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The Story Continues – Haldern Pop Festival 2016

Auswärtsspiel! Vom 11. bis 13. August begab sich eine kleine Delegation der CN-Redaktion einmal wieder nach Haldern am Niederrhein zum mittlerweile 33. Haldern Pop Festival. Und um es vorweg zu nehmen, dieses Haldern Pop Festival bleibt ein ganz besonderer, vielleicht sogar einzigartiger Stern am deutschen Festvalhimmel, auch wenn in diesem Jahr erstmals verstärkt auch negative Stimmen im Vorfeld und auch im Nachhinein zu vernehmen waren.

hpf schildIn Haldern anzukommen hat von Jahr zu Jahr mehr etwas von „zu Hause“ anzukommen. Die große, über ein Jahr lang aufgestaute Vorfreude weicht mit Passieren des Ortschildes einer angenehmen Entspanntheit. Der Blick auf die Popbar, vor der sich bereits viele Haldern-Freunde aufhalten – gar nicht nur, um einen bestimmten Act zu sehen, sondern einfach, um den Spirit des Haldern Pop an der Quelle aufzunehmen – Bekannte und Freunde zu treffen, zu fachsimpeln und eventuell im Haldern Pop Shop bereits den ein oder anderen Tonträger zu erwerben. Der Weg vorbei an der Kirche und bereits erste Gedanken an großartige Momente in der Vergangenheit dort und die Vorfreude auf das Stargaze-Orchester um Dirigent André de Ridder und dann auch schon bald die Zufahrt auf das Festivalgelände. Auch auch dort ist man sofort wieder zu Hause und als ob es Schicksal wäre, treffen zum gleichen Zeitpunkt, an der selben Stelle, auch die gleichen Mitbewohner der Zeltrunde aus den Vorjahren ein. Endlich daheim.

Wie vielen bekannt ist, zeichnet sich das Haldern Pop Festival vor allem dadurch aus, dass die Organisatoren um Chef Stefan Reichmann das Festival bewusst klein halten und nicht mehr als 6500 Tickets verkaufen. Abgestürzte Server, Tausende von Menschen, die sich Nächte um die Ohren schlagen, um ein Ticket zu bekommen und das jährliche Sold-Out bereits vor Nennung auch nur eines einzigen Acts, sprechen eine deutliche Sprache.

hpf16 kuhDas Haldern Pop Festival hat es geschafft, sich durch jahrelange hochwertige Line-Ups den Ruf zu erarbeiten, dass ein Ticket zu kaufen, sich eben auf jeden Fall lohnt. Gleichzeitig ist es die Integration des Festivals in die Gemeinde, das ländliche Flair und das Bewusstsein, dass viele Einheimische in die Abläufe des Festivals integriert sind, die das Festival zu etwas Besonderem machen, denn jedem Fachkundigen ist bewusst, dass es einer Menge Arbeit bedarf, um ein so kleines Festival mit einem gleichzeitig so hochwertigen Line-Up zu bestücken.

Und das ist nicht das Einzige, was das Haldern Pop bietet. Neben großen Acts wie Glen Hansard, Damien Rice, Daughter, Michael Kiwanuka oder Thees Uhlmann, die souverän – und das ist nicht negativ gemeint – ihren Beitrag zu dem großen Ganzen leisten, sind es oftmals auch die kleinen Dinge, die hier als ganz besondere Momente in Erinnerung bleiben. Wie am Donnerstag des Festivals.

Für einige Auftritte hatte das Stargaze-Orchester um Dirigent André de Ridder in den Wochen vor dem Festival mit ausgesuchten Künstlern einige ihrer Stücke einstudiert. Der André de Ridder, den das Wall Street Journal als „One of the world’s most daring conductors“ beschreibt. Und der Auftritt des Schweden Emil Svanängen mit seinem Projekt Loney Dear zusammen mit dem Stargaze Orchester und dem Chor Cantus Domus wird sicherlich als eines der Highlights in die Festivalgeschichte eingehen. Musikalisch auf allerhöchstem Niveau, eine fast europhorisch wirkende Begeisterung und Spielfreude unter den Musikern selbst, sorgten für eine Atmosphäre, die man nur selten bei einem Konzert erlebt. Ich weiß nicht, wann mir das letzte Mal bei einem Konzert ein Song und vor allem die Art der Darbietung Tränen in die Augen trieb, aber „Ignorant Boy, Beautiful Girl“ geht in meine persönliche Top 5 diesbezüglich ein.

