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Interview: Julian le Play

Julian le PlayDer smarte Österreicher Julian le Play wirft zugunsten der Knack den Krebs Charity seinen Anker in Hamburg aus. Immer auf der Suche nach neuen Worten und Kompositionen, die weit ab von dem typischen Singer-Songwriter sind. Trotz seiner jungen 25 Jahre lässt er sich nicht entgehen, seine Musik selbst in die Hand zu nehmen und dafür durchaus auch mal alleine auf die Reise zu gehen, zu neuen Ideen und zu sich selbst. Wie das aussieht hat Julian le Play uns abseits der Bühne aufgezeigt.

Am 28. Februar 2017 kommt er erneut in den Knust für seine eigene Zugvögel Club Tour.

Deine Musik ist geprägt von intensiven Gefühlen und starken Beats. Ich nenne das mutig. Die Gefahr, dass die Gefühle dabei ausgestochen werden, ist meines Erachtens sehr hoch. Wie ist diese Kombination entstanden?

Das sind immer zwei Seiten, die in mir drinnen stecken. Die eine ist die gefühlvollere. Ich beschäftige mich gerne mit dem, was mich wirklich interessiert, wie eben Gefühle. Wie geht es dir, wie geht es mir, wie geht es uns? Und die andere Seite ist, dass ich natürlich auch gerne mal gut drauf bin, raus geh, fort geh und Hip Hop auch gerne mag. Das ist so die positivere Seite. So ein Song wie „So leicht“ hat ja auch einen leichten Hip Hop Groove. Das sind einfach so zwei Seiten, die ich da gerne kombinieren wollte. Wobei das zweite Album „Melodrom“ an sich eher etwas ruhiger ist, während die beiden anderen Alben eher schneller und Beatlastiger sind. Ich finde, das macht es auch ein Stück weit besonderer, wenn man probiert, verschiedene Elemente zu kombinieren. Nicht nur Gitarre und Gesang auf die gefühlvolle Art, so wie Singer-Songwriter, das wollte ich nie sein. Ich mag es, diese Beats und den Producer Zugang zu haben und diesen ganz anderen Sound zu spielen.

Wieso wolltest du nie Singer-Songwriter sein?

Weil es mir auf der Bühne zu wenig Spaß macht. Ich habe meine Songs, wo ich das auch mal gerne mache, eine Phase des Konzerts, aber ein ganzes Konzert lang ist mir das zu monoton. Und eben zu einseitig, das ist ja nur ein Teil von mir. Darum geht es eigentlich.

Du hast dich für dein drittes Album „Zugvögel“ auf die Reise gemacht und ziehst dich auch sonst oft ins schöne Kroatien zurück. Wie wichtig ist dir diese Unabhängigkeit und in wie fern hat die Reise dich verändert?

Die ist mir sehr wichtig, zumindest zu wissen, ich könnte immer überall sein. Auch wenn ich mal sehr gerne Zuhause bin, aber ich muss im Hinterkopf wissen, ich könnte jetzt auch morgen meinen Koffer packen und mal eine Zeit lang weg gehen. Aber die Reise, was hat sie mit mir gemacht? Erstmal ist dabei ein Album entstanden, also „Zugvögel“.

War die Reise auch für die Entstehung des Albums gedacht?

Ehrlich gesagt, ja, würde ich schon sagen. Ich habe mir gedacht, ich fordere mich jetzt einfach mal selbst heraus, nach dem zweiten Album. Ich kapsel mich total ab von dem, was ich da in Wien habe, von allem was ich bis jetzt gemacht habe, fahre einfach weg und schau was mir einfällt. Das war ein Test. Anfangs war ich nur in Lissabon, da hat das so gut geklappt, dass ich es zum Programmpunkt gemacht habe. Mir hat es selber auch gut gefallen, ich habe viel gesehen, viel auch über mich gelernt, was ist mir wichtig, wer ist mir wichtig und da sind die Texte dann so geflossen.

