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Hedonismus zwischen den Jahren – Interview mit Jaya The Cat

Da kommt er angeschlurft, Geoff Lagadec, der Frontmann und Kopf von Jaya The Cat. Beanie-Mütze, Sonnenbrille, eine Menge grauer Bart, mehr sieht man vom Gesicht nicht – aber es reicht um zu sehen, dass er gut gelaunt und entspannt ist. In der linken Hand eine Astra-Knolle, die rechte streckt er mir hin und eröffnet mit der typisch amerikanischen Grußformel „Hey man, I’m Geoff, pleased to meet you, how’re you doing?“. Sehr gut geht’s mir, denn auf dieses Interview war ich schon lange gespannt. Hauptsächlich darauf, was dieser Geoff (spricht man übrigens wie Jeff) für ein Mensch ist, hinter dieser coolen und leicht fertigen Fassade des Reggae-Rock-Hedonisten.

_Jaya-the-Cat_RebelRelic_Tomek-Whitfield_002-dersu-awesomeEs ist halb sieben am 30. Dezember 2014, die Band hat gerade den Soundcheck beendet und ist schon fast auf dem Sprung zum Abendessen, bevor sie um 22 Uhr dann wieder „More Christmans Drinking With Jaya The Cat“ zelebrieren werden. Wir setzen uns in ein ruhiges Eck im Knust-Foyer und Geoff legt die Sonnenbrille ab. (An den Augen sieht man, dass er viel jünger ist als der graue Rauschebart vermuten lässt.)

Hey Geoff, toll dass du dir noch die Zeit nimmst, obwohl ihr eigentlich schon zum Lokal aufbrechen wollt. Ich hoffe du bist nicht kurz vorm Verhungern?

(grinst) Nein nein keine Sorge, alles gut. (nimmt einen Schluck aus der Knolle)

Das ist der fünfte Abend in Folge der „More Christmas Drinking …“ Tour – wie fühlst du dich so?

Ach ziemlich okay. Etwas müde, aber ansonsten bestens.

Waren die vorigen Shows auch alle ausverkauft?

Ja, ich glaube schon.

Werdet Ihr nächstes Jahr dann in größeren Clubs spielen?

Keine Ahnung, klar schön wäre es vielleicht, aber andererseits ist das hier schon ein sehr cooler Club. Aber sowas musst du unsere Bookingleute fragen.

Wie kamt ihr eigentlich auf die Idee dieser 5-Tage-Tour zwischen den Jahren und „More Christmas Drinking …“?

Also auf den Namen kam unser Manager einfach so. Und wir mögen den Anlass und den Zeitraum der Tour, weil es diese schöne ruhige Zeit des Jahres ist, zu der alle bei ihren Familien sind und jeder zeigt sich für einige Tage von seiner besten Seite – und dann ist da aber der Abend unserer Show wo man auch mal für ein paar Stunden ordentlich feiern und sich gehen lassen kann. Außerdem ist natürlich auch sonst veranstaltungstechnisch nichts los in diesen Tagen und die meisten arbeiten nicht, von daher haben diese Shows kaum Konkurrenz.

Du hast diese Band ja 1998 in den USA gegründet, wo ihr einen verhaltenen Erfolg hauptsächlich an der Westküste hattet, aber richtig steil aufwärts ging es für Jaya The Cat dann in Europa. Hast du eine Ahnung warum? Ist vielleicht hier das Publikum empfänglicher für euren Sound?

Nein, es ist wohl eher so, dass wir einfach über die Zeit musikalisch viel besser geworden waren. Ich meine, am Anfang konnte ich echt beschissen mit meiner Gitarre umgehen. (lacht) Wir hatten einfach angefangen Musik zu machen, aber ich konnte noch nichtmal richtig spielen. Nach und nach waren wir alle ernsthafter bei der Sache und mittlerweile glaube ich, dass wir ganz ordentliche Shows abliefern.

Wieso habt ihr euch eigentlich dazu entschlossen nach Amsterdam zu ziehen? [Anm. der Redaktion: Nur Geoff und Drummer David sind nach dem „First Beer Of A New Day“-Album von ihrer Heimat USA nach Holland gezogen.]

Das war gar kein Entschluss, wir haben es einfach getan.

Aber das ist ja schon ein ziemlicher Schritt, auf einen anderen Kontinent zu ziehen, das macht man ja nicht ohne irgendeinen Anlass.

Naja, es war wirklich nicht Geplantes, es hat sich so ergeben: Wir hatten eine Europa-Tour geplant, aber da verließen plötzlich einige unserer Leute die Band. Wir wollten die Tour schon absagen, da boten sich ein paar befreundete Musiker aus Holland an, die wir auf einer früheren Tour kennengelernt hatten, einzuspringen. Und wir sagten uns, okay scheiß drauf, das wird ein lustiger Sommer. So kamen David und ich rüber und sind dann einfach geblieben.

Okay, also war auch die Stadtwahl ein Zufall? Ich dachte, die Stadt der Coffee-Shops und der entspannten Leute ist vielleicht erste Wahl für jemanden wie dich, der einen hedonistischen Lebensstil proklamiert.

