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Interview: Kuult

kinder-der-90erAuf einen Kaffee mit Kuult zwischen Erinnerungen und familiären Miteinander. Wenn das Knust aus allen Nähten platzt, Luftballons auf die Bühne fliegen und das Publikum lauter singt als die Band, dann sind Kuult im Haus. Vor kurzem haben wir euch die Kinder der 90er wärmstens ans Herz gelegt, wer sie aber trotzdem verpasst hat oder aber mehr erfahren möchte, kommt hier in den Genuss von kleinen intimen Fragen, die wir den Jungs gestellt haben.

Noch immer läuft euer Album „Mit Worten“ bei mir auf und ab und ich habe selten ein Album gehört, in dem die „Kindheit“ so einen großen Stellenwert hat. Wie prägend sind diese Erinnerungen?

Chris: Wir haben bei dem Album gar nicht darüber nachgedacht, wie wir die Songs schreiben oder was für Themen wir da rein bringen wollen, sondern einfach bunt drauf los geschrieben. Du bist übrigens die Erste, die das gesagt hat und jetzt denke ich gerade erst darüber nach, aber da ist schon sehr viel Erinnerung in den Songs, das stimmt. Aber das ist total unbewusst passiert, wir haben einfach geschrieben und dann ist das dabei raus gekommen, deswegen kann ich dir gar nicht sagen woran das überhaupt liegt.

Crause: Die Songs sind ja auch teilweise miteinander verwoben. Wenn man jetzt z.B. einen Song hat, wie „Hallo“, der ist ja über eine alte Freundschaft und manche Freunde, die hat man einfach schon seit der Kindheit, ewig lang. Daher vielleicht.

Chris: Ich denke auch, dadurch, dass es unser erstes Album ist, konnten wir auch ganz von vorne anfangen zu erzählen. Die Songs sind ja alle aus dem Leben und Geschichten, die wir wirklich erlebt haben und gerade deswegen konnten wir auch chronologisch und dann rückblickend nach vorne raus schreiben. Deswegen haben wir vielleicht ältere Geschichten ausgepackt. Wie es beim zweiten Album sein wird, das sehen wir dann.

„Hippster ohne es zu wissen“ heißt es zwischen Kassetten, Mario Kart, Bravo und Liebesbriefen auf Zetteln in „Kinder der 90er“. Was haltet ihr von dem medialen Hype und den vielen Schubladenzuordnungen?

Chris: Ich glaube, dass Sachen immer so lange gefeiert werden und cool sind, bis sie jeder feiert und jeder cool findet und dann sind sie wieder out. Man muss entweder der Erste oder einer der Ersten sein, wie beim Hipster. Was ist überhaupt ein Hipster? Jeder wollte Hipster sein, bis jeder Hipster war und dann war Hipster sein schon wieder scheiße.

Philipp: Es gibt zwei Seiten auf jeden Fall. Als Band ist das natürlich sehr wichtig. Wer nicht präsent ist und an der Band teilhaben lässt, der ist eben auch nicht so präsent bei den Leuten. Ich denke, das ist da nochmal was Anderes als bei Privatpersonen. Da bin ich jetzt auch kein Fan von dem, der „Mist, ich hab mir jetzt gerade die Suppe versalzen“ postet, aber auf der anderen Seite muss es  einfach jeder machen wie er will. Jeder hat da seine Meinung oder postet auch mal irgendeinen Mist, aber eigentlich sind wir da ziemlich tolerant.

Ihr postet ja relativ viel, deswegen auch die Frage.

Chris: Aber wir posten ja immer Sachen, die irgendwas mit Musik zu tun haben, zumindest größtenteils. Auf der Kuult Seite ja sowieso. Da posten wir super selten mal sowas wie „Wir sitzen gerade im Backstage und trinken Kaffee“, eher im Hinblick darauf „Wir sitzen gerade im Backstage und spielen gleich ein Konzert“, aber das ist alles mit Musik verknüpft und so mache ich das auf dem privaten Profil auch, glaube ich. Da poste ich höchstens mal in regelmäßigen Zeitabständen etwas mit Sport, aber sonst hat es wirklich immer etwas mit Musik zu tun, irgendeine Probe oder beim Songwriting gerade ein Bild aus dem Studio. Wir sind ja eine Band und die Leute wollen ja Musik von uns, deswegen ist die Verknüpfung da wichtig.

Crause: Ich glaube aber auch, dass wir das alles in einem normalen, sinnigen und in einem gesunden Rahmen so machen. Wenn man sich andere Künstler, Bands oder Personen des öffentlichen Lebens anguckt, die posten alles mögliche und ob das sinnvoll ist teilweise. Man muss ja nicht alles mitteilen.

