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Interview: Schrottgrenze

schrottgrenze_glitzer_auf_betonIm Januar erschien das wunderschöne neue Album von Schrottgrenze. Das Comeback-Album, das Überraschungsalbum, das Album, mit dem man viele Jahre nicht rechnen konnte. Umso schöner, dass es da ist. Und das es auch so sehr, sehr toll geworden ist. So klassisch, wie die späten Schrottgrenze vor der Trennung, aber doch anders, wieder eigen, ganz schön besonders.

Im Januar schon wurde „Glitzer auf Beton“ schon im Aalhaus vorgestellt, am 10. März kommt die Band zurück und spielt im Molotow. Wir haben vorher bei Sänger Alex Tsitsigias einmal nachgefragt.

Und plötzlich seid ihr wieder da. Täusche ich mich oder seid ihr relativ leise zurückgekommen? Keine Countdowns im Internet, keine nebulösen Ankündigungen, keine große Sache drum gemacht.
Alex: Ja, das stimmt, wir haben relativ spontan wieder angefangen, live zu spielen und 2015 die beiden Anthologien „Fotolabor“ und „Schnappschüsse“ auf Tapete Records rausgebracht. Das ging alles Schlag auf Schlag und war nicht groß geplant im Vorfeld.

Große Sache: euer tolles neues Album. Gab es den einen Moment, wo ihr gesagt habt: „Ja, wir machen ein neues Album“ oder war das ein schleichender Prozess?
Alex: Vielen Dank, das freut uns zu hören. Wir haben uns einige Monate im Proberaum eingeschlossen und erstmal Ideen gesammelt, bevor wir das Album offiziell angekündigt haben. Wir machen die Musik aus Leidenschaft und wollten auf keinen Fall irgendetwas rausbringen was uns selbst nicht flasht.

Und welche Rolle spielte das Geburtstags-Konzert von Herrenmagazin?
Alex: Eine sehr wichtige Rolle. Ohne diesen spontanen Gig wären wir wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, Schrottgrenze zu reaktivieren. Liebe Grüße und Dank an Herrenmagazin!

SchrottgrenzeWas gab es eigentlich zuerst? Die Band war wieder da und dann wurden Songs geschrieben oder hat jemand geschrieben und gemerkt „Mensch, das sind ja Schrottgrenze-Songs“ und es ging seinen Lauf?
Die Band und die Lust auf Live-Konzerte war zuerst wieder da. Als wir dann neue Stücke geschrieben haben, war trotzdem schnell wieder der typische Schrottgrenze-Sound im Proberaum. Wir haben bei dem neuen Album auch bewusst wenig Overdubs gemacht, es sollte im Grunde wie eine pure Garagen-Live-Platte klingen, mit kleinen Fehlern und viel Live-Energie.

Wie ist das Album dann entstanden, wer hat was gemacht und lief irgendwas anders als bei den früheren Alben?
Alex: Wir haben die Musik dieses Mal fast komplett zu viert geschrieben und auch meine Text-Entwürfe zusammen bearbeitet. Früher hab ich oft komplette Stücke in die Sessions mitgebracht, aber wir haben bei „Glitzer …“ schnell gemerkt, das alle in der Band gerade viele gute musikalische Ideen haben und wollten das dieses Mal zusammen kreieren. Hat gut geklappt, finde ich.

Wann wusstet ihr, wie es am Ende klingen würde? Schon ganz am Anfang oder hat sich das erst nach und nach entwickelt?
Alex: Das hat sich im Laufe der Demo-Phase erst entwickelt. Die ersten drei Songs, die entstanden sind, haben wir direkt wieder verworfen, weil sie uns zu bemüht klangen. Kristian Kühl, der Produzent des Albums, hat den Klang auch sehr stark geprägt und die Live-Energie auf der Platte herausgearbeitet.

Gab es Dinge, die ihr musikalisch/textlich unbedingt vermeiden wolltet und gab es Sachen, auf die ihr von Anfang an großen Bock hattet?
Alex: Musikalisch wollten wir dieses Mal keine Extras benutzen, nur die klassischen Elemente: Schlagzeug, Bass, Gitarren und Gesang. Keine Keys, Bläser oder ähnliches. Textlich haben wir uns hingegen ziemlich erweitert und mit „Sterne“ und „Glitzer auf Beton“ auch Songs über Gender, sexuelle Vielfalt und „Queerness“ geschrieben. „Ostern“ setzt sich kritisch mit Patriotismus auseinander. Grade im Zuge des unerträglichen Rechtsrucks war es uns wichtig, mit dem neuen Album politisch Stellung zu beziehen.

Wie schaut ihr jetzt in die Zukunft? Ganz entspannt und ohne zu wissen, wie und ob es überhaupt langfristig weitergeht oder habt ihr jetzt schon Pläne und Ideen für die Zukunft?
Alex: Wir sind da sehr entspannt und machen wenig Pläne. Es gibt schon wieder einige musikalische Ideen bzw. den Plan ein Weihnachtskonzert zu veranstalten, aber konkret steht erstmal die Albumtour an, auf die wir uns sehr freuen.

Wie viel Platz bekommt das neue Album auf der Tour und was dürfen wir sonst noch so erwarten?
Schrottgrenze | Foto: Doreen ReichmannAlex: Wir können im Moment 35 Songs aus 22 Jahren Bandgeschichte spielen und wir spielen jeden Abend eine etwas andere Setliste oder erfüllen ggf. Wünsche auf Zuruf. Und klar, die bekannteren Songs, sowie das Material von „Glitzer auf Beton“ sind jeden Abend dabei.

Tourt ihr inzwischen eigentlich anders als früher oder fühlt es sich heute noch so wie vor 10 Jahren oder 20 Jahren an?
Alex: Wir sind mittlerweile etwas zurückhaltender mit Alkohol und achten darauf, ausreichend zu schlafen. Dafür haben wir heutzutage viel mehr Promo-Termine, Interviews oder Akustiksessions um die Gigs herum. Es macht nach wie vor viel Spaß, loszufahren und die ganzen Leute zu treffen und auf das „Tourloch“ danach ist auch immer noch Verlass.

Interview: Mathias Frank
Live-Foto: Doreen Reichmann


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