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Album der Woche: Illegale Farben

Nein, verdammt. Nicht Kettcar machen unser Album der Woche. Sondern Illegale Farben. Denn auch wenn „Ich vs. Wir“ nicht komplett scheiße ist – dieses „Grau“ ist einfach vielfach besser. Ja, vielfach. Und dafür haben die fünf Rookie-Jungs aus Köln gar nicht lange gebraucht, dieses, ihr zweites Album erscheint nur eineinhalb Jahre nach dem bereits berauschend schönen Vorgänger. „Dunkel und verkopft, aus dem Bauch heraus, wild, hemmungslos – hochgradig spannend“, schrieben wir schon damals. Hier. Jetzt sagen wir: „Grau“ ist noch besser. Und noch unbeschreiblicher.

Denn sicher, hier und da schimmern weiter die Label-Buddies Love A durch, an anderer Stelle fühlt man sich an Trümmer erinnert, ein Song wie „Frequenz“ hat so einen, und ich hoffe, das nimmt mir jetzt niemand übel, dezenten Wanda-Touch, dazu denkt man im Laufe der Songs mal an Hotel Schneider und mal an Angelika Express und tatsächlich auch an die formidablen Ghost Of Tom Joad – und immer nur einen Moment, eine Note, ein Wort später: Nö. Das sind weder die noch die oder gar die, nein, das klingt nicht mal so. Das sind Illegale Farben. Nur Illegale Farben. Unbeschreiblich gut.

Ein rundes Dutzend Songs sind auf diesem Album, einzig „Kein Problem“ kann musikalisch vielleicht ein ganz klein bisschen nerven, ist dafür textlich aber ganz große Kunst. Und der Rest ist komplett super. Der Opener „Marsch ins Verderben“ zum Beispiel entwickelt sich nach etwas überraschendem Intro zu einer wahren Hymne, die live jeden Laden und ganz besonders das Hafenklang am 11. November zum kollektiven Schwitzen bringen sollte (11. November: Rookie Records feiert Geburtstag, Keele, die hier, und Illegale Farben gratulieren, Chef-Rookie Jürgen spielt selbst mit Kick JonesesSchreng Schreng &La La führen durch den Abend). Gleiches gilt für Sachen wie „Sirenen“ oder „Schneeweiß“, für die sich die Band in der Neuen Deutschen Welle genau so wie im Wave und Pop und diesem Post-Punk bedient und daraus tanzbare, mitreißende und zu jeder Zeit gleichzeitig erschreckend interessante Songs bastelt. Etwas verkopfter, sperriger dagegen kommen Lieder wie „Die große Stille“ oder „Ein kurzer Augenblick“, die ein, zwei Durchläufe brauchen und auch danach nicht einfach, aber einfach sehr sehr gut sind. Okay, bisschen billig, passte aber grad. Überragendes Album. (mf)

Käuflich zu erwerben gibt es dieses Schmuckstück bei den schmucken Menschen von Finest Vinyl.


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