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Primavera Sound 2016 revisited

Primavera2016_CN_001Seit einer guten Woche sind die Tore zum Parc del Forum in Barcelona nun wieder geschlossen. Das Primavera Sound 2016 ist Geschichte und auf dem Veranstaltungsgelände direkt am Meer kehrt wieder Ruhe ein. Auch 2016 versammelten sich hier erneut weit über 100.000 Menschen, wobei die tatsächliche Besucherzahl des Primavera Sound noch deutlich höher liegt. Das liegt daran, dass das Festival schon längst nicht mehr nur an den offiziellen drei Tagen auf dem Parc del Forum-Gelände stattfindet, sondern vorher, nachher und während des Festivals auch außerhalb des Geländes, über den Zeitraum einer ganzen Woche, Konzerte stattfinden. So begann der Veranstaltungsreigen also bereits am Montag, dem 30. Mai und endete Sonntag in der Nacht zum Montag, am 6. Juni früh morgens.

Das Primavera Sound wird mittlerweile regelmäßig zu einem der besten Festivals der Welt gewählt und das spricht sich natürlich rum. Primavera2016_CN_008_SuedeSo gab es in diesem Jahr die „Ausverkauft“-Meldung auch deutlich früher, als dies in der Vergangenheit geschehen ist. Das lag mit Sicherheit auch am – selbst für Primavera-Verhältnisse – hochkarätigen LineUp, angeführt natürlich von Radiohead, aber auch anderen großen Namen, wie LCD Soundsystem, die ihr Europa-Comeback feierten, Tame Impala, PJ Harvey oder einem sichtlich angeschlagenen Brian Wilson, der zum 50jährigen Jubiläum, wie es heißt zum letzten Mal, „Pet Sounds“ von den Beach Boys auf die Bühne brachte.

Eher seltene Gäste, wie die Last Shadow Puppets von Arctic Monkey‘ Alex Turner und Primavera2016_CN_002Miles Kane, gleich zwei Performances von Suede, zahlreiche Nachwuchsbands aus aller Welt, elektronisches von Moderat und Pantha du Prince, oder besondere Konzerte auf der Hidden Stage von Peaches, Lee Ranaldo, Cat’s Eyes oder Lush, dazu der neu geschaffene Beach Club-Bereich, der dem Festival immerhin auch ein wenig sonst vermisste Ruhe- und Grünfläche liefert, mit zahlreichen DJs aus aller Welt, rundeten das Bild auf den insgesamt 10 Bühnen erneut zu einem fast perfekten Festival ab.

Tatsächlich gibt es innerhalb dieser einen Woche weit über 300 Konzerte und zählt man die Bühnen in der Stadt und in den Clubs hinzu, summiert es sich auf 19 Bühnen. Da muss man erst einmal den Überblick halten, zumal es durchaus Unterschiede gibt: Die Open Air – Konzerte in Barcelonas Innenstadt sind allesamt umsonst und offen für jeden Besucher. Auch in den Clubs Sala Apolo oder Sala Barts gab es die Woche über Shows, hier allerdings nur für Besucher mit Festivalticket – oder sogar mit Extrazugängen, zum Beispiel bei der Clubshow von LCD Soundsystem am Dienstag Abend im Sala Apolo, für die man sich vorab registrieren musste und nach „First come, first serve“-Regelung ein Ticket online ergattern konnte.

Primavera2016_CN_006_ReservationEine ähnliche Regelung gilt für die Heineken Hidden Stage auf dem Parc del Forum-Gelände, die das heimliche Highlight des Festivals ist: In einem Parkdeck untergebracht, ist der Bereich mit zahlreichen Büschen geschmückt, schön illuminiert und mit Vogelgezwitscher untermalt. Um einer der etwa 600 Gäste für die Shows der dort auftretenden Künstler wie Sonic Youths Lee Ranaldo, Peaches, den wiedervereinten Lush oder das The Horrors-Seitenprojekt Cat’s Eyes sein zu können, benötigt man ‚Reservation Tickets‘, die man nur am Veranstaltungstag auf dem Gelände bekommen kann, wenn man denn schnell genug ist. Meistens waren diese Tickets innerhalb kurzer Zeit natürlich vergriffen.

Doch auch ohne diesen Zugang gibt es unendlich viel zu entdecken und es ist unmöglich, alle Highlights und Eindrücke aufzuzählen, da die Palette an tollen Konzerten so riesig ist. Man merkt oft auch den Künstlern an, wie beliebt dieses Festival ist, was sich z.B. in zahlreichen Ansagen wiederspiegelt, oder daran, dass Bands auch mehrfach spielen: Primavera2016_CN_004_LCDSuede zB spielten am Mittwoch Abend (dem Gratis-Tag auf dem Gelände) ein imposantes Best of – Set, um am Tag darauf in der Auditori Rockdelux Indoor-Bühne ihr „Nite Thoughts“-Filmprojekt vorzustellen, LCD Soundsystem spielten im etwa Große Freiheit-großen Club Sala Barts und auf einer der beiden Hauptbühnen, zahlreiche kleinere Bands spielten gleich mehrfach, nämlich auf den Bühnen des Festivalgeländes oder tagsüber in der Innenstadt.

Primavera2016_CN_003_LushManchmal ist die Logik des Primavera ein wenig unverständlich: Dass zB die wiedervereinten Lush ausschliesslich vor 600 Menschen auf der Hidden Stage spielen, verwundert doch ein wenig und auch ein Relikt wie Mudhoney spielt hier nicht etwa vor imposanter Abendkulisse, sondern am Sonntag Nachmittag, mitten in Barcelonas Altstadt. Aber so bleibt auf diesem riesigen Festival eben auch noch Platz für die besonderen Momente.

