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Reeperbahn Festival 2017

Alle Jahre wieder … sind wir beim Reeperbahn Festival. Sind gestresst, hetzen von Club zu Club, verpassen Auftritte, sehen die guten Bands zu kurz und genießen doch jeden Moment, jeden Ton, jeden Schluck Bier und jeden Schnack zwischen den Shows. Denn darum geht es ja. Leute treffen neue kennenlernen, die musikalische Vielfalt genießen, unzählige neue Bands entdecken, alte Helden sehen und am Anfang nicht wissen, was am Ende passiert. Und davor und dazwischen und zu jeder Zeit.

Direkt am Mittwoch gab es ohne lange Schlangen vor den Clubs oder beim Bändchen holen mit Matt Holubowski im St. Pauli-Museum die erste tolle Überraschung. Und auch Aliocha im Angie’s war ein typischer Fall für „auf CD war’s mir zu langweilig, aber live richtig gut!”

Am Donnerstag füllten dann Adulescens den Sommersalon, groovte J. Bernardt über die Bühne des Mondoo (gewann dabei zwar irgendwie keine Sympathiepunkte, war musikalisch dennoch schon sehr hörenswert) und wiederholten sich die Post-Punker Gold Class im Kaiserkeller (ohne dabei zu enttäuschen). Später gab’s für die einen als garantiertes Highlight die immer wieder sehenswerten Maximo Park. Dafür lohnte sich auch früh da sein um vorne zu stehen, denn manchmal gewinnt halt doch die Tanzgarantie gegen das Unbekannte in den kleinen Clubs. Und für die anderen im Molotow die Jung-Punks SWMRS die mit einer herrlich arroganten Großkotzigkeit an den Start gingen und einfach alles richtig machten.

Und mit Loney Dear besuchte zudem ein wahres ein Ausnahmetalent die St. Paulikirche. Er bediente gefühlt zehn Instrumente gleichzeitig und trotzdem klang alles noch klar strukturiert. Wer die Chance hat, ihn einmal live zu sehen, sollte sich dies nicht entgehen lassen.

Am Freitag dann endlich wieder Ray Cookes! Nächstes Jahr braucht mancher für alle Tage Urlaub, um es bis 16:00 zum Schmidt Theater zu schaffen – Ray ist einfach immer eine gute Show. Danach ging es für viele in die volle Große Freiheit 36 zu Fink, dessen neuen Songs sehr überzeugten.

Le Trouble im Molotow Backyard klangen leider ziemlich schrammelig (das mag weiter vorne an der Bühne besser gewesen sein …), dafür entschädigte ein zauberhafter Isaac Gracie dann im Molotow selbst. Holygram brachten die Skybar zum Tanzen und Schwitzen und am Ende, als man nur noch sitzen wollte, gab’s noch eine eher lustige als gute Erfahrung mit Mogli im Imperial Theater. Das mag ja als Soundtrack eines Naturfilms wunderbar funktionieren aber live? Also bitte, die Kombi aus Rockmusikern und der mit den Armen in der Luft wedelnden Elfe Mogli war zwar zum Lachen, aber nicht wirklich gut.

Ebenfalls am Freitag: Liam Gallagher ist zurück! Und wie. Er startete im Docks gleich mit dem Klassiker „Rock’n’Roll Star“, gefolgt von „Morning Glory“ und er hatte sofort alle Konzertbesucher auf seiner Seite. Die neuen Songs fügten sich daraufhin gut ein, klingen sie doch sehr nach einem typischen Liam-Oasis-Song. Zum Schluss gab es noch „Wonderwall“, was will man mehr? Love A zum Beispiel, die zeitgleich und nach den durchaus guten Le Trouble im rappelvollen Molotow Backyard spielten und sich auch nicht von Sound-Problemen unterkriegen ließen. Ganz schön geiler Auftritt mal wieder.

Danach ab in die Große Freiheit 36, Beth Ditto stellte natürlich ober-sympathisch ihr neues Album vor – und alle wollten rein, die Schlange war riesig und noch länger als vorm Molotow mit Leuten, die sich Stunden später Death From Above anschauen wollten.  Ein anderes Bild bei den legendären Millionaire, die kurz vor Feierabend vor leider überschaubarer Menge im Kaiserkeller zockten. War trotzdem großartig.

Am Samstag stand für Cookes dann wieder jeder gern in der Schlange! Vorher waren auch auch Dangers Of The Sea schon sehr toll, wenn auch nur für drei Lieder am Reeperbus. Manche von uns bummelten dann durch die dieses Jahr sehr abwechslungsreiche Flatstock-Ausstellung und über das etwas abseits gelegene Festival Village, das etwas verloren wirkte, wenn gerade keine Band spielte, aber  insgesamt doch sehr schön gemacht. Danach ein Highlight des Tages: Banfi im Schulmuseum – entspannte Location mit einer sympathischen Band, die etwas nervös ihre Songs halb-akkustisch zum Besten gab. Die Schlange für Portugal.The Man war unmenschlich, aber was tut man nicht alles für die Lieblingsband. Schon Stunden vorher stehen die Fans vorm Docks Schlange um die Band nicht zu verpassen. Auf der Bühne ist es gewohnt dunkel, aber die visuellen Effekte auf der Leinwand im Hintergrund sorgen für optische Abwechselung. Musikalisch gibt es eine schöne Mischung aus älteren und neuen Songs und die Band hat sichtlich Spaß auf der Bühne. Dumm nur, wenn einen die Security nicht ins Docks lässt, weil die Tasche zu groß sei, die schon vier Tage lang in jedem Club von groß bis klein (einschließlich des Docks!) war. Ach so, und größer als DinA4 war sie natürlich auch nicht. Die Security des Docks bevorzugt halt vollgestopfte Turnbeutel; gegen Lederumhängetaschen hat sie wohl was. Leider hat man als Konzertbesucher keine Handhabe gegen die Willkür des in diesem Fall (ansonsten nur gute Erfahrungen gemacht…) unmöglichen Sicherheitspersonals.

Ebenfalls im Docks überzeugte Tom Grennan  mit soulig-poppiger Stimme und seinen Entertainerqualitäten: Kleiner Mann mit großem Auftritt, bald fliegen ihm sicher reihenweise die Mädchenherzen zu. Und der für den Anchor Award nominierte Joseph J. Jones beeindruckt das gut gefüllte Mojo mit seiner tiefen, souligen Stimme und seinem selbstbewussten Auftreten. Starker Auftritt, starke EP. Und am Ende ein starkes Reeperbahn Festival. Denn ja, wir sind schon durch, haben die Band nicht gesehen, den Geheimtipp verpasst und jenes Highlight versabbelt. So wie jedes Jahr, so wie es sein muss.

Text: Elena Helk | Doreen Reichmann | Mathias Frank
Fotos: Elena Helk | Danilo Rößger | Mathias Frank



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