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3 (+1) Fragen an: Jonathan Kluth

Jonathan Kluth I Tanja KilianDa platzte die Nochtwache aus allen Nähten, als er uns letzte Woche seine neue Platte präsentierte. Zu lange war Jonathan Kluth in seinem kleinen Kämmerlein verschollen. Zuhause eingeschlossen, baute er kurzerhand sein Schlafzimmer um und nahm auf eigene Kappe sein neues Album “Spaces In Between” auf, das wir getrost weiterempfehlen können.

Zusammen mit Jonathan haben wir die ersten Sonnenstrahlen eingefangen und seinen absurden Aufnahmeprozess mal genauer unter die Lupe genommen.

Wie kam es zu der Entscheidung, dein neues Album “Spaces In Between” Zuhause aufzunehmen? Und wie viel Wohnraum ist dir nach dem musikalischen Umbau noch geblieben?
Die letzte Platte “Ophelia” war ein Bandalbum, da haben wir als Trio viel live eingespielt. Den Reiz sowas von A-Z selbst zu einmal umzusetzen, hatte ich schon länger. Deswegen habe ich alles Zuhause aufgenommen, eingespielt, produziert und bin dann lediglich für den Mix nochmal raus gegangen, aber sonst habe ich alles selber gemacht. Auch aus Interesse, was eigentlich passiert, wenn man sich für eine gewisse Weile in einem Raum einschließt und alleine ist. Das war eine sauintensive Zeit, in der ich viel gegrübelt habe. Da kommt man auch auf verrückte Gedanken und wird ein bisschen sonderbarer. Wenn man sechs Tage die Woche im Kämmerlein verbringt und an den Songs herumschraubt, lösen die Begegnungen mit Menschen ein komisches Gefühl aus. Ich brauchte dann erstmal einen Moment, um mich auf die Situation einzustellen, nicht mehr alleine zu sein. Das geht dann zwar relativ schnell wieder, ist aber ein bisschen so, als würde man alleine in den Urlaub fahren und dort mit niemanden reden. Das waren knapp eineinhalb Jahre. Zwar mit voll vielen Unterbrechungen und nicht am Stück, aber das Schlafzimmer war die ganze Zeit umgebaut. Meine Matratze war oben auf der Gesangskabine, also quasi ein Hochbett, unter dem die Mikrofone zum Aufnehmen standen.

Wie wirkte sich die Lautstärke auf das Verhältnis zu deinen Nachbarn aus?
Das war alles cool, bis ich angefangen habe das Schlagzeug aufzunehmen. Da wurde es dann richtig laut, sodass ich gesagt habe, sie sollen einfach Bescheid geben, wenn irgendwas nicht cool sein sollte. Es hat aber kaum jemand etwas gesagt. Die Aufnahmen mit dem Schlagzeug waren in zwei Wochen tatsächlich abgeschlossen und der Rest war nicht so laut.

Ob Weinglas oder Brauereikessel, du sucht nicht, sondern findest Musik im Alltag. Wie sieht so ein Finden aus?
Mit allem was so rumsteht kannst du Musik machen, das sind alles Instrumente. Ob eine Kaffeetasse, eine Kaffeemaschine oder ein Fahrrad. Die ganze Zeit entstehen Klänge, selbst jetzt, wenn wir hier draußen sitzen, ist super viel los. So etwas einzubauen, in Rhythmen oder in Töne, finde ich spannend. So wie bei “Square” in dem Polo oder “Silverlight“, das ich in der Brauerei für die Quartiermeister Session aufgenommen habe. Bei dem Weinglas, wie ich es für zwei Songs auf “Spaces In Between” verwendet habe, ist das ja so, das schwingt auf einem bestimmten Ton und in dem Fall gab es zwei Stellen, wo es einfach gut reinpasste. Ich probiere das einfach aus. Natürlich muss man sich auch in solche Situationen begeben. Auch mein Fahrrad habe ich einfach in mein Zimmer hineingestellt und ausprobiert, wie es klingt. Jeder Moment, jeder Tag, jedes Wetter, jede Gegend hat eine eigene Stimmung. Wenn ich einen Song schreibe, möchte ich immer eine Geschichte erzählen. Mal etwas kryptischer, mal relativ direkt.

Glaubst du, dass eigene Schwächen für Musik wichtig sind? Immerhin ist dein Album auch fernab der perfekten Aufnahmestudios entstanden.
Total, Schwächen sind immer das was am spannendsten ist. Du kannst Sachen üben, perfektionieren, 100 Jahre daran arbeiten und am Ende durch zahlreiche Wiederholungen nahe zu perfekt sein. Das hat auch seinen Reiz. Musik möchte ich aber nicht nur für mich selbst machen, sondern logischerweise auch für andere Menschen, die daraus etwas schöpfen können. Das passiert meistens dann, wenn du auch deine Schwächen zeigst. Sich in eine Stimmung auch mal reinfallen zu lassen und sie nicht einfach wegzudrängen, finde ich auch wichtig. Wir leben ja schon in einer Welt, in der alle versuchen das Beste aus sich raus zu holen und es eben auch müssen, weil alles sehr schnelllebig ist. Es ist sauwichtig, dass man da ein Ventil hat und nicht einfach alles verbirgt, nur um durch den Tag zu kommen. Das wirkt zwar immer so negativ, aber es kann eben auch total befreiend sein.

Interview: Tanja Kilian



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