Von denen gab es zweifellos aber auch sonst einige: PJ Harvey stellte die Songs ihres neuen Albums „The Hope Six Demolition Project“ in den Mittelpunkt, brachte aber auch alte Hits wie „50ft Queenie“ oder „Down by the Water“ und spielte dazu Saxophon. Thee Oh Sees kamen mit zwei Drummern auf die Bühne, die das ganze Set -wirklich exakt- synchron spielten, Air konnten mit einem tollen, komplett live gespielten, Set begeistern, Sigur Ros spielten erstmalig neues Material, Rapper Action Bronson dafür ein Phil Collins-Medley, The James Hunter Six verwandelten die Fläche vor ihrer Bühne in eine große Tanzfläche und Daughter lehrten ein paar tausend Besuchern fast absolute Stille, während TPrimavera2016_CN_005_Konfettiregename Impala den großen Platz vor ihrer Bühne gleich mehrfach in Unmengen von, im blauen Abendhimmel flirrenden, Konfetti tauchten und sich den Spaß erlaubten, ihren Song „Eventually“ nach einer technischen Panne und einer etwa 10minütigen Unterbrechung an exakt der gleichen Stelle weiter zu spielen, an der er abgebrochen wurde, anstatt ihn noch einmal von vorn zu beginnen.

Und dann waren da natürlich noch Radiohead: Bislang hatten sie nur wenige Shows gespielt und die Setlist an jedem Abend verändert, Primavera2016_CN_007_Radioheadso dass man gespannt sein durfte, was uns geboten werden würde. Man kann sagen, dass die Setlist an diesem Abend die bislang vollkommenste war: Angefangen von fünf Songs des neuen Albums „A Moon shaped Pool“ mit einem ersten Highlight im treibenden „Ful Stop“, gab es Fan-Highlights im 5-Minuten-Takt: „No Surprises“. „Pyramid Song“, „Karma Police“, „Everything in it’s right place“ und „Street Spirit“ und schon war das Hauptset beendet. Es kam uns vor wie eine halbe Stunde, war aber tatsächlich knapp 90 Minuten lang und die Frage, ob und was die Zugaben bringen würden, stand im offenen Raum.

Hier ist Raum für eine kleine Anekdote: Um zu schauen, ob Radiohead am Vorabend auf dem ‚Les Nuits des Fourvière‘-Festival in Lyon Zugaben gespielt hatten, checkte ich kurz die Seite Setlist.fm, auf der Fans eben Setlists von Konzerten hochladen können – und staunte nicht schlecht, denn offenbar pflegt ein Crewmitglied diese Seite für Radiohead selbst: Hier war bereits die komplette Setlist des Konzertes zu sehen, auf dem wir uns gerade befanden. Komplett, also auch inklusive der Zugaben, wie „Paranoid Android“, „2+2=5“ oder „There There“, bevor sie gespielt waren. Wir nutzten diesen Wissensvorsprung nun, um einen Engländer neben uns zu verwirren, in dem wir Orakel-artig voraussagten, was wir denn gern als nächsten Song hören würden. Nach dem zweiten Treffer begann er uns zu fragen „Ok guys, what’s next?“ und als wir spaßeshalber – und zur Verwirrung – „Creep“ einwarfen, konnten wir noch nicht ahnen, dass dies als ungeplante Zugabe am Ende des Sets von einer sehr dankbaren Band als Bonus noch hinterhergeschoben werden sollte.

Fazit: Das Primavera ist auch in seinem 16. Betriebsjahr ein absolutes Highlight. Doch wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten: Zugunsten immer höherer Zuschauerzahlen stehen die beiden Hauptbühnen nun schon seit ein paar Jahren auf einem Parkplatz-Areal, dass dem eigentlichen Charme des, auf mehreren Ebenen zum Meer abfallenden, Geländes nicht wirklich gerecht wird. Primavera2016_CN_009_finisHatte man dort anfänglich noch ein großes und farbenfrohes Riesenrad stehen, von dem aus man weit über Gelände und Mittelmeer blicken konnte, ist dort nun mehr nur noch ein großer Platz mit zwei riesigen Bühnen und ausgerechnet die Seite zum Meer ist mit einer großen VIP-Tribüne verbaut. Auch muss wohl erwähnt werden, dass sich der Erfolg des Festivals mittlerweile erheblich auf die Preise für Appartments und Zimmer in Barcelona zu diesem Zeitraum auswirkt, aber sowas bleibt natürlich nicht aus. Wer mit dem Gedanken spielt, sich das alles mal selbst live anzusehen, sollte mit dem sparen schon mal beginnen. (nsc)


2 Reaktionen zu “Primavera Sound 2016 revisited”

  1. Thom Ho

    kann ich fast alles unterschreiben. unglaubliches line-up mit vielen bands, die seit langem nicht mehr in HH waren und auch dieses Jahr nicht kommen (u.a. radiohead, P.J., air, lcd soundsystem). gute Mischung aus alten Helden (u.a. ben watt (mit bernard butler!), robert foster oder lush), vielleicht neuen (Car Seat Headrest, jessy lanza). kein matsch. und wenn man zeitig bucht, kostet es auch nicht so viel. bei mir war das tix die teuerste Ausgabe.
    dj koze zum Sonnenaufgang gab´s auch. oder helena hauff im beach Club.

  2. Nils

    Absolut. Ich hätte auch noch zig weitere Bands und Erlebnisse aufzählen können, aber am Ende soll so ein Artikel auch nicht zu lang werden und er muss auch ein bisschen massenkompatibel sein. Es gibt natürlich auch günstigere Unterkunftsmöglichkeiten, aber in den letzten 2-3 Jahren sind die Preise insgesamt schon ganz schön angezogen.

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