(lacht und winkt ab) Ach waaas Drogen kriegst du doch überall und ich sag dir eines: Ich feiere in Hamburg härter als in Amsterdam.

Du erwähnst ja die Reeperbahn in zwei oder drei Songs. Ist das dein liebstes Ausgehrevier?

Es ist einfach so, dass ich mittlerweile ziemlich viel von Hamburg kenne und zu St. Pauli eine gewisse Verbindung habe. Wir haben früher schon im Headcrash gespielt und dort die Straße runter wohnt ein Freund von mir bei dem ich immer übernachte wenn ich in Hamburg bin. So wie jetzt auch wieder. Meine Band fährt morgen wieder nach Hause, aber ich bleibe noch bei ihm über Silvester und feiere bis zur Besinnungslosigkeit. (verfällt in ein verschmitztes, vielsagendes Lachen)

Eine super Überleitung hast du da geschaffen, denn ich wollte gern wissen: Das Thema Hedonismus scheint ja ein großes für dich zu sein. In deinen Texten geht es um Parties, Drogentrips und eine allgemein entspannte, unangepasste Lebenseinstellung. Und euer letztes Album hieß auch ganz explizit „The New International Sound of Hedonism“. Ist das nur cool oder ist das Konzept des Hedonismus tatsächlich deine Lebensphilosophie?

Oh absolut, ja, es ist definitiv ein Ethos. Ich sehe das so: Man sollte nicht einfach auf alles scheißen und sich aufs Drogennehmen konzentrieren ungeachtet ob es andere mitbetrifft, Freunde oder so. Und man sollte auch nicht nur auf sich schauen und andere ausnutzen. Das wäre die eine Sichtweise auf einen hedonistischen Lebensstil, aber für mich heißt es: Sei nett zu Leuten, während du dir dein Leben so schön wie möglich machst und tu dies nicht auf Kosten der Menschen um dich herum. Also sowas wie abgemilderter Hedonismus, verstehst du?

Ihr seid zwar keine politische Band, aber in manchen Songtexten scheint durch, dass du nicht glücklich mit der Welt bist wie sie ist hinsichtlich Karriereversessenheit, Konsumwahn und all dem …

Ist vielleicht irgendwer damit glücklich?

Naja vermutlich schon einige Menschen, denn sonst wäre ja nicht alles wie es ist, oder?

(in resigniertem Tonfall) Hm, vermutlich.

Ich denke zum Beispiel an euren Song „One Way Ticket Home“ vom Hedonism-Album, in dem du beschreibst wie du nach einer durchfeierten Nacht morgens um 6:50 im Zug sitzt und all die Anzugträger um dich herum siehst, die auf ihre Handys starren und du glücklich bist keiner von ihnen zu sein.

Jaja ganz genau. Also, ich verurteile niemanden der sich für diesen Lebensstil entscheidet, jeder macht halt sein Ding und ich meine, für manche ist das Anhäufen von viel Geld vielleicht auch eine Form des Hedonismus. Hey, ich hänge lieber mit Leuten ab und nehme Drogen als nen Anzug anzuziehen und ins Büro zu gehen. Was mein exzessiver Lebensstil im Langzeiteffekt mit mir macht weiß ich nicht, aber diese tägliche Mühle im Business mit all dem Stress und Druck, das kann, denke ich, auch öfter schmerzhaft und schädlich sein. Und was dieses Streben nach immer mehr Geld und Anerkennung mit der Seele macht, das frage ich mich. Das muss doch auch seinen Preis haben.

Wie sieht es denn mit eurer eigenen Arbeitsmoral aus? Das letzte Album war 2012, wie steht es um das Nächste?

Das ist in Arbeit! Wir sind mitten im Schreiben und Aufnehmen. Es wird – hoffentlich – im Laufe des nächsten Jahres herauskommen, aber das bleibt noch abzuwarten. Weißt du wir setzen uns nicht unter Druck, sonst klappt es nicht.

Kannst du ein bisschen was verraten? Wie wird es klingen? Irgendwelche Überraschungen?

Aaaach es wird auf jeden Fall ein Jaya The Cat Album. Wir haben uns ja mit jedem Album ein bisschen entwickelt, zum Beispiel war beim letzten mehr Elektronik und Dancehall-Sound im Gegensatz zu früher, wo es Ska Punk-lastiger war. Aber ich finde es immer total blöd wenn Bands ihren Stil komplett ändern, dann können sie auch gleich ihren Scheiß Namen ändern und ne neue Band starten. An dem Tage wo ich auf der Bühne nicht mehr ganz alte Songs mit ganz neuen Songs mischen kann, weil es nicht mehr zusammenpasst, habe ich was falsch gemacht. Versteht du was ich meine? Also lasst euch einfach überraschen! (lacht)

Alles klar Geoff, vielen Dank für deine Zeit und dann einen guten Appetit erstmal. Ich freue mich auf die Show nachher.

Cool, danke dir ebenso und einen guten Rutsch wünsche ich allen!

Interview: Dominik Stelp



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