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Interview: Nada Surf (Teil 2) oder auch „Erstes Mars-Konzert von Nada Surf!“

Im Rahmen ihres Konzertes im Mojo Club in Hamburg am 2. April nahmen sich Matthew Caws und später auch Daniel Lorca und Doug Gillard in ihrem Hotel Zeit für ein Interview mit Concert-News und um es vorweg zu nehmen, es wurde wahrscheinlich eines der persönlichsten Interviews, die der Nada Surf Sänger jemals gegeben hat. Für uns wurde es vielleicht eines der längsten, aber wir möchten es euch dennoch nicht in voller Länge vorenthalten und haben es einfach in zwei Teile aufgeteilt. Nachdem ihr am 6. Juli bereits den ersten Teil dieses Interviews lesen durftet, hier jetzt also Teil 2 mit Matthew Caws, Daniel Lorca und Doug Gillard

Interview Nada SurfElena (eh) Doug, wie ist es, immer noch der „neue Typ“ in der Band zu sein, obwohl es nun schon wie viele Jahre sind?

Doug Gillard (dg) Wir touren schon seit 5 Jahren zusammen…

(eh) Also ganz klar, der „neue Typ“.

(dg) Ich war auch schon auf einem Album vor „The Stars…“, nämlich auf „If I Had A Hi-Fi“ (Anmerkung der Redaktion: 2010!), dem Coveralbum.

Matthew Caws (mc) Ich finde, es ist eigentlich schön, dass alle darüber schreiben. Für uns ist es irgendwie keine große Sache und er hat sich irgendwie reingeschlichen, aber für alle anderen ist es ein guter Aufhänger.

(dg) Ja, der neue Typ ist auf’m Kiez aufgetaucht. „New Kid on the block“ – ah nein, das kann ich nicht sagen [alle lachen].

Sebastian Madej (sm) Vielleicht können wir Euch die gleichen Fragen stellen, die wir schon Matthew gefragt haben. [Zustimmung von Doug und Daniel] – Bist du zufrieden mit dem neuen Album, Doug?

(dg) Oh ja, sehr! Wir hatten unglaublich viel Spaß beim Aufnehmen.

(sm) Was ist dein Lieblingslied?

(dg) Puh. Also gerade jetzt in diesem Moment ist es „New Bird“, weil es so viel Spaß bringt, es zu spielen. Ich mag „Believe You’re Mine“ sehr gerne. Ich mag einfach eine Menge der Songs auf dem neuen Album.

(eh) Wir haben darüber gesprochen, dass Matthew mal darum gebeten wurde, eure Alben vom Besten zum Schlechtesten zu ordnen. Habt ihr darüber gesprochen?

(dg) Ja, Matthew, du hattest das irgendwie erzählt, das ist aber schon einige Zeit her.

(mc) Ja, es war für ein Interview und weil ich nicht wusste, was ich sagen soll, habe ich es einfach online gestellt und die Leute gefragt. Irgendwer hat dann die Statistik gemacht.

Daniel Lorca (dl) Ach ja, Statistiken! Man kann ja echt einfach eine Studie machen und wirklich alles damit beweisen. Wenn man beweisen will, dass Olivenöl Krebs auslöst, dann wird man das beweisen können. Man muss nur die Studie auf die richtige Art machen. Denn wenn man die Daten nimmt und sich anschaut, dann kann man die Ausreißer rausnehmen. Wenn also unter tausend Werten vielleicht fünf Werte extrem hoch sind, dann zählt man diese fünf einfach nicht. Und so sollte man „Popular“ einfach nicht im Leben von Nada Surf zählen. Das ist einfach ein Ausreißer, eine Sache die einfach passiert ist. Abgesehen davon sind wir einfach eine ziemlich tolle kleine Band, wir spielen manchmal ein bisschen größere Clubs und versuchen einfach, bessere Songs zu schreiben.

(eh) Ich meine mich zu erinnern, dass Matthew am Ende „Let Go“ als das beste oder liebste Album genannt hat. Stimmt ihr da zu?

