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Einfach mal was neues

Der 6. September 2016 ist ein sonniger Tag und das wunderschöne Clouds Hill Studio öffnet seine Türen für Pressetermine mit James Johnston. Nach einem kurzen Rundgang durch die Studios und einem fantastischen Ausblick in den naheliegenden Elbpark Entenwerder (ein großes Danke hier an Johann Scheerer und an Dana) finde ich mich auf bequemen Ledersesseln im Gespräch mit James Johnston in einem der Kontrollräume wieder.

james-jonston_presse15_steve-gullickJames, für die Leute, die dich nicht kennen. Nur ein paar Sätze, wer ist James Johnston?
Nun, ich bin seit den 90ern in einer englischen Band namens Gallon Drunk und wir haben schon eine Menge Alben gemacht. Wahrscheinlich bin ich dadurch dazu gekommen, auch mit anderen Bands zu spielen. Ich habe mit Nick Cave & The Bad Seeds gespielt, mit Faust, einer deutschen Band und gegenwärtig spiele ich mit PJ Harvey auf ihrer aktuellen Tour und dann noch ein paar andere Dinge am Rande. Das ist grundsätzlich das, was ich in den letzten 20 Jahren musikalisch getan habe.

Yeah, unglaublich, danke! Nach acht Alben mit Gallon Drunk, stimmt das …?
Ich habe keinen Schimmer (lacht).

Okay (da muss ich auch lachen), also hast du dich dazu entschlossen einige deiner Ideen für dein erstes Solo-Album zu verwenden.
Ja.

Ist irgendetwas besonderes passiert, sodass diese Idee in deinem Kopf entstand und du dich am Ende dazu entschieden hast, ein Album nur für dich aufzunehmen?
Ja, weißt du, ich wollte mal etwas anderes machen. Es ist so wie jede Veränderung, du fühlst es, auf einmal willst du dich bewegen. Ich wollte einfach nicht immer wieder das gleiche machen und wollte es ausprobieren auf eine andere Art Musik zu schreiben. Die Sache ist die, bei Gallon Drunk kommt musikalisch alles zusammen im Vergleich zu dieser Musik, sie hat einen viel intimeren und verletzlicheren Klang. Und ich wollte halt was anderes versuchen, es fühlte sich nach der richtigen Zeit an und Johann Scheerer, der Produzent, dem auch das Studio hier gehört und ich, waren uns einig und entschieden: „Lass uns was anderes versuchen.“ Und dann habe ich begonnen, das wirklich zu genießen, genau das ist passiert.
Das klingt toll, einfach!
Ja, ein einfacher Grund.

Ich habe mir „The Starless Room“ die letzten Tage bereits ein paar Mal angehört und es klingt ganz anders als das, was du in der Vergangenheit an Musik gemacht hast, wie Gallon Drunk. Es hat beides viel Energie, Gallon Drunk und deine Solo-Platte, aber die Gallon Drunk-Sachen sind einfach mit mehr Lärm gefüllt, oder? Hattest du da nicht ein paar Momente, in denen du dachtest: „Verdammt, es wäre echt toll, wieder mit den anderen zu abzurocken!“?
 

Es ist immer toll abzurocken. Ich meine, hier gibt es einen Teil auf der Scheibe, da ist dieser Song „Dark Water“ und der zweite Abschnitt, das hat echt Spaß gemacht, das aufzunehmen. Da ist dann so ein großer Moment, wo Ian an den Drums mit einsteigt, das war brilliant und ich liebe es sehr. Aber es ist halt aufregend auf eine andere Art. Es ist überraschend, wie so etwas so super langsames und ruhiges …, es spannt einen so an, wenn man dran arbeitet, es ist Angst einflößender und aufregender als wenn man etwas so lautes aufnimmt. Und als Ergebnis ist es eine umso größere Belohnung, wenn es funktioniert, es ist schwieriger.
Meiner Meinung nach ist es wie ein Buch voll Harmonie, es beginnt mit dem ersten Stück „I’d Give You Anything“, es hat so viel Energie, es führt einen in die Aufnahme und am Ende wacht man wie aus einem sanften Traum auf, einem wunderschönen Traum.
Ja, das klingt schön.

