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Interview: Francis Rossi (Status Quo)

francisrossi1Am 21. Oktober erschien „Aqoustic II – That’s A Fact“, das zweite akustische Album von Status Quo! Wir trafen Francis Rossi, um mit ihm über die Platte zu sprechen. Warum die Telecaster-Gitarren bei den „Whatever You Want“-Rockern an den Nagel gehängt werden zum Beispiel …
Francis, du redest den ganzen Tag über …
Scheiße.

 

… euer neues Album, es war ein langer Tag.
Ja, du kannst es in meinen Augen sehen. Wenn du alt wirst, wandern deine Augen Richtung Nacken, wie bei einem Truthahn. Es ist wahr. Du wirst da eines Tages landen. Oder du stirbst zuerst. Du willst nicht sterben.

 

Ich hoffe nicht.
Nein, du willst ehrlich 65 werden.

 

Ja.
Es ist gut.

 

Ja, ich bin gespannt drauf. Was willst du uns über euer neues Akustik-Album „That’s A Fact!“ erzählen?
Ich weiß nicht. Ich mag es, denke ich. Ich habe es seit Weihnachten nicht mehr gehört, das letzte Mal hörte ich es am letzten Tag im Studio. In diesem Moment erinnere ich mich, dass im Studio alles exakt wie geplant lief. Zu allem anderen kann ich nichts sagen. Also habe ich bis Januar gewartet und es mir dann nochmal angehört. Aber soweit sagen die Leute, es ist besser als das erste Album, aber vielleicht sagen sie das auch nur zu mir. Ich denke, es ist besser als das erste, vielleicht sage ich das nur zu dir. Es hat echt viel damit zu tun, was die Leute drüber denken. Und eigenartigerweise, wenn du mich vor dem ersten Akustik-Album gefragt hättest, das haben wir echt toll gemacht, dann wäre ich glücklich gewesen, wenn das zweite genauso wäre. Aber nun sind wir beim zweiten und ich will mehr. Eine der schlimmsten Drogen, die ich je genommen habe, ist Musik. Sie lässt mich nie alleine. Schlimmer als Drogen und Alkohol.

 

Euer erstes Akustik-Album habt ihr 2014 veröffentlicht, nun folgt das neue, wie kam das zustande und warum noch ein akustisches?

francisrossi5Weil das erste erfolgreich war. Wieso gab es den zweiten Teil und diese und die Fortsetzung? Jeder Film. Weil wir in einer kapitalistischen Welt leben. Wenn es erfolgreich ist: „Gib mir noch eins“. So läuft es. „Gib mir noch eins“, das ist erfolgreich. Und ich mag Erfolg.

 

Okay, du bist ehrlich, das ist toll.
Eigentlich sollte das jeder sein. Aber im Showbusiness ist es sehr schwer ehrlich zu sein, denn das Showbusiness ist nicht echt.

 

Also spielst du mit mir?
Nein, ich bin so ehrlich, wie ich es nur sein kann.. Ich werde in einer Minute wieder mit dir spielen.

 

(Wir beide lachen herzlich.)

 

Es tut mir leid, mach weiter.

 

Mit diesem Album veröffentlicht ihr zwei neue Stücke: „One For The Road“ und „One Of Everything“. Sind die Songs Ergebnisse einer akustischen Jam-Session?
Nein, wir haben Andrew Bown gefragt, ob er Songs schreiben mag und ich hatte auch einen. Die eigenartige Sache ist die: Ich mag Andrew Bown-Songs und Mike, der Produzent, mag sie auch. Aber viele Leute sagen nur: „Ah, okay.“ Und die andere Sache ist: Wenn du neue Songs machst, bist du auf einmal sehr geziert. Es ist wie mit Babys: „Fass mein Baby nicht an.“ Aber wenn wir alte Stücke machen, die sind schon da und haben sich bewiesen. Das ist sehr befreiend. Da hast du eine Idee und dann: „Ja!“, „Versuch das!“, „Jaaa!“, „Probier das!“ Aber du machst das nicht mit den neuen. Also vielleicht … wahrscheinlich, wenn das hier erfolgreich ist, gehen wir zum dritten. Vermutlich, ich wurde bereits gefragt (Francis imitiert ein Schnarchen). Und dann ist da die Möglichkeit neue Songs zu schreiben. Das Problem bei uns und auch anderen Bands ist, wir wollen immer mit einem neuen Album kommen. Euch sollen meine neuen Songs gefallen und haut ab mit den alten Liedern. Aber das bist du halt. Und zu denken: „Wir versuchen das nun akustisch“, das werden immer noch neue Songs sein. Ich bin mir nicht sicher, ob das funktionieren wird. Ein bisschen nervös deswegen, aber wir werden es sehen. Ich bin wahrscheinlich älter als deine Eltern, das ist schmachvoll.

