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Interview: Impala Ray

cn_praesentiert212-e1430068462303Wir haben Euch bereits ans Herz gelegt, am 30. November ins Häkken zu kommen, um dort Impala Ray zu erleben. Erleben ist der richtige Begriff, wie Ihr gleich merken werdet. Denn Ende September kam es zum sehr offenen Interview mit Rainer von der charismatischen BayFolk-Truppe. Getroffen haben wir uns bei wunderschönem Wetter auf der Dachterrasse des Hard Rock Cafes in Hamburg. Nach zwei Songs, die Rainer alleine nur mit Klampfe bewaffnet vorträgt, da nicht die ganze Band mit in den Flieger gestiegen ist, setzen wir uns in die Sonne, beginnen zu reden und irgendwann drücke ich Aufnahme.

Du warst jetzt gerade in Hamburg zum Warner-Sommerfest und jetzt bist du schon wieder hier, mit dem Flieger aus München nach Hamburg, für ein bisschen Promo, ist das nicht total verrückt?

imageJa. (wir müssen beide herzhaft lachen) Des ist total verrückt, das stimmt. Also ist ja auch ’ne Ausnahme, jetzt halt Hamburg. Das geile ist ja, ich komm halt gern nach Hamburg, wenn’s jetzt, was weiß ich, Kapstadt wär‘ oder so, dann is a bisschen anstrengender. Sag ich jetzt a mal. Aber so nach Hamburg, geht ja relativ entspannt dann. Mit’m Flieger. Schnell reinsetzen … oder mit’m Zug auch, mit’m Zug sind wir letzt‘ Mal gefahren, und Zug fahren ist endsgeil, weil du wirklich todesentspannt ankommst.

Das glaube ich sogar, ich fahr‘ auch ganz gerne Zug (da muss ich schmunzeln).
Du hast halt Platz dabei und kannst auch einfach mal pennen, ist geil.

Nicht wie im Bus, Bus finde ich immer sehr …
Bus ist wirklich scheiße. Das macht keinen Spaß, ne. Und selber fahren macht auch keinen Spaß.

Da bin ich ganz bei dir (Rainer lacht), es ist einfach so, ich hasse es. Aber gut. Bei eurer neuen Single „Stay“ angefangen, „IO & I“, wo nimmst du diese ganze authentische Lebensfreude her, du transportierst das ja richtig über deine Songs.
Ich glaub‘, ich bin so als Mensch und ich muss mich net verkleiden oder verstellen und so wie ich bin, bin ich halt und so schreib‘ ich auch meine Songs. Ich glaub‘, das kann ich am besten, also des sind halt Geschichten, die hab ich teilweise auch erlebt, größten Teil und ich bin schlecht im Erfinden. Und von dem her ist es für mich jetzt am besten, wenn ich so bleib‘, wie ich bin. Deswegen mach‘ ich ja auch die Musik so wie sie ist.

Hast du ’n Beispiel für ’ne schöne Geschichte?
Von der neuen Platte müsste ich mal überlegen, …, ja okay. Die neue Platte, „Stay“ ist wirklich die Single. Also im Prinzip „Stay“, der Song, geht ja net nur darum, dass man jetzt ’n geiles Mädel kennenlernt, es ist eigentlich mehr ’ne Metapher. Es geht darum, dass du wirklich spontan bleibst im Leben, dass du des tust, was du fühlst und was du grad einfach tun willst. Wenn du in dich reinhörst. Und das ist eben diese Lebensstory, sagen wir mal, du sitzt sieben Jahre im Büro und denkst einfach: „Fuck, ich kann jetzt eigentlich was anderes tun, eigentlich mag ich viel lieber draußen stehen und meine Songs schreiben und Musik machen und net die Zeit jetzt im Büro verplempern und irgendwelche blöden Mails beantworten.“ Und des bringt dieser Song halt raus, diese Lebensfreude, scheiß einfach drauf. Scheiß drauf was passieren könnte, du musst nicht zehn Versicherungen abschließen, du schaffst es auch so, mach einfach des, auf was du Bock hast und wenn’s net funktioniert, stehst wieder auf und machst was anderes. Und des drückt für mich der Song „Stay“ aus, ja.

Also willst du mit deiner Musik auch ’ne klare Botschaft vermitteln.
Eigentlich schon, ja. Klare Botschaft an diesem Song jetzt zum Beispiel: Genieß des Leben und mach das Beste draus. Verwirkliche deine Träume und wenn du es nicht verwirklichen kannst, ist auch net schlimm, aber du hast es zumindest probiert. Des ist das, was ich so a bissel mitgeben mag.

