“The Rifles” sind zurück und werden euch überraschen”, tönt die Pressemeldung und soll uns Großes erwarten lassen: “Big Life” nennt sich der jüngste Familienzuwachs im Hause der Plünderer und kommt gleich mal als Doppel-Album daher, weil man sich “einfach nicht für elf, zwölf Songs entscheiden” konnte, so die Band.
Rückblick: Mit “No Love Lost” schufen The Rifles einst das wohl beste Britpop-Album der 2000er, dem sie das fast ebenso gute “The Great Escape” hinterher schoben. Es folgten ein halber Bandsplit, ein schwaches drittes Album, eine Reunion in Originalbesetzung und 2014 dann mit “None The Wiser” ein doch recht gutes Comeback, das die Stärken der Band erneut untermalte. Nun also in 2016 “Big Life”, das Doppelalbum.
Mal abgesehen davon, dass das Format “Album” eh schon eine Weile zur Disposition steht, kennen wir Doppelalben normalerweise als episch lange Meisterwerke oder Konzeptalben. Und da hinkt dieser neue Output der vier Londoner hinterher, denn die 18 Songs (davon einer in zwei Versionen) kommen insgesamt gerade mal auf 60 Minuten Spielzeit. Ohne ein erkennbares Konzept, das die Trennung auf zwei Tonträger verständlicher machen würde. Warum also Doppelalbum? Das macht wenig bis keinen Sinn.
Mit “Greyhound Dog” beginnt CD1 recht okay und ohne große Überraschungen. Ganz klar The Rifles, wie man sie seit Jahren kennt, wenn gleich schon hier die recht gefällige Produktion auffällt. Kein Gitarrenriff, das sich in den Vordergrund schiebt, also den Gehörgang, kein Refrain, der sofort hängen bleibt, nichts drängendes, nichts dringendes. Aber solides Songwriting. So geht es mit den beiden Vorab-Singles “Turtle Dove” und “Numero Uno” auch weiter und man denkt sich “ganz hübsch, konnten sie aber auch schon mal besser”. Mit “Caught In The Summer” und “Wall Around Your Heart” folgen die beiden besten Songs der CD1, bevor sich die drei letzten zukünftigen Skip-Opfer “Victoria”, “Jonny Was A Friend Of Mine” und “Young For A Day” um die Wette langweilen und die neun Songs des ersten Teils nach 30 Minuten schon vorbei sind. Hm.
Also CD2 rein. Die begrüßt uns mit einem schicken Streicher-Intro und dem, sozusagen, Titelsong von “Big Life”, nämlich “Big Big Life” (Klar, ist ja auch ein Doppelalbum), der mit 10BPM mehr und dem Mut zu einer lauten Gitarre, ein richtig guter Song hätte werden können. Stattdessen dudelt im Hintergrund irgendwo ein, jawasistdenndaseigentlich?, herum und gäbe es zu “Motorway” hin keine Pause, könnte man beinahe glauben, es sei der gleiche Song. In “Independent” darf mal ein Sequenzer unbeeindruckt und unbeeindruckend rumblubbern, bevor man doch hellhörig wird: “Misunderstood” heißt der zarte Krach, der da aus den Boxen kommt und sogar für ein Weilchen im Ohr hängen bleibt. Ja, geht doch! Und sieh mal an, so geht es weiter: das fluffige “Go Do What You Like” fährt ein catchy Piano auf, und auch “Time In Hand” weiß durchaus als wirklich guter Song zu gefallen. Leider schwächelt auch Teil 2 danach wieder, um mit einer wirklich völlig überflüssigen Kitsch-Streicher-Acoustic-Version des schon auf CD1 gar nicht mal so schönen “Victoria” zu enden und man bleibt fragend und verwirrt zurück.
“Big Life” leidet unter zwei Aspekten: Der mutlosen Produktion und der Fülle des Materials, aus dem man, um auf das Eingangszitat zurückzukommen, sehr wohl elf bis zwölf Songs hätte auswählen können, um ein gutes Album vorzulegen. Den Rest hätte man dann gern als Bonustracks, B-Seiten oder Festplattenkapazitätsreduzierer verwenden können.
Nichtsdestotrotz darf man diese Band nicht abschreiben, das Album hat ja durchaus gute Songs und live wird das eh nochmal einen ganz anderen Drive bekommen. Außerdem gibt es ja auch noch die feinen Frühwerke und von daher empfehlen wir The Rifles auch weiterhin und freuen uns auf das Konzert am 6. Oktober im Logo. Tickets gibt es bei der Theaterkasse Schumacher. “Big Life” erscheint am 19.8.2016 auf Cooking Vinyl/Sony. (nsc)