 

Aaach.
(Er wendet sich an die Fotografin) Es funktioniert nicht, dass er vorgibt, viel Mitleid mit mir zu haben. Ich habe acht Kinder, die sind alle älter, na ja, fast alle älter als du jetzt.

 

Acht Kinder?
Ja, das sind 16 Minuten Sex. Jetzt bist du beeindruckt, nicht wahr?

 

(Wir lachen uns alle kaputt.)

 

Es ist wahr, ich habe acht Kinder, der Jüngste ist 20 und meinen jüngste Tochter ist 22, denke ich. Und mein ältester, der Gute, ist fast 50.

 

Fast 50?
Ich habe sehr früh Kinder bekommen. Das mit den 16 Minuten beeindruckt dich, aber dann ist es eine echt lange Zeit, es ist nicht so gut (lacht herzhaft).

 

16 Minuten, 8 Kinder …
Zwei Minuten, na komm …

 

Lass mich dadrüber nachdenken.
Es sind zwei Minuten pro Kind! Was?!

 

Du bist gerade auf Tour mit eurer „Last Night Of The Electrics“, aber ihr macht aktuell keine Akustik-Shows …
Nein, momentan nicht. Ich möchte die Tour nicht vermischen, ich denke, das wäre nicht richtig. Das wäre Betrug.

 

Okay, also warum habt ihr dann nicht ein anderes, elektrisches Album veröffentlicht?
francisrossi3Ich möchte keine elektrischen Alben mehr machen. Ich denke, wir kamen an einen Punkt bei „Quid Pro Quo“, ein Album, das wir gemacht haben … Status Quo war ein Rock-Track, eine kleine Ballade … Auf dem „Quid Pro Quo“-Album waren wir fast wie AC/DC, die selben bpm, beats per minute, alles sehr ähnliche Sachen. Und so habe ich am Ende des Albums gedacht: „Oh, ich weiß nicht, wie es weitergeht.“ Dann haben wir den Scheiß (räuspert sich), dann haben wir einen Film gemacht und dazu einen Soundtrack gemacht, das war recht einfach, weil du gehst halt einfach mit dem Film. Und dann kam glücklicherweise die Akustik-Sache vorbei. Ich weiß nicht, wie ich jetzt mit einem elektrischen Album zurechtkommen würde. Aber nun ja, wie auch immer. Ich habe nicht daran gedacht, ein zweites und ich habe auch nicht gedacht überhaupt ein Akustik-Album aufzunehmen. Ich hätte nicht gedacht, eine Werbung für einen Supermarkt in Australien zu machen, aber ich habe es gemacht. (lacht)

 

Es ist alles eine Sache des Zufalls, nicht?
Es ist was auch immer sich ergibt. Wenn Leute dich fragen, warum machst du das, es hat sich so ergeben. Sie sagen: „Willst du das machen?“ – „Äh, ja!“ Und dann tust du es und es ist ein Fehler. Ein anderes Mal tust du etwas und es ist ein großer Erfolg. Du weißt es halt nicht.

 

Das ist das Leben.
Das ist das Leben und so ist das auch mit uns. Wenn man mal zurück in die Vergangenheit schaut, die „Rockin‘ All Over The World“-Zeit, alle haben uns gesagt: „Fantastisches Timing!“ Und man denkt nur so: „Wirklich?“ Wenn wir es rausgebracht hätten, wann wir es wollten, wäre das schon 4-5 Monate früher gewesen. Also das Timing hatte nichts mit uns zu tun. Bevor wir an dem Album arbeiteten, brach unser Schlagzeuger sich sein Bein, als wir Fußball gespielt haben (lacht), somit mussten wir das Album verschieben. Aber als es rauskam: „Tolles Timing!“ (Räuspert sich wieder) „Okay.“

 

Denkst du bereits über eine Tour mit eurer neuen Akustik-Aufnahme nach?
Ja, nächstes Jahr. Da sind einige Shows ab Juni, aber wir brauchen mehr Auftritte. Denn jeder beginnt nun zu verstehen, dass alles ein Geschäft ist. Und wir brauchen X Millionen im Jahr, um unsere Crew, unsere Büros, all die Frauen und die PR zu halten. Das muss alles bezahlt werden. Und es scheint, all die Jahre wollte niemand über Geld reden, weil es halt einfach auftauchte. Und nun brauchen wir das Geld, bevor wir uns zur Ruhe setzen können. Also brauchen wir viel mehr Shows und auch, wenn ich es ein wenig mag, ich bin mir nicht sicher, ob das funktionieren wird. Die elektrischen Status Quo waren vielleicht zu lange sicher …, vielleicht. Aber ich bin mir sicher, gegen 2 Uhr morgens, wenn ich pisse gehe, werde ich da sitzen und drüber nachdenken, was ich zu dir gesagt habe: „Warum sagst du sowas? Sag nicht sowas!“ Also ich weiß nicht, was als nächstes kommt. Es kann gut sein, vielleicht aber auch nicht.

 

Interview: Rene Biernath
Fotos:  Jana Biernath



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