Leider passierte nichts dergleichen am nächsten Tag beim Auftritt von Loney Dear in Bandformation auf der Mainstage. Die aus meiner Sicht falsche Bühne und ein sehr unaufmerksames Publikum sorgten für ein frühzeitiges Ende des zweiten Auftrittes des Schwedens für mich. Ein großartiger Musiker, mit einem tollen, bald erscheinenden neuen Album, aber der Rahmen muss passen.

Ein weiteres Highlight folgte am Donnerstag im Spiegelzelt. Das Zelt war voll, was wohl nicht nur an dem starken Regen, sondern auch an dem fulminanten Auftritt des Schweden Elias beim Maifield Derby wenige Wochen zuvor gelegen haben könnte. Und dieser Elias sorgte mit seinem Electro-Soul auch für einen der Höhepunkte beim Haldern Pop. Er wird einer der Musiker sein, für die das Festival berühmt ist. Einer der, die in den nächsten Jahren groß rauskommen und von denen es dann heißt, „Guck mal, der hat 2016 schon auf dem Haldern Pop gespielt“.

Am Samstag machte dann das Stargaze Orchester da weiter, wo es Freitag aufgehört hatte. Stargaze plays Bowie! Das Stargaze Orchester hatte auf Initiative der BBC diese Show ausgearbeitet und in der Royal Albert Hall in London im Rahmen der David Bowie Tribute-Show präsentiert. Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Einen Gastauftritt hatte kurzfristig Stefan Honig als Ersatz für Soap & Skin, der bei einem Song den Gesangspart übernehmen durfte und wie er nachher zugab, wohl selten so aufgeregt, wie bei diesem Lied war.

Und weitere tolle Momente zogen sich, wie ein feiner dünner Faden durch das Festival. Es gab eine großartige Album Pre-Listening-Session der Band The Slow Show, die am Festval-Freitag einem kleinen Kreis von Fans in Keusgens Tonstudio ihr neues Album präsentierten und an gleicher Stelle am Samstag dann einen Auftritt von Conner Youngblood. Und anscheinend war es dann noch vor allem die Hip-Hop-Kombo The Lytics, die am Freitag eine Vielzahl der Zuschauer dazu trieb, den Merch leerzukaufen. Fazit, man fühlte sich ohne The Lytics-Shirt schon etwas als Außenseiter ab Freitagmittag.

Auch als Außenseiter fühlte man sich zunächst, als man auf den Auftritt des Ex-Jupiter Jones Sängers Nicholas Müller mit seinem neuen Projekt Von Brücken auf der erstmals bespielten Marktplatz-Bühne auf dem Festivalgelände wartete. Selbst auf der Bühne, die in einem kleinen Zelt Wohnzimmeratmosphäre vermittelte, wirkte Müller für einen kurzen Moment etwas verloren, bevor er in kürzester Zeit zeigte, wofür die Menschen Jupiter Jones liebten, aber vor allem, wofür die Menschen ihn lieben. Ein überaus sympathischer Musiker mit tollen Texten. Ehrlich und authentisch zog er das immer größer werdende Publikum, das sich um das Zelt versammelte in seinen Bann. Ganz großes Kino!

Im Spiegelzelt begeisterten dann am Samstag unter anderen noch der Däne Albin Lee Meldau und natürlich vorallem Ebbot Lundberg  aka „The Voice of Soundtrack Of Our Lives“.

Fazit: Haldern 2016 hat gehalten, was man erwartet hat. Es gab das Haldern Pop Feeling, die größeren Acts, die man sich gerne mal wieder angesehen hat, einiges neues Interessantes, tolle einmalige Momente, aber natürlich auch den ein oder anderen Act, der nicht den Erwartungen entsprochen hat.

Und auch, wenn die terrorgeplagten letzten Monate auch nicht ohne Folgen am Haldern Pop Festival vorbeigegangen sind und es in dem Bereich der Sicherheitsvorkehrungen auf jeden Fall noch Verbesserungsbedarf bzw. Verbesserungsnotwendigkeiten bestehen, war es wieder einmal ein wunderschönes Haldern Pop Festival. (sm)

 


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