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„Mich in jede Fernsehshow reinsetzen, das würde ich nicht wollen“

YouTube als Sprungbrett ist mittlerweile eine gängige Vorgehensweise, Michael Schulte nutzte es allerdings, bevor der große Hype darum begann. Wie er damit seiner Schüchternheit den Kampf ansagte und was der smarte Sänger im Irrenhaus suchte, das und mehr haben wir im Interview mit ihm erfahren. Und alle die englische Popmusik lieben, denen legen wir die Show von Michael Schulte am 14. November im Knust ans Herz. Aber lest selbst.

Das Video zu deiner neuen Single „Falling Apart“ glänzt mit künstlerischem Minimalismus. Tieftraurig wird das Portrait trotzdem in bunten Farben gemalt. Was bedeuten diese Farben im Kontext?
Eine Trennung beinhaltet immer etwas Positives, wo sich wieder neue Türen öffnen. Wir wollten ein Gleichgewicht zwischen der Melancholie und dem Künstlerischen schaffen, um dem traurigen Song die Dunkelheit ein wenig zu nehmen.

Gibt es eine typische Schulte Macke?
Auf all meinen Bildern sieht man immer nur meine linke Seite. Bei Fotos mit meinen Fans frage ich meistens auch, ob ich auf der linken Seite stehen kann, um meine Schokoladenseite in die Kamera zu richten.

Deine Haare sind ein bisschen dein Markenzeichen und viele wollen in deine Mähne fassen. Hast du schon mal überlegt Haarmodel zu werden?
Nein, weil ich meine krausen und trockenen Haare nicht schön finde. Da bin ich auch sehr eitel. Generell ist es bei Leuten mit Locken so, dass viele die Haare faszinierend finden und den Drang haben da rein zugreifen. Aber es ist nicht so, dass ich das abfeiere.

Schulte im Irrenhaus. Ein ganz normaler Zustand. Erzähl mal, wie bist du in der Comedy Mini Serie „NeoManiacs“ gelandet? Wäre die Schauspielerei auch eine Option für dich?
Ein YouTube Kumpel hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte beim zdfneo TVLab mitzumachen, obwohl ich noch nie schauspielerisch tätig war. Unser Team hat den Wettbewerb dann gewonnen und die eigene Serie neoManiacs bekommen. Ich finde die Schauspielerei spannend, aber auf der anderen Seite auch wahnsinnig langweilig und anstrengend, weil man immer sehr viel wartet. Die Szenen werden aus verschiedenen Perspektiven gedreht, sodass du sie mehrfach spielen musst. Das ist schon sehr langatmig.

Du bist YouTuber der ersten Generation quasi. Was reizt dich an dem medialen Hype? 
Über Zufälle bin ich 2006 darüber gestolpert. Das war etwas spannendes Neues, um herauszufinden, wie andere Menschen meine Stimme finden. Durch meine Schüchternheit war das eine gute Sache, um trotzdem in meinem kleinen dunklen Zimmer zu bleiben.

Lange Zeit gab es vor allem Coverversionen von dir zu hören. Warst du nicht mutig genug, dich deinen eigenen Songs zu widmen?
Die Coversongs wurden natürlich viel mehr geklickt und ich konnte dadurch erst mal eine Fanbase aufbauen. In diesem Songwriting war ich außerdem noch neu und meine Songs waren noch nicht so der Knaller.

Woher kommt deine Verbundenheit zur englischen Sprache? 
Mit englischer Musik bin ich aufgewachsen. Die Melodien finde ich schöner und die Sprache klingt eben nicht so kitschig oder direkt. Mir gefällt die poetische Seite, die ich in meiner Musik ausdrücken kann, besser. Deutsche Musik höre ich nicht und es macht mir auch keinen Spaß in meiner Muttersprache zu singen. Das stand für mich einfach nie richtig zur Debatte.

Wie schwierig ist es englische Popmusik in Deutschland zu machen?
Zumindest wenn du Deutscher bist und englischen Pop spielst, ist es schwieriger. Die Musik kann noch so gut sein, bei Radiosendern  und überall anders ist es trotzdem erst mal sehr schwer rein zukommen. In Deutschland importiert man lieber aus Amerika oder England. Erst mal gibt es einen Anteil von ca. 60 % deutscher Musik, wie Max Giesinger oder Wincent Weiss und für den Rest nehmen die Sender lieber eine Rihanna oder Lady Gaga. Da bleibt nur noch ein Miniplatz für lokale Künstler in englischer Sprache. Der Großteil meiner Hörer bei Spotify kommt nicht mal aus Deutschland, sondern aus Norwegen, Schweden, England oder Amerika.

Erfolg bringt sowohl Licht als auch Schatten mit sich. Wie sehr wünscht du dir auf großen Bühnen zu performen?
Jeder Musiker möchte Erfolg haben, dass seine Konzerte ausverkauft sind und man wahrgenommen wird. Allerdings möchte ich mich nicht als krasses Produkt verkaufen. Jeden Tag ein Konzert spielen, Interviews geben, Radiosender besuchen und mich in jede Fernsehshow rein setzen, das würde ich nicht wollen. Mir ist das private Leben wichtiger und ich will nicht ein ganzes Jahr lang durchgehend unterwegs sein. Die Zeit kann man eben selbst regulieren, um drei Tage Zuhause zu sein und die restlichen Tage auf Tour zu verbringen. Das volle Programm ist ja kein Zwang, man muss eben nur nein sagen können.

Du schreibst nicht nur Songs für dich selbst, sondern auch für andere Künstler. Welche Songs stammen aus deiner Feder?
In der Zeit, als ich eine Auszeit von meiner Musik brauchte, habe ich drei Songs für Alle Farben geschrieben und war mit ihnen auf Tour. Wiederum gibt es andere Songs, die ich zunächst für mich geschrieben habe, aber selbst nicht wollte und für die sich andere Künstler entschieden haben. Einige sind sogar in Polen, Finnland oder Russland gelandet und wurden auf die Sprache dementsprechend übersetzt. Die Songs kommen immer bei dem Verlag, wie BMG, in eine Schublade und wenn andere Künstler auf der Suche sind, dürfen die sich daraus welche aussuchen. Sofern ich Songs gezielt schreibe, ist es mir wichtig, sie auch selber zu singen.

Interview: Tanja Kilian


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