Gerade wenn du sagst „Wer ist dir wichtig“, ist es nicht gerade da schwierig die Familie, Liebe oder Freunde mit dieser Unabhängigkeit zu verbinden oder ist es eher ein Miteinander?

Ich denke, jeder, dem man wichtig ist, der nimmt es ja hin, dass man so ist, wie man ist und dass mir das halt ganz wichtig ist. Es gibt auch Zeiten, wo das ganz anders ist, aber die paar Leute, die wissen, wie ich drauf bin. Natürlich sagt man manchmal, wäre es ein bisschen anders, wäre es einfacher, aber ja mein Gott, das ist kein Wunschkonzert.

In deinem Song „Madrid“ hast du gesungen „Wer braucht schon Geradeaus, ich bin stolz auf jede Narbe“, wie viele dieser Narben oder besser gesagt Erfahrungen verarbeitest du in deinen Songs und ist Musik für dich auch ein Ventil zur Verarbeitung?

Ja, auf jeden Fall. Das ist so symbolisch gemeint, ich bin stolz auf das was schief gegangen ist, dass es schief gegangen ist und man lernt ja meistens auch daraus. Was ich aber dazu sagen muss, ich mache es nie im Anschluss an solche Erfahrungen. Wenn es mir schlecht geht, ist es nicht das Erste was ich mache, dass ich mich dann einfach hinsetze. In erster Linie mache ich dann zu, verschließe mich und knapse mich ein, muss ich dazu sagen, da bin ich einfach so. Und auf solchen Reisen, das kann auch im Nightliner bei Revolverheld sein, wenn ich weit weg bin und es alles schon ein bisschen länger zurückliegt, da kommen diese Sachen langsam hoch. Dann kommt so ein Schalter. Das kommt nie direkt nach so einer Erfahrung, das ist viel zu frisch, um darüber zu schreiben.

Kommt das auch durch diese Bilder, die du während deiner Reisen entdeckst?

Oft, ja. Das sind so Symbole, sowas wie bei „Mein Anker“. Oft begegnen mir sogar bildhaft irgendwelche Sachen und plötzlich sehe ich Symbole, die möchte ich dann in meinen Texten verarbeiten.

Wo ist dir der Anker begegnet?

In Rovinj/Poreč, in Kroatien. Da gibt es zwei, einen Kleinen und einen Großen.

Musik ist eine Sprache, die verbindet, egal wo man herkommt und welche Sinne man nutzt, wie in der Musiktherapie, in die die Einnahmen von Knack den Krebs fließen. Wie kommt es deiner Meinung nach zu dieser Besonderheit?

Das ist eine sehr gute Frage, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ohne Text, muss man auch dazu sagen, weil bei mir funktioniert es oft, dass meine Musik Leute, die nicht mal deutsch sprechen, hören und sagen, ich glaube, ich weiß, was du meinst. Nur allein von der Musik. Deswegen bleibt da erstmal nur Musik. Vielleicht, weil man von klein auf damit aufwächst und damit so viele Geschichten festgehalten werden. Jeder hat irgendwelche Erinnerungen an früher. Ich kann es dir jetzt körperlich nicht erklären, warum Musik dir so eine Gänsehaut macht. Rein schon als Einjähriger, nicht erst wenn du Achtzehn bist und den Text verstehst, hörst du Töne und beginnst irgendwie dich zu bewegen. Warum das so ist, das weiß ich nicht, vielleicht ist es auch gut, das nicht zu erklären. Das ist einfach gut, dass Musik sowas mit einem machen kann. Für mich ist das nämlich eine der einzigen Formen, wo man wenig Vorwissen oder Bildung braucht. Ein Buch lesen, dafür muss man lesen können und eine gewisse Intelligenz haben, um es zu verstehen, ebenfalls beim Malen, Tanzen und so. Bei Musik ist das so, du kannst eben noch so jung sein und noch nicht wirklich viel, aber dich bewegt es. Das passiert von selbst. Das ist fast so wie mit Licht, das dich positiv stimmt. Genau so ist Musik.

Interview: Tanja Kilian



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