Das ist schön. Du hast ja ähnliches erlebt, wie war das bei dir?
Des ist die Geschichte im Büro, ja. Also diese sieben Jahre, wo ich in ’ner Agentur gearbeitet hab‘ und wo ich jeden Tag zum Fenster rausgeschaut hab‘ und gesagt hab‘: „Mensch Meier, eigentlich wär‘ mein größter Traum meine Songs zu spielen, zu schreiben und rauszubringen in die Welt und eigentlich auch davon leben zu können.“ Und des schwebt einem immer so im Kopf rum. Und mein Arbeitskollege, der mir direkt gegenüber gesessen ist, das ist der Dominik, das ist mein Schlagzeuger jetze und wir zwei haben halt immer philosophiert. Wir sind drin gesessen im Büro, haben stundenlang Kaffee getrunken und haben über’s Leben und über die Musik philosophiert, weniger gearbeitet (beginnt zu lachen), wenn des jetzt der Chef hört (bricht in schallendes Gelächter aus), der alte Chef, des war einfach geil. Und dann haben wir eben uns halt immer gefragt, wie kann’s Leben eigentlich sein, wenn wir unsere Mucke machen und einfach, wenn wir des tun, auf was wir Bock haben. Wie könnte das sein? Wie schön könnte das sein? Und ja gut, eines Tages habe ich gesagt: „Pass auf Dominik, ich reich‘ heut‘ die Kündigung ein, heut‘ is‘ soweit.“ (lacht)

Tatsächlich?
Ja man. Dann gesagt, ich scheiß jetzt drauf, ich mag’s jetzt wissen und nur so geht’s. Und ohne Kompromisse und des hab‘ ich dann halt gemacht und des Lustige war dann, Dominik ist einen Monat später nachgekommen. (das Lachen kehrt zurück)

Nein!
Ja! (Lacht nur noch) Der hat gesagt: „Rainer, seitdem du weg bist, ist irgendwie alles scheiße in der Arbeit und ich hab‘ jetzt auch gekündigt und ich bin bei dir und wir ziehen das jetzt miteinander durch. Und ich fahr mit.“ (lacht wieder) Des ist schon irgendwie witzig und das ist jetzt quasi unser Weg und den gehen wir jetzt halt und schauen einfach was passiert, ja.

Ihr habt jetzt ja ’ne Radtour vor gar nicht allzu langer Zeit gemacht, verbunden mit Kurzauftritten, Abschlusskonzert am Ende der Route, ne?
Ja, in München, genau.

impalarayconcertnewsDas klingt doch total geil, aber erzähl mal ’n bisschen, wie war das so?
Des haben wir schon mal gemacht, also, wir sind ja eigentlich a Band, die auf der Straße so groß geworden is‘, weil wir keinen Proberaum haben. München sind die Proberäume verdammt teuer und ziemlich beschränkt und deswegen haben wir gesagt, okay, wenn wir nichts haben, dann müssen wir draußen proben, wenn das Wetter schön is. Im englischen Garten an der Isar. Und dann haben wir uns denkt, wie geil wäre das denn eigentlich mal, so ’ne Stadttour zu machen, also Instrumente aufschnallen, auf die Räder draufsetzen und einfach losradeln und an jedem geilen Platz, wo es uns grad gefällt, unsere Mukke machen. Und das haben wir jetzt eben für die neue Platte gemacht. Die is‘ rausgekommen am 15. Juli und da war schönes Wetter und da ham wir gesagt, geil, das machen wir jetzt wieder. Und setzen uns auf unsre Räder, hauen wir die Tradition, hauen wir sie wieder raus und fahren einmal durch die Stadt wieder und machen’s wieder wie früher heute. Auf der Straße spielen und einfach die neue Platte spielen und … so haben wir’s dann halt gemacht. Und des war der ganze Tag eben in München irgendwo, an irgendwelchen Plätzen und das große Abschlusskonzert war dann an der Isar. Ham wir schön Girlanden aufgehängt und Fackeln aufgestellt und da ham wir dann im Prinzip eine Stunde nur die neue Platte gespielt. Aber das Problem war n bissel, in München, das sofort, wir ham noch gar nicht richtig gespielt, sind die Ordner schon da gewesen und gesagt: „Hey, ihr habt’s hier die Todeslautsprecher am Start, was ist los mit euch, wir können hier keinen Sound machen.“ Ne, bei uns waren aber, sagen wir mal, die Raver und ham ihre Lautsprecher da gehabt und haben den heftigen Sound gemacht, haben gesagt: „Was ist mit den hier, die sind mindestens genauso laut wie wir.“ Sagt: „Nein, aber ihr habt’s ja das ganze Schlagzeug und alles da.“ Und dann war die Riesen-Diskussion halt einfach und dann ham wir gesagt: „Hey, jetzt passt’s mal auf, wir spielen jetzt einfach mal und dann checkt’s mal, ob’s euch zu laut ist.“ Und dann ham wir einfach gespielt und dann sind’s gegange und dann hat’s gepasst und ham wir einfach ein wunderschönes, intimes Konzert an der Isar gehabt und des war perfekt. Weil die Mucke ist einfach Natur und die muss im besten Fall draußen gespielt werden und was gibt’s schöneres in der Kulisse zu spielen. Draußen an der Isar, am Fluss, unter den Bäumen, zum Sonnenuntergang, die Songs zu spielen. Und des war scho‘ eines der besonderen Momente, sag ich jetzt einmal, die man net so schnell vergisst.

