige-Objekte, wie z.B. die Elbphilharmonie bekannt zu machen versucht. Auch die abwechslungsreiche Club- und Theaterkultur könnte ein Aushängeschild für die Stadt sein.Wenn ich regieren würde, würde ich die Vielfalt in Hamburg stärken und auch sonst alles besser machen (lacht).

In eurem Song „Nachtwache“ singt ihr: „Momente, nicht Zeiten“. Was waren dieses Jahr eure ganz persönlichen Momente, von denen ihr in ein paar Jahren euren Kindern erzählen werdet?
Das waren viele! Es fing mit dem 8. Februar an. An dem Tag haben wir mit Turbostaat im SO36 gespielt und das war etwas ganz besonderes für uns alle. Früher, als ich noch bunte Haare hatte und auf dem Dorf gelebt habe, da hatte ich schon von dem Club gehört. Zu irgendeiner US Hardcore-Band bin ich dann auch mal hingefahren. Dann natürlich unser Album-Release in der Hanseplatte. Es war echt super voll und es war auch schön, einmal nur das neue Album durchzuspielen.

Natürlich waren auch die Festivals etwas ganz besonderes. Vom „Stemwede Open Air“ bis zum „Hurricane Festival“/“Highfield Festival“ waren da echt super Sachen dabei. Bei letzteren hätten wir natürlich gerne gesagt: „Ach, das ist ja im Endeffekt auch nichts besonderes.“ War es aber für uns! Auf dem Highfield zum Beispiel haben wir um 18 Uhr gespielt und der Platz war echt gut gefüllt. Es waren sogar Leute da, die mitgesungen haben. Man hatte da richtig Spaß und wir haben uns nicht gefühlt, als wären wir fehl am Platz. Dieses Jahr alleine war schon so gut, dass alles, was jetzt noch kommt „Bonus“ ist für mich.

Du hast eben schon kurz eure Festival-Tour angesprochen. Wie sieht das mit der Musik im Tourbus aus? Hört ihr gemeinsam Musik, habt ihr einen gemeinsamen Nenner?
Wir hören tatsächlich immer gemeinsam Musik und regen uns auch immer gegenseitig über die Musik auf, die die anderen mitbringen. Oder wir feiern sie halt! Dieses Jahr lief u.A. Arcade Fire, The National und Marteria öfter im Tourbus. Ich versuche auch manchmal Hip-Hop einzubringen, wie z.B. Action Bronson. Wir sind eigentlich recht offen und hören uns vieles an, aber so Sachen wie Cro würden bei uns nie laufen. Ich weiß nicht einmal genau, wo dran das liegt. Wir haben mittlerweile aber den Versuch aufgegeben, einen gemeinsamen musikalischen Nenner zu finden.

Am 10.10 werdet ihr auch endlich ein reguläres Konzert in Hamburg spielen. Wie entstand die Idee, für dieses Konzert Gast-Musiker mit ins Boot zu holen
Wir finden ein paar Sachen ziemlich langweilig. Zum Beispiel, wenn wir uns immer wieder Wiederholen. Wir sind auch nicht die innovativste Band, bei der jedes Konzert anders klingt. Wir sind halt eine klassische Rock/Punk-Band, die Bock hat auf energische, geradlinige Konzerte. Wenn wir jedoch Bands sehen, wie Arcade Fire oder Feist, dann beeindruckt uns das auch. Das sind einfach Bands, die auf der Bühne stehen und gemeinsam musizieren. Jedes Stück klingt anders, als man es von der Platte kennt, und es wird trotzdem nicht langweilig oder zu experimentell. Findus wird weiterhin aus fünf Leuten bestehen und es ist keine Option, sich dauerhaft zusätzliche Musiker mit ins Boot zu holen, aber am 10.10 ist es das Knust und es ist halt auch Hamburg. Mittlerweile proben wir seit zwei Monaten nur für das Konzert im Knust. Es fühlt sich ein bisschen an, als würden wir eine Platte machen…nur ohne Platte.

Seit eurer allerersten Platte, veröffentlicht ihr auf dem „Delikatess Tonträger“. Wie kam es dazu?
Fred (Gründer „Delikatess Tonträger“) kenn’ ich schon seit einer halben Ewigkeit. Wir kommen aus demselben Dorf und schon zu unserer Schulzeit hat er angefangen, Konzerte zu veranstalten. Dann ist er irgendwann nach Hamburg gegangen und hat eine Ausbildung beim Molotow begonnen. Als wir dann unser erstes Album aufgenommen haben, hatte Fred die Idee, dass wir die Platte gemeinsam herausbringen könnten. Der „Label-Gedanke“ stand damals noch nicht im Raum. Hilfe hat Fred bei der Veröffentlichung dann von Lars Lewerenz (Gründer Audiolith) erhalten und so entstand auch diese Kollaboration. Nach und nach kamen dann immer mehr befreundete Bands, wie Frau Potz oder Herrenmagazin, hinzu, deren Platten Fred veröffentlicht hat. Und so entstand dann Delikatess Tonträger.

Audiolith ist ja auch für euer Booking zuständig und bekannt für die Trinkfreudigkeit der Mitarbeiter und Künstler. Welches Getränk wäre eigentlich Findus?

Ich würde ganz banal „Vodka“ sagen. Das ist jetzt eine schlechte Erklärung, aber „Vodka geht halt immer“. Wobei es ja eigentlich auch nicht cool ist, immer in Ordnung zu sein. Wir sind aber auch ein bisschen „Bier“. Ja, ein „Vodka“ und ein „Bier“ – das ist Findus.

(hw/de)

 


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