Ich habe es wirklich genossen.
Danke. Ich meine, die ganze Idee hinter jeder Art von Musik, gerade diese Musik, sie nimmt uns irgendwo mithin, weißt du.

Ja, das ist der Plan, wie es Autoren machen.
Ja, ganz genau.

Du hast hier (Clouds Hill Studio) auch ein paar Aufnahmen mit Gallon Drunk gemacht.
Ja, das ist richtig, zwei Platten.

Jetzt bist du mit deiner Solo-Platte hier. Klingt nach einer Liebesgeschichte, bist du in das Studio verliebt, in die Stadt?
Ich habe mich in Johann’s Hund verliebt (wir lachen herzlich). Nein …, obwohl doch. Johann habe ich zufällig auf einem kleinen Festival, dem Avantgarde-Festival kennengelernt. In einem winzigen Dorf (lacht) zwischen hier und Lübeck. Und dann ging es weiter und am Ende haben wir hier an Sachen gearbeitet und ich habe beim Label unterschrieben. Und da das Label im gleichen Gebäude ist wie das Studio, wird hier alles aufgenommen. Es ist ein brilliantes Studio mit einer fantastischen Atmosphäre, großartigen Menschen, weißt du, es fühlt sich unglaublich schön an das hier zu machen. Also ja, es ist eine tolle Sache für uns, für mich.

Ja, ich kann das verstehen, es ist ein magischer Ort.
Absolut, weißt du, da man ja ein bewohnbares Studio hat, unten sind Appartements, schlafen wir hier und man kann sich total auf das, was man hier macht, fokussieren. Und sich darin total verlieren.

Also gibt es keine Möglichkeit in anderen Studios so wie hier zu arbeiten?
Nein, nicht wirklich. Das wäre gar nicht möglich (lacht), da gäbe es gar keinen Weg das so weiterzuführen. Und normalerweise … nein, so habe ich noch nie gearbeitet, es ist ein wirklicher Luxus, es ist fantastisch.

Du hast hier also viel Zeit verbracht. Wir haben über diesen magischen Ort gesprochen, aber hast du auch ein paar Lieblingsplätze in Hamburg?
Die meisten sind fünf Minuten Fußweg von hier. Also nicht wirklich, nein. Ich liebe Hamburg und ich liebe die Stadt, ich mag diesen Ort, die Atmosphäre, die Menschen, aber wenn du hier bist, bist du so festgesetzt auf was du hier machst, du scherst dich gar nicht darum rauszugehen. In eine belebte Bar oder im Park spazieren zu gehen. Es gibt eine winzige, lokale Bar um die Ecke, die ich wirklich mag. Sowas halt.

Du bist also sehr, sehr fixiert auf die ganze Sache hier.
Ja, total.

Klingt nach einer schönen Arbeitsatmosphäre.
Ja, weißt du, du bist fertig mit deiner Arbeit, arbeitest mit Leuten, die du magst und dann gehst du in die Küche und trinkst ein Bier, das ist echt schön (lacht).

Ja, das klingt wirklich schön. Arbeit, Bier, Spaß, das ist cool.
Das ist es wirklich.

Du hast im Frühjahr eine Split-Single mit Pete Doherty für den Record Store Day rausgebracht?
Ja, das stimmt.

Habt ihr hier auch zusammen Musik gespielt? Er hat ja hier auch für sein Solo-Album aufgenommen.
Nein, nein, das haben wir tatsächlich nie gemacht. Wir waren nie wirklich zusammen hier, ausgenommen bei dem Festival. Also nein, aber ich habe gehört, seine Platte ist brillant.