War das eines der schönsten Erlebnisse eurer Karriere?
Schönsten …, gibt viele schöne Erlebnisse. Es gibt net immer das Maximum, aber das war eines der schönsten, wirklich, ja.

Macht das mal hier. (dieser Satz geht mit einem Lachen einher)
Des wär schön. Also, wir ham uns schön überlegt, die Platte heißt ja „From The Valley To The Sea“, eigentlich wär’s geil, wenn wir uns auf a Floß, auf a selbstgebautes Hippie-Floß setzen und dann einfach die Donau runterfahren und in jeder Stadt quasi spielen, oder die Elbe, oder an jedem Fluss in Deutschland (lacht), einfach kreuz und quer durch Deutschland bis zum Meer.

Wär‘ das herrlich, oder?
Des wär‘ mal a lässige Aktion.

Doch, das würd‘ ich auch supporten. (Rainer freut sich lauthals) Start Up oder so, ich glaub‘ das wird richtig teuer.
Genau, es wird richtig teuer, aber des behalten wir mal im Hinterkopf und irgendwann müssen wir des machen.

Auf jeden Fall. Wir haben ja vorhin noch über Jesper Munk gesprochen, wie habt ihr den mal kennengelernt, ihr seid ja mit ihm getourt?
Der Jesper ist ja Münchener, so wie wir auch und ja, wir haben uns einfach mal getroffen, des war, ich weiß gar nicht mehr was, des war über Bekannte. Über Bekannte zusammengebracht und ja, dann haben wir einfach gesagt: „Ey, wie schaut’s aus? Du spielst ’ne Tour, dürfen wir mitspielen?“ Und der Jesper ist ‚eh total offen und völlig entspannt und sagt: „Ja geil, lasst mal hören. Geiler Sound, passt. Fahrt’s einfach mit.“ Und dann haben wir mit ihm komplett die Deutschland-Tour gemacht, des waren über glaub‘ ich zehn Termine, quer durch Deutschland, von ganz vom Süden bis Lüneburg hoch und war heftig, aber es war geil. Es war richtig rough, ins Gesicht. (schmunzelt)

Das war auch echt ’ne Überraschung in Lüneburg da, hab‘ mit einigem gerechnet, aber mit dir und deiner Lache (Rainer lacht erneut), das war fantastisch, hat das Ganze gut eingeleitet.
Schon man, schon (lacht). Geil.

Habt ihr noch konkrete Pläne für die Zukunft? Mal abgesehen vom weiter musizieren?
Oh, im Moment, ja … wollen wir jetzt eben diese Tour machen, diese Deutschlandtour, die geht dann bis zum Dezember und wollen neue Videos rausbringen. Die nächste Single steht inner Pipeline quasi, da gibt’s auch n Video dann dazu, das ist zu unserer Alpenüberquerung, da haben wir quasi Autos gepackt, unsere Sachen gepackt und haben einmal von München aus die Alpen überquert bis ans Meer hin. Und haben quasi den Titelnamen „From The Valley To The Sea“, so wie die Platte heißt, ham wa einmal durchlebt & diesen Roadtrip gemacht. Und diesen Roadtrip haben wir festgehalten auf Bildern und ist quasi jetzt unsere nächste Single und beschreibt diesen Weg, diese Reise ans Meer.

