Ticket-Hotline: 040-343044 (Theaterkasse Schumacher)

SUCHE  

Groupies zum Fenster rauswerfen und Fernseher ficken?

Rockbands sind immer der geilste und dreckigste Scheiß? Fehlanzeige! Auch wenn Luke auf den ersten Blick absolut in das Klischee passt. Wie sich das Sandwichgefühl auf Tour anfühlt und was The Weyers mit Hamburg verbindet, verrieten sie uns im Tivoli.

Am 10. November spielen die schnieken Schweizer als Support von The Rasmus in der Markthalle. Und dafür gibt eine ganz klare Konzertempfehlung!

Der beste Club in den es euch in Hamburg verschlagen hat? 
Adi: Prinzenbar! Das ist ein wunderschönes Venue. Sehr klein, akustisch eher schwierig, weil wir ja sehr laut sind, aber da war eine irre Stimmung, als wir dort vor zwei Jahren gespielt haben.

Gibt es einen Unterschied zwischen einem Festival Gig und Support?
Adi: Beides ist logistisch die größte Herausforderung, weil man die Zeiten sehr genau einhalten muss. Im Gegensatz zu Headliner Shows gleicht das eher einem Sandwichgefühl.

Luke: Beim Support kann man zumindest seine Sachen aufbauen, stehen lassen und später loslegen. Festivals sind dagegen eher unentspannt.

Adi: Was allerdings bei beiden Situationen das Tolle ist, dass man nichts zu verlieren hat. Die Leute sind nicht wegen uns da und haben keine Erwartungen. Die Chance, dass man sie dann überraschen und abholen kann, nutzen wir sehr. Je nach Temperament der Stadt, merkt man das auch während der Show.

Wer hat bei euch im Duo die Hosen an?
Adi: Beide!

Luke: Ich nicht. Hinterm Schlagzeug brauche ich keine Hose, nur Shorts. Nein, Adi ist schon der Bandleader und ich die Band mit der passenden Energie.

Adi, du bremst deinen Bruder öfter mal. Wie darf man sich das vorstellen?
Luke: Er weist mich in die Schranken!

Adi: Wie Luke so schön sagt, ich bin das Gehirn und er ist der Muskel.

Luke: Das ist mehr so, dass er mir sagt „halt dich mal zurück und dafür darfst du das später voll ausleben“. Eben wenn es um die Energie oder Dynamik am Schlagzeug geht.

Welche konkreten Vorteile bietet das Musizieren unter Brüdern? Und welche Nachteile?
Luke: Ein Haufen! Vorteil ist, dass wir schon seit ganz klein Musik machen und dadurch verstehen wir uns musikalisch blind. Dabei kommen wir uns auch nicht in den Weg, weil Gitarre und Schlagzeug eine gute Kombination sind.

Adi: An einer Stelle, wo wir in einen Riff abtauchen, habe ich gestern, während des Konzertes, die Augen zu gemacht und so richtig gefühlt was hier eigentlich passiert. Das Gefühl, von wir sind Brüder und deshalb ist das so, war irre stark. Was wir hier spielen ist so nah bei einander. Nachteile gibt es eigentlich keine. Wenn wir eine Beziehung hätten und ein Paar wären, gebe es immer dieses Gefühle, bleiben wir zusammen oder nicht. Brüder können sich höchstens streiten, aber können sich nicht trennen. Unter der Oberfläche gehören wir immer zusammen. Das erleichtert schon viele Entscheidungen.

Wie kommt es, dass ihr erst vor fünf Jahren angefangen habt zusammen als Band zu spielen?
Luke: Im Kindesalter sind drei Jahre Altersunterschied ein riesen Ding. Da hast du einfach andere Freunde. Adi hat mit seinen dann eine Band gegründet und ich mit meinen Kumpels. So kamen wir dann nie richtig zusammen. Zuhause haben wir trotzdem immer noch nebenbei zusammen Musik gespielt.

Adi: Im Hinterkopf war trotzdem immer mit Luke mal eine Band zu gründen, aber ich habe mich dann auch nicht getraut alle anderen vor den Kopf zu stoßen. Das hat dann noch Jahre gedauert.