Chris: Es gibt viele Sachen, die bei uns passieren, die wir einfach gar nicht mitteilen, logischerweise.

Philipp: So ein gewissen Grad an Privatsphäre hält sich jeder von uns noch frei.

Chris: Das ist auch wichtig.

Philipp: Wo man sagt, das bin ich und das möchte ich auch so für mich behalten oder einfach nur innerhalb der Familie. Ich würde aber nie Bilder von meiner Familie unterm Weihnachtsbaum oder so posten. Gewisse Grenzen gibt es, aber was uns selbst angeht, ohne externe Personen, da gibt man gerne viel von sich preis, um zu zeigen wer man ist und irgendwie ist das auch Business.

Immer on Tour. Und dann noch die eigene Musikschule sowie verschiedenste Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern. Wie schafft ihr es  diese ständige Bewegung unter einen Hut zu bekommen? Und bleibt da überhaupt noch Zeit für das Drumherum?

Chris: Wir schlafen nicht mehr, wir sind mittlerweile Vampire. Nein, das stimmt, das ist viel. Montags bis Donnerstags sind wir Lehrer und unterrichten Gitarre, Bass, Songwriting und sowas, allerdings eher Nachmittags. Vormittags machen wir selbst Songwriting für uns, für Kuult und Freitag und Samstag sind wir dann unterwegs. Aber wir brauchen das auch irgendwie.

Da bleibt ja gar keine Zeit mehr für euch.

Chris: Aber das sind ja wir. Als Musiker ist man doch total happy, wenn man Montags bis Sonntags das machen kann, was man liebt. Und das machen wir ja. Montags gehen wir halt in die Musikschule und geben das, was wir können und gelernt haben an Andere weiter und am Wochenende sind wir selber auf Tour, ich mein wie geil ist das? Und machen halt die ganze Woche Musik und das wars. Natürlich machen wir aber auch mal Sport, gehen bowlen oder ins Kino.

Crause: Oder ins Museum.

Chris: Nein, das machen wir weniger, ehrlich gesagt. Aber, das ist doch geil, dass man das machen kann was man liebt oder?

Philipp: Aber ich glaub Musik ist halt einer der Berufe, da kriegst du glaub ich nicht zu viel von. Das ist halt kein normaler 8/5 Job, wo man halt arbeitet und überhaupt kein Bock darauf hat. Wir machen das aus Überzeugung und weil es unser größtes Hobby ist. Niemand von uns hatte die Idee, am Anfang, ich werde Berufsmusiker. Das hat sich dadurch, dass wir sowieso so viel Musik machen, ergeben und dann hatten wir einfach Glück. Deswegen können wir eben so weiter machen und trotzdem sitzen wir oft abends zusammen trinken einen Wein oder grillen, aber irgendjemand hat immer eine Gitarre in der Hand, spielt und singt. Das ist in der Situation dann nicht Arbeit, sondern Hobby und verknüpft sich dann halt so. Als Musiker ist man einfach rund um die Uhr Musiker.

Crause: Aber sonst funktioniert es auch nicht, aber in keinem Beruf und keiner Passion. Wenn man was Halbgares macht, dann wird es auch halbgar.

In eurer Musikschule legt ihr den Fokus u.a. derbe auf die „Sozialkompetenzen“. Ich würde mal frech behaupten, das ist nicht unbedingt ein Spezialgebiet von Musikern. Wie kommt es also dazu? Ist das auch ein Stück weit dem Pädagogen in euch geschuldet?

Crause: Musik ist ja eine Sache, die kann man für sich alleine machen, aber die macht man auch mit oder für Andere, so zusammen. Und wenn man mit anderen Leuten zusammenspielt, muss man Teamplayer sein. Man kann sich jetzt nicht selber in den Vordergrund spielen, man muss lernen, wie man sich zurück nimmt, muss Räume lassen und das ist Sozialkompetenz. Das fließt da mit ein. Wenn jetzt jemand total egoistisch ist, das nicht gelernt hat, mit Anderen zusammenzuarbeiten, funktioniert das nicht. Das ist ja wie eine Fußballmannschaft. Es bringt nichts, wenn man top Stürmer hat, die immer nur Tore schießen. Wenn die keine Bälle zugespielt bekommen, dann gibt es auch kein Tor.