(Interview Nada Surfdl) Ich glaube, zu der Zeit – ja. Ich weiß grad gar nicht mehr warum, aber gestern habe ich „Lucky“ angeschaut und ich muss sagen, es fällt mir schwer zu wissen, welche Songs auf welchem Album sind, weil es mir auch einfach nicht wichtig ist. Es ist so ein intensiver Prozess, ein Album zu machen und wenn es fertig ist, dann hört man es nicht wirklich noch mal an. Und dann nach ein oder zwei Jahren kommt zum Beispiel dein Cousin und meint „Hey, ihr habt ein neues Album, blabla“ und dann hört man es sich komplett an und es ist selten, dass man es wirklich ganz von vorne bis hinten hört und dabei wirklich aktiv zuhört. Das ist also ein oder zwei Jahre nachdem du das Album gemacht hast und auf einmal sind die Songs einfach eine Sammlung von Dingen, die du gemacht hast. Das ist wirklich merkwürdig. Aber klar, „Let Go“ war zu der Zeit, wo wir es gemacht haben, wirklich intensiv für uns. Ich meine, wir standen mit nichts da, wir hatten keinen Tourmanager, keinen Booker, keinen Manager, kein Label. Wir hatten einfach nur diese Idee, dass wir von New York nach LA touren könnten und mit dem Geld, das wir durchs Verkaufen verdienen, könnten wir ein Album machen. Und es tatsächlich geklappt! Es war eine Menge Geld – jedenfalls haben wir es so empfunden.

(mc) Das waren nur Einer und Fünfer!

(dl) [lacht] Stimmt, ich habe dieses Bild vor Augen, wo Matthew und ich das ganze Geld auf ein Bett geworfen haben und es sah nach so viel aus! Dabei waren es alles Einer und Fünfer. Aber wir hatten echt Glück, denn ein Major Label hatte ein Studio gebucht und wir haben so circa fünf Wochen von New York nach LA gebraucht. Und als wir ankamen, hatten die eben das Studio gebucht. Es war ein total teures Studio.

(mc) Aber sie haben es nicht für uns gebucht sondern für eine andere Band!

Interview Nada Surf(dl) Ja genau und der Typ, mit dem wir zusammen gearbeitet haben, war der gleiche, mit dem wir auch das zweite Album [The Proximity Effect] gemacht haben. Und er meinte nur, wartet bloß nicht, die bezahlen das Studio! Ihr könnt bei mir wohnen und in der Zwischenzeit können wir an Sachen arbeiten, das wird gut! Und tatsächlich hat die Band, für die das Studio eigentlich gebucht war, zwei Tage nachdem wir in LA angekommen waren, sich ernsthaft aufgelöst und den Termin abgesagt! [lacht] Aber sie haben bereits 50% der Ausgaben für die geplanten zwei Wochen im Studio bezahlt. Also haben die Leute alle unsere 1-Dollar- und 5-Dollar-Scheine genommen und so haben wir „Let Go“ aufgenommen. Wir mussten niemanden Rede und Antwort stehen. Wir haben es wirklich einfach nur für uns selbst gemacht. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass es da diesen einen Bass-Fehler in „Blonde on Blonde“ gibt. Ich hab da einfach Mist gebaut. Im Studio haben sie dann gefragt, ob sie das ausbessern sollen und Matthew meinte nur „Ach, warum lassen wir es nicht einfach so?“ Ich hab dann gedacht, weil ich ja der Bass-Spieler bin, „Ich hab’s versaut, will ich das wirklich für immer in dem Song haben?“ Aber es war quasi ein guter Fehler [„Good fucked-up“], also hab ich es drin gelassen. Das Gefühl war wörtlich „Let Go“ – also überhaupt kein Druck! Das war echt spannend.

(eh) Habt ihr Nada Surf-Lieblingslieder? So insgesamt über alle Alben hinweg, ein Lied, wo ihr sicher seid, dass ihr es für immer mögen werdet?

(dl)[zögert] Ich würde es andersrum sagen… ich glaube, ich habe noch nie einem Song meinen Rücken zugekehrt. [alle lachen zustimmend]

Interview Nada Surf(eh) Was ist mit dir, Doug. Für dich ist es ja noch anders, da du bei vielen Alben quasi von außen drauf schaust. Hast du ein Nada Surf-Lieblingslied?

(dg) Puh. Ich weiß nicht. Ich mache das eigentlich nicht, Lieder in eine Lieblingsreihenfolge bringen. Ich habe da wirklich noch nie drüber nachgedacht. Ich lerne sie, ich spiele sie, ich liebe sie. Aber alle bringen Spaß und sind super.

(dl) Tatsächlich vermisse ich Lieder manchmal! Es ist einfach unmöglich, alle live zu spielen.

(dg) Ja, wir packen meist einen alten Song auf die Setlist, den wir lange nicht gespielt haben und dafür kommt ein anderer raus, den wir oft spielen.

