Ticket-Hotline: 040-343044 (Theaterkasse Schumacher)

SUCHE  

Melodien für Millionen

Es ist doch eigentlich mal vollkommen Latte, wer wann zu welchem Zeitpunkt und warum irgendetwas in die nächsten fünfundsiebzig Minuten Musik hineininterpretiert. Also, kannst du schon machen, wird nicht immer scheiße und manchmal lebt ja auch ein Blog wie unserer vorgeblich exakt davon. Doch muss denn das auch, wenn einer wie Nils Frahm mit einem Album aus dem eigenen Funkhaus-Studio um die Ecke kommt, welches schon „All Melody“ im Namen trägt? Und schwupps, die Interpretationsfalle schlägt von hinten durch die kalte Küche zu.

Derweil spielt sich nach einem kleinen Intro mit dem über neunminütigen Co-Opener „Sunson“ etwas ab, wie ich es zuletzt bei den legendären Kruder & Dorfmeister-Alben erlebt habe: Die ganz profane Magie der ersten Begegnung nämlich. Nicht mehr, schon niemals weniger. Und apropos „weniger“: „Die Musik, die ich in meinem Inneren höre, wird wohl nie auf einem Album landen – denn ich kann sie scheinbar nur für mich selbst spielen.“ Könnte im Zitategiftschrank unter Verschluss landen, weil diese Perspektive Nils Frahms, je nach … verdammt, genau, Interpretation so herrlich ambivalent bis tieftraurig stimmen kann. Und dafür ist im gar nicht immer so elektrominimalistischen Piano-Genre ja glücklicherweise mehr als ausreichend Platz. Zum Beispiel in solchen tiefen Momenten wie „My Friend The Forest“. Für Auskenner: Ein paar der Chor-Momente von „All Melody“ lassen sich auf Oldfields Mike der frühen Achtziger zurückdrechseln. Und nein, nicht auf Mondlicht und Schatten. Meine Presse, ist das schön. Nils Frahm: 21. April | Elbphilharmonie (ausverkauft). (kel)