Philipp: Für uns alle ist das auch in Kuult_Tanja_Kiliander Schule so wichtig, weil wir selber die Erfahrung gemacht haben, dass Musik extrem viel Einfluss auf die Entwicklung des Menschen nimmt. Wir arbeiten ja auch viel mit kleinen Kindern und das ist einfach ein riesen Faktor, der formt den Charakter, die Interessen, man hört anders Sachen und es ist ja auch erwiesen, dass z.B. die Gehirnhälften anders miteinander verknüpft werden und man wird motorisch besser. Das sind einfach so Sachen auf die legen wir totalen Wert. Wir hatten mal einen, der war extrem hyperaktiv, der kommt, wenn er Musik macht zur Ruhe und man merkt richtig wie es dem Menschen hilft und beruhigt. Das kann ja auch einfach so Seelenbalsam sein. Und dementsprechend muss nicht jeder Profimusiker werden oder wer weiß was damit erreichen. Es reicht halt, wenn es einen selber glücklich macht, auch wenn man nur seine drei Akkorde spielen kann. Es nimmt halt viel Einfluss auf einen und das haben wir alle drei verstanden. Deswegen war es uns wichtig, das in unser Konzept zu integrieren.

Ihr habt irgendwann mal gesagt, Hamburg wäre eure zweite Heimat. Hand aufs Herz, was verbindet ihr denn mit unserem schönen Hamburg?

Crause: Wir haben gerade in unseren Anfängen, wenn man mal so zwei Jahre zurück geht, relativ viel in Hamburg gespielt und die ersten Erfolge, hier feiern können. Und das wir heute hier im Knust sind, das ist ja kein kleiner Club mehr und ich will nicht sagen hier hat alles angefangen, aber hier haben wir die ersten Schritte genommen.

Chris: Man muss natürlich auch sagen, Hamburg ist ein Volk, das natürlich unglaublich schön zu Musik abgehen kann. Hier kommen immer sehr, sehr viele Leute für uns, warum auch immer. Wir haben natürlich auch oft hier gespielt, aber uns freut das unglaublich. Wir haben in Hamburg echt eine Stimmung, die wir so selten woanders haben, da sind wir ganz ehrlich. Deswegen macht Hamburg immer so viel Spaß. Egal wer einem hier über den Weg läuft, man fühlt sich direkt aufgenommen, angenommen und integriert. Das ist tierisch geil. Das macht einfach Bock hier zu spielen und deswegen mögen wir Hamburg richtig gerne.

Crause: Ich glaube, das geht auch jedem so, der hier in Hamburg lebt. Das sind ja bestimmt auch nicht alles Hamburger, die heute hier sind. Hamburg ist ja so eine multikulti Stadt und deswegen fühlt sich hier jeder heimisch, Zuhause und willkommen.

Philipp: Ja eben. Und hier sind wir auch nicht nur zum spielen, sondern nehmen uns die Zeit, um abends noch raus zu gehen. Das ist auch nicht in jeder Stadt so. Woanders fahren wir manchmal schnell aufs Hotel, setzen uns unten vielleicht noch hin. Hier sehen wir gerne noch etwas von der Stadt oder kennen eben auch schon vieles und dementsprechend ist Hamburg auch zu unserer zweiten Heimat geworden.

Da muss ich direkt an eure spontane Jamsession vor dem Gruenspan, nach dem Yourfone Songcontest, denken. Das ist sowas Typisches, was man mit euch verbindet, ob mit dem Management, den Fans, es ist immer ein familiäres Miteinander.

Chris: Ist auch so, siehst du genau richtig und das macht uns auch den meisten Spaß. Das Team intern klein halten. Wir sind so zu fünft oder sechst, wie ein Familie tatsächlich mittlerweile und geben das auch als Familie weiter nach außen und freuen uns, wenn man mal so etwas Kleines machen kann, wie Straßenmusik, so back to the roots. Einfach die Gitarre in die Hand nehmen und was spielen, denn so fängt ja alles an. Natürlich ist es geil, wenn da so 400-500 Leute kommen, in Essen waren es ja noch mehr. Das Andere ist deswegen nicht weniger schön. Jedes hat seine Reize und es kann genauso toll sein, sich in den Backstage zu setzen, Gitarre zu spielen und da sitzen so drei, vier, fünf Leute, die das total geil finden und die das berührt oder du stehst in der Halle und das ist alles super cool.

Philipp: Was mir auch immer wieder auffällt, wenn man Facebook oder so aufmacht, sind die Fans untereinander auch irgendwie eine Familie geworden. Die haben riesen Stammtreffen, fahren zusammen zu Konzerten, verbringen ein schönes Wochenende und ich glaube da sind riesen Freundschaften entstanden und das finde ich auch gerade gut bei uns, dass wir so ein offenes Publikum haben. Die mauern nicht, die schließen jeden mit ein, die wachsen, sind eine große Familie geworden und wir wissen das natürlich total zu schätzen.

Interview: Tanja Kilian



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