(dl) Meistens spielen wir einen Song nicht, weil wir ihn einfach nicht spielen. Wir haben nichts gegen den Song an sich. Es ist ein bisschen so, wie, dass ich zum Beispiel lange nicht in Rom war. Das ist nichts gegen Rom – tatsächlich war ich noch nie in Rom. [alle lachen] Aber ich bin sicher, ich würde Rom lieben! So ist einfach das Leben, man kann nicht alle Songs spielen. Ich vermisse zum Beispiel „Firecracker“ live zu spielen oder tadda-dudu-dum [singt ohne Text]…

(mc) Ah klar, bababububum?

(dl) Genau, der! [alle lachen]

(dg) Natürlich, der Song! Ich habe gerade über ein Lieblingslied nachgedacht. Da wäre „No Quick Fix“, das spielen wir sehr selten und ich liebe es sehr.

(dl) Es ist manchmal schon komisch. Aber was klar ist: Wenn der Song auf dem Album ist, dann ist es für uns ein Hit. Sonst würden wir ihn nicht aufs Album packen. Unser Problem ist einfach, dass wir zu viele Songs haben.

(sm) Wie macht ihr das? Macht ihr die Setlist bevor ihr auf Tour geht und dann übt ihr diese … 25 Songs?

(dl) 53 Songs.

(eh) Und dann sucht ihr jeden Abend aus, welche ihr spielen wollt?

(dl) Wir sollten wissen, welche wir spielen, aber tatsächlich wissen wir das nicht immer. [alle lachen]

(mc) Das ist jedenfalls die Idee, dass wir es so machen. Und wir müssen halt zwei Mal Soundcheck für die jeweils neuen Songs machen. Das ist die generelle Idee dahinter.

(dl) Tatsächlich ist es so, dass es Songs gibt, die wir spielen sollten aber umso länger wir sie nicht spielen, umso schwieriger wird es für die Songs, wieder auf die Setlist zu kommen. Nimm zum Beispiel „Treading Water“ [trommelt den Rhythmus], den Song vermisse ich wirklich, der ist großartig! Aber umso länger man ihn nicht spielt, umso mehr gewöhnt man sich daran, ihn nicht zu spielen. Da gibt es keinen echten Grund für.
Interview Nada SurfWir haben mal ein Konzert gespielt und der Club wusste nicht, dass wir spielen würden. Wir sind damals nach Florida gefahren und kamen nicht direkt früh, aber ziemlich überpünktlich an und der Club wusste von nichts. Ich erinnere mich noch an diese sechs Jugendlichen, die ganz von Alabama oder so was gekommen waren… Und wir hatten so einen merkwürdigen Promoter, der irgendwie nicht mit dem Club gesprochen hatte und nicht gut mit denen klar kam – aber trotzdem haben sie uns letztlich spielen lassen – weiß du noch, Matthew?

(mc) Hm nein, haben wir nicht in dem Haus von irgendwem gespielt? In Vegas?

(dl) Nein, nein, das war was anderes. Hier hat uns der Club spielen lassen, obwohl es keinen Sinn macht, ich mein, niemand wusste, das wir spielen! Da waren nur diese sechs Kids, die sechs Stunden von Alabama gefahren sind und da haben wir einfach für sie gespielt. Keine Setlist, nichts – „Was wollt ihr hören?“ und dann haben sie was vorgeschlagen und wir mussten erst mal überlegen, wie der Songs überhaupt noch mal geht. Wir haben rumprobiert und am Ende haben wir es einfach gespielt.

(sm) Das war wohl das beste Nada Surf Konzert, was diese Kids jemals hatten!

(dl) Für uns auch! Null Druck, einfach drauf los spielen. Aber Matthew, wo war das, wo wir in bei jemanden zuhause gespielt haben?

(mc) Ich dachte, das wäre in Vegas gewesen. Unser Promoter kannte die Leute von dem Club nicht so gut und die haben dann einfach beschlossen, dass sie uns nicht wollen und den Abend lieber zu machen. Und dann haben wir am Ende bei jemandem zuhause gespielt. Das war ziemlich großartig! Ich glaube, da waren mehr Menschen in diesem Haus, als im Club gewesen wären. Das hat sich einfach verselbstständig und war etwas Besonderes, also sind alle gekommen.

(sm) Ihr solltet ein Buch mit solchen Geschichten zu eurem 25-jährigen Jubiläum machen.

(mc) Stimmt!

(sm) Wir haben Matthew bereits gefragt, wo er Nada Surf in 10 Jahren sieht. Wo seht ihr die Band?