Und die Single heißt dann …?
„One“. Und „One“ ist nicht die Frau, kann auch die Frau sein, die man besingt, aber ist in erster Linie eher das Meer, die Sehnsucht nach dem Meer. Und „The One“ ist das Meer. Was unsere Sehnsucht ist in dem Song. Und deswegen landen wir am Ende von dem Song auch am Meer. (lacht)

Geil. Ihr wolltet damals Fans mitnehmen, oder? Auf die Reise.
Ja, wir wollten eigentlich ’nen geilen alten Bulli, so ’n T2. Haben wir ’nen Facebook-Aufruf gemacht und haben gefragt einfach: „Wer hat Bock mit uns mitzufahren, wir wollen so ’ne Kolonne machen, so ’n Konvoi.“ Es haben sich unglaublich viele Bullis gemeldet und als ich dann die Wegbeschreibung rauslassen hab‘, weil wir sind ja net nur Autobahn gefahren, wir sind ja nur komplett Pässe gefahren, über die Berge drüber, so richtig alte, alpine, hochalpine Alpenstraßen. Und die ganzen Bullis haben gesagt: „Oi Alter, Fuck, das ist zu krass, ist ’ne endsgeile Tour, aber die ist zu krass für unsern Bulli, der verreckt uns, der gibt ’n Geist auf.“ Und so haben wir leider diese Tour halt mit unserem eigenen Bulli machen müssen. Und wir können wenn dann nur kleine Touren machen mit den ganzen Bullis, das war leider schade, aber so haben wir jetzt ’n schönes Wandervideo. Deswegen sind wir viel gewandert (lacht). Also ist jetzt eine Alpenüberwanderung.

Das ist auch in Ordnung. Wäre ich gern dabeigewesen. Schon wieder. Das sind einfach so geile Sachen (Rainer lacht), die macht man einfach. Man liest das immer ganz schön bei euch. Wird nicht langweilig.
Es war auch schön. Und es war chaotisch teilweise auch, es war ein Aben…, es war wirklich ein Abenteuer. (lacht)

Jetzt gehen wir mal von der Zukunft, obwohl wir schon wieder ein bisschen abgeschweift sind, noch ein bisschen in die Vergangenheit. Ihr wart ja schon ein paar Mal in Hamburg. Was habt ihr denn für Eindrücke aus der Hansestadt mitgenommen?
Ich warte immer irgendwie auf den Moment, so, bis so ’n Moment kommt, dass es mir Hamburg versaut. Aber er kommt nie. Also es ist …, diese Stadt ist einfach zu geil. Immer, wenn ich in Hamburg bin, ist es so positiv, von den Menschen her, vom ganzen Vibe, von der Stimmung, das ist einzigartig. Also diese Stadt ist …, würd‘ ich sofort unterschreiben hier zu leben. Nach München sag ich jetzt mal. München ist natürlich, da komm ich her, das ist die Heimat. Aber Hamburg wär‘ die Stadt in Deutschland, wo ich sofort unterschreiben könnte. Es ist einfach alles, hier der Hafen zum Beispiel, diese Weite, diese Freiheit, du bist am Anschluss zum Meer, sagen wir mal. Und du merkst es an den Leuten, die sind sehr entspannt, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber ultra straight und des ist so eine geile Kombination. Und immer wo wir hingekommen sind, war es immer total angenehm mit den Menschen hier zu arbeiten und Musik zu machen. Und wir werden, glaube ich, das ist die Stadt in Deutschland, wo wir immer am wärmsten und am offensten empfangen werden, worden sind. Bis jetzt immer. Deswegen sag ich’s so blöd, ich wart‘ irgendwie immer nur so auf den Moment, bis irgendwas passiert, aber es passiert nie was in Hamburg. Es ist geil!

Also ist diese hanseatische Kühle eigentlich ’n Klischee.
Ja, irgendwie schon. Ich kann die net feststellen. Ich weiß net, da gibt’s andere Städte, die sind viel krasser in ihrer Kühle. Aber Hamburg ist gar net so. Ja, lustig. Ich kann’s net erklären, warum des ist, aber es ist einfach, man fühlt sich sofort wohl, wenn man reinkommt in diese Stadt. Hat einfach ’n Vibe. (lacht)

Okay, jetzt kommen wir schon wieder zur letzten Frage. Etwas, was mich persönlich sehr interessiert. Du kennst ja den Songtext von Imagine.
Ja (lacht), okay.

Klar kennst du den. Glaubst du an Imagine?
An diesen Songtext?

