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Auf Zeitreise mit dem Weltempfänger 3.0

Zu welchen Melodien haben unsere Vorfahren eigentlich 1960 in den Hamburger Lokalen getanzt? Schauen wir mal. Ein Klick in der Weltkarte auf „Germany“, Dekade „1960“, als Stil nehmen wir mal „Fast“. Now playing: „Diana“ von Conny Froboess. Mal weiter skippen. Es folgt Caterina Valente mit „Itsi Bitsi Teenie Weenie Honolulu Strandbikini“. Und was hörten die Leute in .. hmmm.. England zu der Zeit? Klick auf UK in der Weltkarte. Now playing: The Beatles „Revolution 1“ vom weißen Album. Der Punkt geht an die Briten. Jetzt mache ich mal etwas ganz Verrücktes: die 1920er! In Russland! Lidia Ruslanova quäkt unter heftigem Schellack-Gekratze „Shutochnie Pripevki“. Verrückt. Ich könnte ewig so weiter machen, aber ich sollte eigentlich arbeiten. Das macht aber sowas von schnell süchtig!

radiooooo_screenDie Rede ist von radiooooo.com, einer recht neuen und innovativen Webradio-Platform. Das hat mit Hamburgs Konzertszene zwar rein gar nichts zu tun – denn der Laden sitzt in Paris – ist aber eine so schöne Idee, dass wir es euch trotzdem einmal vorstellen wollten. Leute zu inspirieren ist ja schließlich auch eines unserer Anliegen. Das Konzept ist einfach: Mit radiooooo.com soll es möglich gemacht werden, spontan die Musik einer bestimmten Ära eines bestimmten Landes anhören zu können. Mrginal beeinflussbar durch die Attribute „Slow“, „Fast“ und „Weird“, aber ansonsten ziemlich zufallsbasiert. Die Idee kam einem der Gründer, als er in einem Oldtimer saß, das UKW-Radio einschaltete und prompt moderne Techno-Musik den alten Wagen akustisch schändete. Zugegeben, sein Webradio hätte ihm in dem Augenblick auch nicht weitergeholfen, aber das Konzept funktioniert davon abgesehen schon sehr anständig.

Realisiert wird es durch kreatives Crowdsourcing: Jeder registrierte User ist eingeladen, Songs, die in seinem Land in einer bestimmten Dekade angesagt oder einfach stilprägend waren, per Upload an das Redaktionsteam zu übermitteln. Dort entscheidet man dann, ob der Song online gestellt wird oder nicht. Dies dient der Qualitätssicherung und ist einhundert Prozent subjektiv, sagt Anne-Claire Troubat, CEO der Radioplattform. Wir haben ihr ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt, die sich uns spontan aufdrängten.

Ist es für die User denn hunderprozentig legal?
„Ja, ist es. Wir arbeiten seit Anbeginn mit Urheberrechts-Verwaltungsfirmen zusammen und sind dadurch abgesichert. Auch den Usern droht keine Gefahr.“

Wie viele Songs bekommt ihr denn ständig vorgeschlagen von Usern?
Zwischen 500 und 1000 Songvorschläge täglich.

Das klingt nach einem Fulltime-Job. Könnt ihr davon leben?
„Es ist in der Tat ein 24/7-Job und wir haben das Glück, dass wir von Anfang an von Business-Angels unterstützt wurden, die wie wir daran glauben, dass das Internet wunderbare Möglichkeiten bieten, die Musikwelt ein Stückchen besser zu machen.“

Der „Buy“ Button führt direkt zum iTunes Store. Seid ihr in irgendeiner Weise finanziert von Apple?
„Nein wir sind ganz und gar unabhängig. Lediglich Songs, die auch tatsächlich im iTunes-Store erhältlich sind, verlinken wir dorthin. Kauft ein User den Song, bekommen wir einen einstelligen Prozentsatz als Provision.“

Neben der konkreten Anwahl von Land und Epoche, kann man auch in den Weiten der Ozeankarten auf auf die Suche nach mehr oder weniger versteckten Eastereggs gehen. Da sind zum Beispiel die Fantasiedestinationen „Lazy Island“ und „Neverland“. Dort warten stimmungs- oder themenbezogene Playlists. Im „Taxi Modus“ kann man sich musikalisch durch die Weltgeschichte karren lassen, indem man mehrere Wunschländer auswählt sowie mehere Epochen und los geht die Reise durch Zeit und Raum. Diese „Taxiroute“ kann man dann mit anderen Usern teilen. So kann man durchaus mal eine Mittagspause verdaddeln. Oder gleich den gesamten Feierabend. Gern geschen. (df)


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