(dl) Ibiza! [alle lachen]

(eh) In all der Zeit seid ihr häufig zu bestimmten Städten immer wieder zurückgekehrt. Hamburg ist auch meistens auf eurer Tourliste, wenn ihr in Europa seid. Bemerkt ihr Veränderungen über die 20 Jahre, wie sich die Städte oder Menschen verändern?

(dl) Alles verändert sich! Die ganze Welt… geht zugrunde.

(mc) Genauso die Gegend in der Daniel und ich gewohnt haben bevor wir weggezogen sind, also Brooklyn, wo wir so viel Zeit verbracht haben, hat sich so stark verändert. Das gleiche gilt bestimmt auch für Hamburg, aber da sehe ich keinen Unterschied, auch wenn wir hier schon etwas herumlaufen. Wir waren zum Beispiel zwei Mal in diesem komischen Tunnel… dem alten Elbtunnel. Paris hingegen verändert sich überhaupt nicht!

(eh) Gibt es Orte, wo ihr immer mal spielen wolltet? Wovon ihr immer geträumt habt?

(mc) Oh ja, ich habe einen Veranstaltungsort, wovon ich immer geträumt habe! Das Beacon Theatre in New York, das ist ein so großer Teil unserer Kindheit.

(sm) Wie sieht’s mit Island aus?

(dl) Ah, stimmt. Ich glaube, der Grund, warum wir da noch nicht gespielt haben, ist einfach, dass wir da noch nie gespielt haben. Dieselbe Sache, wie warum ich noch nie in Rom war. Es gibt einfach keinen Grund. Wir haben einen großartigen Tourmanager, der viel für uns getan hat und von Anfang an hat er uns immer gesagt: „Wenn ihr aus den USA kommt, stoppt ihr in Island. Die bezahlen euch, ein Konzert zu spielen und es ist großartig da!“ Aber wir haben es bisher nicht gemacht.

(dg) Ich fänd es großartig, wenn wir mal nach Auckland in Neuseeland kämen. Ward ihr schon mal da?

(mc) Nein, noch nie.

(dl) Ich hab dort Freunde, ich garantiere euch guten Wein und frischen Fisch. [alle lachen]

(sm) Wie viele Shows habt ihr gespielt? Insgesamt?

(mc) Keine Ahnung. Ich erinnere mich an einen Freund, der mir zu meinem Geburtstag oder so was eine Papierrolle geschenkt hat. Er sagte „Halt das“ und ging rückwärts um diese unglaublich lange Liste auszurollen. Es waren echt alle Konzerte, die wir bis dahin gespielt hatten. Sie waren sogar markiert mit verschiedenen Farben, ob es Promo war oder ein Festival oder so. Und das waren schon echt viele, eine ziemlich große Zahl.

(dl) Ich könnte ihn einfach anrufen und ihn fragen, was wir an einem bestimmten Tag gemacht haben, nehmen wir mal Juli 1999 – und er wüsste es. Er weiß es einfach und würde gleich sagen „ah, da habt ihr mit dem und dem das gemacht…“

(sm) Mein erstes Nada Surf war 1997 im Logo.

(dl) Ich liebe das Logo!

Interview Nada Surf(mc) Ich glaube, da haben wir fünf Mal gespielt. Es hat lange gedauert, bis wir es weiter geschafft haben.

(dg) Was ist noch mal das Logo?

(dl) Kennst du das Logo nicht? Das Logo schwitzt!

(dg) Ist es ganz schwarz von innen?

(dl) und (mc) Ja, genau.

(sm) Heutzutage spielen da vor allem Hardrock und Heavy Metal Bands.

(mc) Ich würde gerne noch mal nach Griechenland. Das ist ein Land, wo wir auf unserer ersten Tour gespielt haben und danach nie wieder. Das wäre schön, aber ich fantasiere nur rum. [Anm. der Redaktion: Dort war Matthew Caws anschließend auf seiner Hochzeitsreise]

(eh) Könnt ihr das beeinflussen, wo ihr spielt?

(mc) Klar. Aber natürlich in Absprache mit den Leuten, die für uns arbeiten.

(dl) Also ich will ja noch die NASA anrufen und Bescheid sagen, dass ich auf dem Mars spielen will. Da arbeiten wir noch dran.

(eh) Wo seht ihr Nada Surf in 10 Jahren? Auf dem Mars! [alle lachen]

(dl) Vielleicht eher in 17 Jahren.

(sm) Das ist ein super Titel für unser Interview und wohl auch ein guter Abschluss:

Wir sehen uns in 17 Jahren auf dem Mars!

Interview Nada Surf

 

(sm/eh)
Fotos: Doreen Reichmann



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