An das was er sagt. Weil ich glaube …, du vermittelst diesen Eindruck auch. Diese ganze Zielsetzung … Jetzt lege ich dir erstmal ein paar Sachen in den Mund und dann kannst du das alles gleich zerreißen. Was einem so vermittelt wird, du musst dies und das machen, das Beispiel mit der Agentur. Oder versuch es doch einfach mal. Und ich glaube, das gipfelt viel in diesem „Imagine all the people living for today“. Dieser ganze Religionskampf, der momentan ausgetragen wird, diese Vorstellung, wenn es das alles nicht geben würde, würde man sich doch irgendwie in so ’nem Song oder Album von euch wiederfinden und einfach das Leben genießen.
Schön gesagt. (lacht) Wahrscheinlich trifft’s des schon. Also ich muss gestehen, ich bin keine großer Beatles-Fan. Ich finde ihre Musik grandios, die haben tolle Songs geschrieben, aber dieser Text, ja, drückt natürlich diesen Moment aus. Den Moment, den man genießen soll. Des ist des, an was ich halt jeden Tag versuch‘ zu arbeiten. Ich bin Deutscher und als Deutscher wächst man so auf, dass du immer Sicherheiten schaffen musst irgendwie. Dass dir gesagt wird: „Pass auf, du musst am besten fünf Versicherungen mehr abschließen, damit du safe bist, wenn was passiert.“ Du musst für deine Rente vorsorgen, du musst schauen, das alles abgesichert ist, mehr oder weniger. Und es wird einem hier, ja, natürlich schon vorgelebt halt in Deutschland. Ich weiß net, das ist halt so bei uns. Ich denke mir aber, es ist manchmal zu extrem. Und wünschte mir natürlich auch, dass ich selber auch entspannter leben könnte. Ich bin selber natürlich immer am arbeiten, dass ich an Sachen entspannter rangeh‘, erwische mich selber, dass ich fünf Absicherungen brauche, dass ich vielleicht noch mal fünfmal anruf‘ vor der Show und des & des check‘, ob des passt, bin ein Perfektionist, ist klar. Aber dann wieder versuch‘ diesen Moment zu genießen. Und den genießen wir leider in Deutschland viel zu selten. Wir schauen gerne zurück, in die Vergangenheit, wo alles cool war und vielleicht besser war. Wir schauen aber auch sehr extrem voraus. Wir planen unsere Wochen schon voraus, was machen wir da und da, der und der Termin und so und so weiter. Und des hat mir halt a bissel so gezeigt, die Zeit in Afrika. In Afrika war dieser Moment einfach …, diesen Moment genießen. Dieses „Du lebst nur einmal auf der Welt“, davon bin ich überzeugt, sag ich mal, knallhart. Du bist nur einmal hier und des spürst du in so ’nem Land wie Afrika. In Kenia, wo des war, dieser Kontinent Afrika besser gesagt, wo du diese Lebensfreude spürst halt einfach. Die Leute leben jetzt und jetzt passiert’s grade und net so wie inner Zukunft. Also du kannst jederzeit sterben, des ist das Ding da. Oder der Löwe kommt und frisst dir auf (ich fange an zu lachen), klingt jetzt beschissen, aber des ist wirklich so. Wenn du in der Steppe spazieren gehst, kannst dir passieren. Und das haben wir halt gar net, hier gibt’s keine, hier gibt’s nichts. Hier wirst halt höchstens mal vom Auto überfahren. Oder fliegst von der Leiter daheim runter, wenn du die Glühbirne anschraubst. Aber das sind keine Gefahren. Und bei uns ist dieser Tod im Prinzip ausgeblendet, gibt’s net. Und wenn jemand stirbt, ist das immer totaler Schock für uns. Und wenn man sich dieses Bewusstsein ein bissel reinruft, immer wieder reinruft, sagen wir mal. Dass du nur einmal da bist, dass es passieren kann, dass du morgen stirbst und net alles auf 15 Jahre voraus planst, dann bist du a bissel gezwungen, dass du den Moment wieder genießt. Das du jetzt denkst, okay, wen habe ich vor mir, wer bist du, mit wem red‘ ich da, mal Fragen stellen, was machst du, was tust du und des sollten wir glaub‘ ich a bissel mehr wieder finden, so diesen Moment. Anstatt zuweit vorauszudenken, vorauszuplanen.
Danke für die ganz, ganz ehrliche Antwort.

Interview: René Biernath

 


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