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Zirkeltraining des modernen Pop

Digital_Album_JO-KreiseSollte der Kreis doch eigentlich als Zeitwende, mit gleichsamen Rückblick wirken, ist das fünfte Album ein typisches Johannes OerdingAlbum geblieben. So richtig viel Veränderung und neue Inspiration ist nicht wirklich raus zu hören, gleichwohl die Themen, im Vergleich zum vorherigen Album, erwachsener geworden sind.

„Kreise“ besticht vor allem durch die starke wechselhafte Dynamik, die vielen kleinen Details in Wort und Ton, die getragen werden von einem roten Faden, der keinesfalls abbricht oder in Monotonie verendet. Durch die stilistischen Wechsel hebt sich das Album sogar wage vom Pop-Alltag ab und erinnert ein wenig an ein Zirkeltraining des modernen Pop. Irgendwo zwischen schnöden, schnulzigen Pop, Jazz und Funk versucht sich Johannes Oerding neu zu positionieren. Das klappt so medium, in Anbetracht der Songs „Love me Tinder“ und „Zieh dich aus“. Der Wortwitz und die Umsetzung dieser Songs laden eher zum Weiterschalten ein. Wo die Kompositionen etwas zu experimentell klingen, hätten die Texte ruhig mutiger sein können. Weniger ist manchmal mehr, aber das Gleichgewicht der Gesamtheit sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben.

Den wohl stärksten Text findet man lediglich bei „Stein für Stein“, auch „Weiße Tauben“ kann da mithalten, hätte aber gerne etwas mehr Ausdruck und Tiefgang vertragen, um die Botschaft des heutigen Zustands der Welt in Zeiten der Atomkraft- und Kriegsgegner authentischer zu vermitteln.

Johannes Oerdings Alben sindJO_Presse_197_bea keine Platten, die in Dauerschleife laufen können und das müssen sie auch nicht. Doch gibt es auch auf „Kreise“ ganz besondere Stücke, bei denen man einfach hängen bleibt und in der Musik versinkt. „Die Zeit nach der Zeit danach“ ist nicht nur der stärkste Song, sondern einer der in sich absolut stimmig ist. Dicht gefolgt von „Tetris“ und „Unser Himmel ist der selbe“, den er in seiner vermeintlichen Selbstfindungsphase am anderen Ende der Welt geschrieben hat. Das führt erstmal zu keinem Applaus, ein schönes Detail ist aber, dass Johannes Oerding das zum Anlass genommen hat, sich nicht nur an der Popmusik zu orientieren, sondern auch an seiner Umgebung und den musikalischen Merkmalen, die dort vertreten sind, sodass er das Didgeridoo mit eingebunden hat, ungewöhnlich und eine schöne Einbindung, die sich sehen lassen kann.

Insgesamt, trotz fehlender Tiefe der Texte, eines seiner besten Alben, das bis auf zwei Ausnahmen ein durchaus empfehlenswertes Album im großen Popbecken darstellt. Vor allem live dürfte diese Platte einiges her machen und da könnten die schwierigen Nummern, doch noch mal einen ganz anderen Eindruck vermitteln. Wer in den Genuss der neuen Klänge von Johannes Oerding kommen möchte, am 25. November spielt er in der Barclaycard Arena. (tki)

 


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