Ihr setzt euren Schwerpunkt auch bei der neuen Platte auf das altbewährte Schlagzeug und die Gitarre? Wie kommt es bei euch gerade zu der Kombination?
Adi: Das hat diese ganz klassische Rock-Energie. Und eigentlich faken wir ja das klassische Rock Trio, indem ich die Gitarre noch mit einem elektronischen Gerät eine Oktave weiter unten hinzufüge. Die Idee war mit einer kleinen Besetzung etwas ganz Lautes und Großes zu machen.

Luke: Eine Band ist es erst, wenn du ein Schlagzeug dabei hast! Wenn du nur zwei Gitarren hast, dann ist es eben nur ein Duo.

Vorne detailverliebt und kunstvoll schlicht. Innen ein buntes Allerlei. Wer ist für das Design von eurem neuen Album „Out Of Our Heads“ verantwortlich? 
Adi: Eine Hamburger Agentur, Rocket & Wink. Das sind zwei Männer, die nicht genannt werden wollen und immer mit Masken auftreten. Die haben schon für ganz viele Bands schöne Plattencovers gemacht, dadurch sind wir auch auf sie aufmerksam geworden. Das neue Album von Fünf Sterne Deluxe ist auch von denen gestalten.

Luke: Deichkind haben sie gemacht, Beatsteaks, Royal Republic.

Adi: Das hatte gerade für uns so eine griffige Sprache und es rockt was die machen.

Luke: Das Konzept haben wir mit denen zusammen entwickelt. Die Idee war schon da, das wir das Album so nennen. Vorne sollte es, auf den ersten Blick, relativ einfach sein, eher schwarz weiß. Wenn man dann in unsere Köpfe reingeht, es quasi aufklappt, hingegen bunt werden. Da erscheinen dann diese Collagen mit den bunten Fotos von uns.

Adi: Das ist ja auch das was uns eben verbindet und für uns einzigartig ist, dass wir all diese  Fotos von uns haben, eben auch als Kinder. Das ist ja eine ganz alte und lang gewachsene Geschichte. Und wir wollten das unbedingt da unterbringen, weil es an der Zeit ist die ganze Geschichte mal auszubreiten.

Sex, Drugs und Rock´n´Roll haben auf eurer Platte eher weniger verloren, viel mehr wollt ihr Menschen mit den neuen Songs bewegen. Adi, du meintest, wenn du jetzt sterben würdest, sollten die Songs das sagen, was du wirklich meinst. Klingt nach reifer Vernunft. Wieso ist euch das als Rockband so wichtig?
Adi: Wir sind mittlerweile schon mittelwaise. Über die Jahre haben wir viel erlebt und das will man da rein packen. Das tolle an der Rockmusik ist, dass sie eben frei ist. Wenn wir jetzt nur über Titten und Bier singen würden, wär das lediglich ein Klischee. Wenn wir aber sagen, wir lassen in der Musik unser ganzen Leben stattfinden, dann sind das wieder wir.

Luke: Es geht eben um die Wahrhaftigkeit. Wenn das wirklich so wäre, dass wir Groupies zum Fenster rauswerfen und Fernseher ficken, dann würden wir auch darüber singen.

Adi: Es gibt ja auch noch ein anderes Leben, das wir führen, z.B. als Familienväter. Und dieses Leben wollen wir auch nicht verbergen. Unser Arbeitstitel war deswegen auch ein Familienalbum zu kreieren.

Das größte Kompliment, das man euch machen könnte lautet wie?
Adi: Wir haben mit unserer alten Band ein Album aufgenommen und dann kam so 10 Jahre später eine Frau, die sagte, damals, als dieses Album raus kam, hat sich ein guter Freund das Leben genommen und dieses Album hätte ihr über diese Zeit geholfen. Das fand ich völlig abgefahren. Ein riesen Kompliment! Sowas sollte natürlich auch nicht öfter als ein Mal im Leben passieren.

Interview: Tanja Kilian


Einen Kommentar schreiben