Ja, das hoffe ich. Aber siehst du die Chance, dass ihr in der Zukunft zusammenarbeitet?
Ich meine, du kannst nie wirklich sagen, was passieren wird. Ich habe nicht die Hälfte der Sachen vorausgesehen, an die es mich dann am Ende hinverschlagen hat. Es ist alles eine Sache des Zufalls, nicht? Ich habe keine Idee, es ist jedenfalls nichts geplant.

Du hast ja erzählt, dass du mit Nick Cave unterwegs warst, PJ Harvey, ist da noch ein anderer Künstler, mit dem du wirklich gerne auf der Bühne stehen würdest?
Die sind wohl alle tot (lacht). Bedauerlicherweise. Also nein, ich denke, die sind alle tot.

Oh nein!
Ich schaue mir auch lieber jemanden an als mit ihm auf der Bühne zu stehen. Das ist weniger Druck. Ich kann das dann wirklich genießen.

Dein Favorit auf „The Starless Room“ und warum?
Das letzte Stück denke ich.

Das letzte Stück war das mit dem Wolf … ?
„When The Wolf Calls“, das war eine improvisierte Aufnahme, die in einem Stück hier am Piano gemacht wurde.

In einem Stück?
In einem Stück, live eingesungen. Das war alles. Und dann noch die Streicher, aber ansonsten war es das. Und es hat auch wirklich dieses schöne, niedergeschlagene Gefühl von Unsicherheit, aber einen warmen Klang und es wirkt nicht nachbearbeitet. Es ist emotional. Es ist wirklich eine tolle Gelegenheit gewesen es aufzunehmen. Ich liebe es.

Die Magie geschah.
Ja, genau.
Für die Leute, die planen das Cloudless-Festival auf dem Reeperbahn Festival aufzusuchen – was können sie von deinem Auftritt erwarten?
Es werden Songs vom neuen Album gespielt. Die Aufnahmen sind sehr üppig und voll mit klassischem Produktionsklängen, also wird es nicht wie auf der Platte klingen. Ich habe einen Weg gefunden, wie ich diese Lieder live spielen kann. Mit Streichern, ein paar Mitgliedern des Chors, die auf der Aufnahme die Backing Vocals liefern. Ian am Schlagzeug, er ist auch der Gallon Drunk-Schlagzeuger, er ist auch auf dem Album und Johann, der Produzent, wird Bass spielen und ich bin am Piano. Also wenn wir alle drauf passen, die Bühne ist so klein, ich weiß gar nicht, wie wir das machen sollen. Aber wir haben etwas ähnliches versucht auf dem 2015-Ding (Clouds Hill-Festival). Ja, das habe ich geliebt.

Es funktionierte also?
Ja.

Okay, da bin ich sehr, sehr neugierig.
Ja, es ist sehr überwältigend, intim, straff …

Wirst du auch einen Gallon Drunk-Song spielen?
Wahrscheinlich nicht … obwohl ich einen ausgearbeitet habe, nur so aus Interesse. Ich frage mich, ob ich einen der Songs in diesem Stil spielen könnte. Ich könnte, aber vielleicht auch nicht. Lass uns sehen, was passiert.

Danke für deine Zeit.
Es war mir ein Vergnügen.
Nach dem Interview haben wir noch ein wenig über die Stunden gesprochen, die James in dem Raum verbracht hat, in dem wir das Interview führten und über seine Rückkehr ins Clouds Hill Studio. Aber nun freuen wir uns auf erstmal auf seinen Auftritt am Freitag, den 23. September, auf dem Cloudless, das im Rahmen des Reeperbahn Festivals stattfindet! Cloudless? Dieses bunte Spektakel findet von 13:00-18:00 Uhr im Bahnhof Pauli (Spielbudenplatz 21-22) statt, Schirmherr des Super-Events ist das Clouds Hill, dessen Künstler an diesem Tag hier auftreten, wie zum Beispiel James Johnston von 14:15 – 14:45 Uhr.Interview: René Biernath



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