turbostaatAm 2. April und damit am kommenden Samstag ist es endlich so weit. Turbostaat spielen erneut in Hamburg. Die mighty Turbostaat, die wunderbaren Turbostaat. Mit ihrem aktuellen “Abalonia”-Album kommen sie in die Markthalle und wer nicht die Ausrede Cornell hat, der wird sich den Leib aus der Seele feiern.

Wir trafen Gitarrist Rollo Santos, als er mit seiner Kapelle Ende Januar im Hafenklang Station machte.

Was war euch dieses Mal musikalisch besonders wichtig?
Wir wollten auch instrumental erzählerischer werden. Normalerweise sind Lieder nach Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Zwischenteil – Refrain – Schluss aufgebaut, eben nach diesem Beatles-Rezept und wie fast jedes Lied funktioniert. Wir wollten das bei dieser Platte anders machen. Einmal, um es für uns selbst interessant zu halten. Und einmal, um Martens eher erzählendem Schreibstil der Texte ein bisschen nachzukommen. Das erste Lied zum Beispiel, “Ruperts Grün”, fängt eigentlich wie ein klassisches Turbostaat-Lied an, mit lauter Strophe, leiser Strophe mit Gesang, dann kommt der Refrain. Am Schluss aber haben wir das ganze Lied gebrochen, einen langen elegischen Teil gemacht, es geht runter, nimmt langsam Fahrt und gibt am Ende noch mal richtig Stoff. Und so was hat uns bei der Platte sehr viel Spaß gemacht.

Das geht natürlich nicht bei jedem Song, aber man merkt schnell im Proberaum, wann es zu schade wäre, bei der klassischen Liedformel zu bleiben, und es sich lohnen würde, ein bisschen mehr Mühe und Grips reinzustecken. Nimm zum Beispiel “Wolter”. Das Lied besteht ja eigentlich aus drei Teilen. Das fängt mit zwei Minuten Intro an, dann hast du einen Liedteil mit Strophe und Refrain und dann ein Outro in einer anderen Geschwindigkeit. Da dachte ich mir vorher, dass der Liedteil nicht alles gewesen sein kann, da müsste doch ein geiles, lange Intro davor. Wir wurden in den 1990ern musikalisch sozialisiert, mit dem, was damals Emo hieß, und da war es Gang und Gäbe, dass die Bands mal vier Minuten nicht gesungen, sondern leise auf zwei Tönen rumgedangelt haben. Und das fanden wir voll super. Und das haben wir da eben auch gemacht und so mit dem Intro vor einem der poppigsten Lieder, das wir in unserem Leben gemacht haben, eigentlich die Single versaut.

Müsst ihr euch oder wollt ihr euch trotzdem in musikalischen Grenzen bewegen?
Das wollen wir. Wir haben unsere Grenzen dieses Mal aber ganz schön ausgelotet. So ein Lied wie “Eisenmann” hätten wir auf unserem letzten Album noch nicht machen können. Es wurden Sachen durchgewunken, die es früher nicht mal aus dem Proberaum geschafft hätten. Das war aber gar kein bewusster Schritt. Marten ist so ein Erneuerer, der sich gar nicht mit alten Sachen beschäftigt, da muss immer alles neu und anders sein. Und ich bin eher der Traditionalist in der Band und mir gefällt auch immer die Musik, die wir gemacht haben. Moses sagt immer, dass es total gut ist, dass wir diese beiden Kräfte in der Band haben. Einer der nach vorne sieht und einer, der so ein bisschen die Geschmackspolizei ist und sagt, was uns nicht steht.

Denn das kennt doch jeder, wenn die Band, die man liebt, von sich selbst gelangweilt ist und dann was völlig anderes macht, und man sich fragt, ob die bescheuert sind. Was denkt ihr, wer ihr seid? Es spielt sich bei uns schon alles in einem Rahmen ab. Wobei wir bei dieser Platte auch festgestellt haben, dass es nicht ganz egal ist, aber die Band kann instrumental schon ganz schön viel vorlegen – wenn Jan drauf singt, ist es Turbostaat. Da kann man dann auch mal so triphoppige Strophen haben wie in “Eisenmann” haben, wenn Jan dann drüber schimpft, weiß jeder, was Sache ist.

Wie würdest du “Abalonia” mit einem Wort oder einem Satz beschreiben?
Es ist das Album mit der größten Weite. Dazu passt eigentlich das Cover ganz gut, das sind ja wir, die in Husum auf einer Lahn stehen und um uns herum ist das Watt.

Für mich ist es das seltsamste Album. Ich hab zum Beispiel beim Einkaufen euer Album gehört und musste bei “Der Wels” plötzlich mit dem Kopf wippen und auf den Einkaufswagen klopfen, ohne eigentlich zu wissen, warum gerade jetzt.
“Der Wels” ist auch ein total gutes Beispiel für das, worüber wir eben gesprochen haben. Das ist ein Lied, das wir früher nie so gemacht hätten. Das hat diesen Basslauf, den muss man lernen zu mögen. Der Song war eigentlich nicht für die Platte bestimmt und war noch viel kürzer. Aber Moses fand ihn so toll und meinte, es wäre schade, ihn nicht zu nehmen, wir sollen doch noch eine Strophe machen und den Refrain wiederholen. Der Song untermalt auch noch mal, dass “Abalonia” kein Konzeptalbum ist, denn er hat mit der Geschichte, die nachher entstanden ist, überhaupt nichts zu tun. Der Text ist der letzte, der entstanden ist, und er ist tatsächlich explizit auf die Pegida-Scheiße bezogen, der hat mit dem von außen aufgestülpten Konzept nichts zu tun.

Interview: Mathias Frank

Das vollständige Interview gibt’s bei Gaesteliste.de

Share.

Leave A Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.