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Isolationssaft

„Dann bau ich mir ein Kartenhaus aus Serotonin, mitten in Berlin, ich hab‘ dir längst verziehn. Mitten in Berlin träume ich von Wien“, so beginnt, was sich erst viel später im „Kicks“-Modus eine ganze Welle lang austobt. Dazu später mehr. Erstmal regieren hier Gewebshormon und Neurotransmitter. Dazu balutanzbärt ein retrograder Bass wie aus dem Schlagerland der Sechziger. Und nicht nur der Textzeile oben wegen schreit irgendjemand in derselben Parkanlage ganz weit aus der Ferne nach Wanda. Isolation Berlin, ihr neues Album „Vergifte Dich“, viele Zeitlupen und ein sogenanntes Wohlfühlhormon also. Wenn das mal gutgehen kann. Und richtig, der Menschenhass ist gar nicht fern, Nietzsches Werk trägt Eselsohren, in deinem Lieblings-Smoothie stecken noch mehr kontaminierte Stachelbeeren als Kalorien und wenn man mal ganz ehrlich ist, dann tropft aus den Wolken noch immer sehr viel Zeit.

Und Romantik? Nicht die einer Element Of Crime-Mischpoke oder wenn doch, dann durch mindestens ein schwarzes Loch gezogen, mit schwachem Fleisch in einem Topf zum Siedepunkt gebracht und sogleich schockgefroren eingelagert. „Vergeben heißt nicht vergessen“ fängt tollwütige Schneeflocken ein und kommt insgesamt trotzdem recht gut ohne Splittergefahr mit der Holzklampfe aus. Gefallen und fallen lassen, alles geboten zwischen Schaum und Wein auf den Lippen. Die dunkle Seite des Hedonismus, der Abgrund als Ha(r)fentor zur Einsamkeit. Tobias Bamborschkes metaphorische Gestik transportiert aber auch die Ideen eines vollkommen Verlorenen, dessen Schlachten dennoch etwas Gewinn bescheren. Vielleicht eine Gin-Gin-Situation, vielleicht aber auch Wasserfolter. Im Nebenzimmer trocknen derweil Maries Tränen. Nennt das hier übrigens bitte niemals Indie-Rock und primalscreamt jetzt endlich in der Endlosschleife zu „Kicks“. Isolation Berlin: 12. April | Uebel & Gefährlich (kel)