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Album der Woche: Jaya The Cat

Drei, zwei, vier, fünf und zuletzt wieder fünf Jahre – das waren die Zeitabstände der fünf Jaya The Cat Longplayer seit dem Album-Debut 1999. Eilig hatte es Bandleader und Frontmann Geoff Lagadec also noch nie, doch enttäuscht hat das Ergebnis der Warterei ebenfalls noch nie. Mit “Late Night Transmissions” (2007) und “The New International Sound Of Hedonism” (2012) lag der “Basement Style” (2001) ad acta und es wurden fette Messlatten in Sachen Reggae-Ska-Rock gesetzt.

Reifung führt eben bei Whisky, Wein und Musik (alles wichtige Lebensinhalte von Jaya The Cat) zu erstaunlichen Ergebnissen. “A Good Day For The Damned“, heute taufrisch erschienen, bei Finest Vinyl zu kaufen, ist ein echtes Hammer-Album! Nach einer handvoll Songs wird schon klar: Hier schafft jemand perfekt den Spagat zwischen weiterentwickeln und sich-treu-bleiben. Ist man einmal durch, muss man direkt nochmal auf Play drücken. Es ist das bisher abwechslungsreichste Werk der Band. Die Unterschiedlichkeit der 15 Songs fällt auf. Sie bewegen sich nicht so eng im bekannten und liebgewonnen Soundkorsett, sondern reißen eher auf dieser Basis in verschiedene Richtungen aus. Mal klingt es rauh, mal poppig, mal schnell nach vorne, mal im Wiegeschritt groovend. Manchmal gewöhnungsbedürftig, meistens genial. Wir müssen reden.

Wir telefonieren mit Chef Geoff mittags am Tag nach der Hamburg-Show. Die Band ist bereits in Berlin angekommen und Geoff schlürft gerade seine Konter-Bloody Mary zum Frühstück, als wir ihn fragen:

Geoff, warum hat es wieder so lange gedauert, bis zu diesem Album. Schon für 2015 war es angekündigt, also was hat euch aufgehalten?

Nichts Bestimmtes. Einfach wir selbst und die Tatsache, dass wir Idioten sind. Faule Idioten.(lacht)

Das ist ehrlich, danke, aber soll ich das wirklich so schreiben?

Klar, schreib das so, ist die Wahrheit. Also im Ernst, wir haben immer mal weiter gemacht und es dann wieder sein lassen und dann war wieder eine Menge los und dann die Drogen … Ich hätte mich auch gefreut, wenn es früher erschienen wäre, aber es sollte einfach nicht sein.

“This night could go on forever or just end up in a fight / you know that we’re the ones that never get it right” (Lyrics aus “Sweet Eurotrash”)

Okay, aber ganz so faul könnt ihr auch nicht gewesen sein, denn ihr habt ein enorm abwechslungsreiches Album hingelegt, das so klingt, als sei die Tracklist aus Material aus ganz unterschiedlichen Sessions und Lebensphasen zusammengefügt worden. Was ist die Entstehungsgeschichte?

Ja danke, also einen Faktor hast du schon erwähnt: Es ist über die Jahre wirklich von ganz verschiedenen Lebensphasen beeinflusst worden und damit von Stimmungen. Dazu kommt, dass einige verschiedene Leute ihre musikalischen Einflüsse eingebracht haben. Wir hatten mehrere Besetzungswechsel, Musiker kamen und gingen, und das hat seine Spuren hinterlassen.

Es gibt auch, wenn ich mich nicht täusche, zum ersten Mal in der Bandgeschichte einen politischen Song auf diesem Album. “A Rough Guide To The Future” scheint mir von der politischen Situation in den USA und auch allgemein dem Zustand der Welt zu handeln.

Der Songs ist über Trump. Die Nacht, in der sein Sieg verkündet wurde, war ein Schock.

“Well I’m not sure, but I am fairly certain / when I read ‘1984’ / it wasn’t meant to be a rough guide to the future […] But you know how it goes / now we’re reaping what we sowed / never put your faith in the masses” (Lyrics aus “A Rough Guide To The Future)

Auch der Albumtitel fällt ein bisschen aus der Reihe, weil er düsterer ist, als man es von euch gewohnt ist. Hat der eine tiefere Bedeutung?

Nein (lacht), der Albumtitel gar nicht, der ist einfach nur ein Zitat von einer guten Freundin von mir, die beim gemeinsamen Chillen meinte: “You know, Geoff, this is a good day for the damned.” Ich fand das so gut, ich habs mir aufgeschrieben und wollte es als Titel verwenden.

Jetzt kennen wir also das Erfolgsgeheimnis: Bei Jaya The Cat nehmen sich die Dinge selbst in die Hand und früher oder später kommt etwas Großartiges dabei heraus. Diese Unverkrampftheit und das routinemäßige Fokussieren auf die hedonistischen Seiten des Lebens springen auch auf diesem Album wieder aus jedem Riff und jeder Textzeile. Es macht Spaß und Lust auf mehr. Wir streichen uns das Jahr 2022 mal rot im Kalender an, dass wir beizeiten mal nach dem Nachfolger fragen. Für den Moment haben wir nur noch einen Wunsch:

“Put me on a plane and point it to the sun / Throw me on a beach / and just leave me there” (Lyrics aus “Just Leave me there”)
(df)


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